Two German versions side by side
Parallel edition (²OZ and WZ side by side): 1 Nach Konstantinopel | 2 Über den Taurus | 3 Unterwegs nach Bagdad | 4 Bagdad | 5 Neues Ziel: Persien | 6 Wieder in Bagdad | 7 Am Euphrat | 8 Rückzug | 9 Neuer Beruf: Karawanenführer | 10 Aleppo | 11 Urlaub | 12 Rückzug und Kriegsende | 13 Heimkehr | Nachwort
A parallel edition of Otto’s handwritten “Zweitschrift” and his son Werner’s copy-edited version
In the section below, the text of Otto Zoberbier’s memoirs is given in German as verbatim transcript of the two extant versions, i.e.,
- in the left column, the handwritten “Zweitschrift” (²OZ, transcribed from the original with the help of the open-access text recognition software Transkribus), and
- in the right column, his son Werner’s copy-edited and digitised version (WZ, processed from a PDF version with the help of Adobe Acrobat XI Pro’s in-built OCR functionality).
The two versions were then aligned and converted into a 2-column table using LF Aligner 4.25.
For the reader’s/user’s convenience, here is again a brief characterization of the two versions, as well as a few words about the alleged first manuscript (*¹OZ).

In lieu of a foreword
[The following two paragraphs are actually Werner Zoberbier’s “Epilogue” to his ‘edition’ of his father Otto’s memoirs. For the German original, see below, Nachwort.
<WZ 21b> My father, Otto Zoberbier, had served with the 2nd Dragoons in Schwedt on the Oder river before the First World War [see Biography]. Like his older and taller brother, he had previously volunteered for the Guards Dragoons in Berlin, but unlike his brother, he was not accepted there because he was too short. During his three years of service in Schwedt, he applied for a transfer to the Schutztruppe in German Southwest Africa, but again without success. At the beginning of the war he was immediately drafted, and he took part in the rapid advance in France with his regiment in August 1914. When the cavalry became redundant at the beginning of the trench warfare, he again hoped for an adventurous assignment far away, and he applied for a post with the “Staff von der Goltz,” the liaison staff with the Turkish ally. This time successfully.
After the war, he told about his adventures and was admired for that by everyone. His friends kept asking him to write down his experiences, which he then did. A first notebook, written in German cursive, was read by many and eventually became very tattered. At an advanced age, he copied and revised his account again, because his adventures in Arabia were his greatest experience. To facilitate reading for his grandchildren and great-grandchildren, his records were transferred into typescript.
Werner Zoberbier [early 1980s]
Side-by-side edition
| 2OZ | WZ |
|---|---|
| <WZ cover r.> Otto Zoberbier | |
| <²OZ facs. cover r.>0 Meine Erlebnise im Orient : Persien und Arabien, 1915–1919. | Meine Reise durch den Orient |
| Für seine Enkel und Urenkel abgeschrieben von seinem Sohn | |
| <²OZ facs. 1> Meine Reise durch den Orient | |
<WZ 1a>0 1. Nach Konstantinopel | |
| Nachdem wir in Berlin in der Kaserne des IIten Garde Regiment zu Fuß uns aus Kameraden der ganzen deutschen Armee versammelt hatten, ging es nach Schöneberg und entfingen dort unsere Tropenausrüstung. Nun verlebten wir hier noch einige schöne Tage, auch einen Sonntagsurlaub bekamen noch diejenigen die in der nähe von Berlin zuhause waren. Nun kam der Tag unserer Abreise, es wurde noch gehörig Abschied gefeiert und alle waren in bester Stimmung. ≡0 | Nachdem unser Kommando zum Stabe von der Goltz in Berlin 0 in der Kaserne des II. Garde Regiments zu Fuß aus Kameraden der ganzen deutschen Armee zusammengestellt war, empfingen wir in Schöneberg unsere Tropenausrüstung. Wir verlebten in Berlin noch einige schöne Tage, und diejenigen, die in der Nähe zu Hause waren, bekamen noch einen Sonntagsurlaub. Es kam der Tag unserer Abreise, und vorher wurde noch gehörig Abschied gefeiert. Alle waren in bester Stimmung. |
| Am Abend des 11ten Dezember 1915 ging es per Auto zum Schlesischen Bahnhof, wo unser Zug schon für uns bereit stand und sich gegen ½ 11 Uhr mit uns in Richtung Breslau in Bewegung setzte und nun gings dem fernen Süden zu, der uns auf lange Zeit der lieben Heimat fern hielt. ≡ | Am 11. Dezember 1915 ging es dann per Auto zum Schlesischen Bahnhof. Unser Zug stand schon bereit. Als wir uns auf die Abteile verteilt hatten – pro Abteil drei Mann – ging es gegen ½ 11 in langsamer Fahrt in Richtung Breslau, dem fernen Süden zu, der uns auf lange Zeit der lieben Heimat fern hielt. |
| Als wir am nächsten morgen mit schweren Kopf aus dem Schlaf geweckt wurden hilten wir in Sagan, wo uns Kaffee mit Würstchen geboten wurde der uns ausgezeichet bekam. Nach <²OZ facs. 2> kurzen Aufenthalt ging es nun langsam weiter und trafen gegen 1 Uhr mittags in Breslau ein, wo wir dann unser Mittagsessen entfingen. Hier hatten wir einen längeren Aufenthalt und es wurden noch kleinere Sachen und Andenken gekauft, die später wieder \als unnützer Ballast/ weggeworfen wurden. ≡ | Als wir am nächsten Morgen mit schwerem Kopf aus dem Schlaf geweckt wurden, hielten wir in Sagan, wo uns Kaffee und Würstchen geboten wurden. Die ließen wir uns gut schmecken. Nach kurzem Aufenthalt ging es in langsamer Fahrt weiter, und wir trafen gegen 1 Uhr in Breslau ein. Dort empfingen wir ein Mittagessen, das aber schon sehr kriegsmäßig ausfiel. Wir hatten einen längeren Aufenthalt und kauften noch allerhand Andenken und Kleinigkeiten, die wir später wieder als überflüssigen Ballast wegwarfen. |
| Gegen 7 Uhr Abends erreichten wir Oderberg, und verließen nun auf lange, lange Zeit unsere liebe deutsche Heimat. Nun gings in langsamer Fahrt über Prag, Budapest durch ganz Östreich-Ungarn, wo wir nun die Paprikasuppen zur genüge kennen lernten und uns allmählig über wurden. Unser erster längerer Aufenthalt war das Städtchen Temesvar, wo wir auch einen kleinen Abstecher in die Stadt machen konnten und uns nach mehren Tagen wiedermal richtig beim einen schönen Glase Ungarwein und Ungarischen-Gullasch so recht laben und stärken konnten. ≡ | Gegen 7 Uhr abends trafen wir in Oderberg ein. Auf lange Zeit verließen wir nun unsere deutsche Heimat. Wir fuhren durch ganz Österreich-Ungarn über Prag und Budapest, wo wir Paprikasuppen zur Genüge kennenlernten und allmählich überbekamen. Den ersten längeren Aufenthalt hatten wir im Städtchen Temeswar. Hier konnten wir einen kleinen Abstecher in die Stadt machen und uns bei Gulasch und einem schönen Glase Ungarwein so richtig laben und stärken. |
| Von hier aus ging es in langsamer Fahrt an den Gebirgen entlang und trafen am <²OZ facs. 3> 15ten Dezember Nachts in Orsowa ein. Orsowa Grenzstädtchen an der drei Länderecke Östreich-Ungarn, Rumänien und Serbien. Am morgen des 16ten Dezember | Es ging weiter durch die Puszta der rumänischen Grenze zu. In der Nacht zum 15. Dezember trafen wir in Orsowa ein. Orsowa war Grenzstadt am Drei-Länder-Eck Österreich-Ungarn, Rumänien und Serbien, wo unser ganzer Transport umgeladen werden musste. Am nächsten Morgen wurde schon sehr früh mit Hilfe russischer Kriegsgefangener mit dem Umladen auf Donaukähne begonnen. Die Arbeit war hart. Kräne waren nicht vorhanden, und die Kisten mit den französischen Gewehren waren sehr schwer. Aber am nächsten Morgen war auch das geschafft, und unser Transport war auf fünf Kähnen untergebracht. Auch wir Mannschaften quartierten uns auf den Kähnen ein und machten es uns gemütlich. Ein <WZ 1b> bisschen Zeit hatten wir noch, um uns für ein paar Stunden den Ort anzusehen und wieder mal ein anständiges Mittagessen zu uns zu nehmen. |
| Gegen 1 Uhr traf ein Schlepper ein und nahm unsere 5 Frachtkähne ins Schlepptau und setzte sich nun mit unseren kleinen Schleppzug langsam in Richtung Listow Bulgarien in Bewegung. Nun begannen <²OZ facs. 4> wieder für uns ein paar ruhige Tage und langsam glitt unser kleiner Gleitzug nun du[r]ch die schöne Gegend, lings die Gebirge Rumaniens und rechts die Berge Serbiens. Am ersten Tage unserer Donaufahrt legten wir Abends vor dem kleinen serbischen \Städtchen/ Kladowa an, daß von den Östreicher besetzt war und wir an Land gingen und von den Östreichischen Kameraden herzlich empfangen wurden und ließen uns den serbischen Wein gut schmecken. ≡ | Gegen 1 Uhr mittags traf ein Schlepper ein und nahm unsere fünf Kähne Richtung Sistow, Bulgarien, in Schlepptau. Nun begannen für uns wieder ein paar ruhige Tage. Langsam glitt unser kleiner Geleitzug durch die schöne Gegend. Links die Gebirge Rumäniens und rechts die Berge Serbiens. Am ersten Abend unserer Donaufahrt legten wir vor dem Städtchen Kladowa an, wo wir an Land gingen. Kladowa war vom österreichischen Landsturm besetzt, der uns auf das herzlichste begrüßte und gemeinsam mit uns so manche Flasche Wein leerte. |
| Nun gings durchs Eisernestor wo einer unserer Frachtkähne auflief und sich selbständig machte, wobei unser Kamerad Schleusener der grade beim Zähneputzen war, seine Zahnpothese der Donau zum Pfand hinterlassen mußte. Nachdem sich unser Gleitzug nun wieder geordnet hatte, legten wir am Abend vor dem serbischen Städtchen Lompalanka [or: ‑o] an, wo wir auch wieder an Land gingen, Lompalanka was von den Bulgaren besetzt, mit denen wir uns nicht verständigen konnten, die uns aber doch mehrere Flaschen Wein spendierten. ≡ | Weiter ging es durch das “Eiserne Tor”. Wir hatten das Pech, dass einer unserer fünf Frachtkähne auflief und sich selbständig machte. Bei der Gelegenheit verlor Kamerad Schleussner, der gerade beim Zähneputzen war, seine Zahnprothese. Als sich unser Geleitzug wieder geordnet hatte, setzten wir die Fahrt fort. Abends kamen wir bei dem Städtchen Lompalanka an, das von Bulgaren besetzt war. Auch hier gingen wir an Land und leerten wieder ein paar Flaschen Wein mit unseren bulgarischen Kameraden, obwohl wir uns mit ihnen nur recht schlecht verständigen konnten. |
| Nun gings durch die Rumäni- <²OZ facs. 5> scheebene, der Nebel war öfters so stark, daß wir vor Anker gehen mußten. Am fünften Tage unserer Donaufahrt langten wir vor dem Städtchen Sistow Bulgarien an wo wir vor Anker gingen und damit war nun unsere Donaufahrt zuende. ≡ | Die Fahrt ging weiter durch die rumänische Ebene. Am Tage war der Nebel öfter so stark, dass wir vor Anker gehen mussten. Am fünften Tage unserer Fahrt langten wir an unserem Bestimmungsort Sistow, Bulgarien, an, wo wir am Kai festmachten. Hier beendeten wir unsere schöne Donaufahrt. |
| Am nächsten morgen ging es nun gleich wieder mit dem Umladen unseres Transport los, doch der Hafen war schon etwas Moderner, hatte Krähne und kräftige Bulgarische Asker (Soldaten) halfen beim Umladen, daß gegen Abend des 23ten Dezember beendet war. Nun konnten wir uns wieder ein paar ruhige Stunden gönnen, uns die Stadt ansehen und uns das Leben und Treiben dieser Stadt \und Menschen/ ansehen und mit erleben konnten. Hier feierten wir unser Heiligabend, wo wir auch die für uns angekommenen Liebesgaben in empfang nehmen konnten. Die Weihnachtstage verlebten wir nun wieder im Eisenbahnwagen, ≡ | Am nächsten Morgen begann wieder das Umladen des Transports in Eisenbahnwagen. Der Hafen in Sistow war schon moderner. Er hatte Kräne, und das Verladen der schweren Kisten war eine Spielerei. Sie wurden gleich vom Kran an einem Haken genommen und in die Eisenbahnwagen geladen. Auch kräftige bulgarische Asker (Soldaten) halfen, so dass für uns nicht viel zu tun übrigblieb. Am Abend des 23. Dezember war alles geschafft, und wir konnten uns die Stadt ansehen, das Leben und Treiben der Menschen beobachten und uns ein paar ruhige Stunden gönnen. Am Abend darauf konnten wir die für uns angekommenen Liebesgaben aus der Heimat in Empfang nehmen und unseren Heiligabend feiern. |
| die Fahrt durch Bulgarien und der Europäischen Türkei war Eintönig und für uns auch unintressant. In der Nacht vom 26ten zum <²OZ facs. 6> 27ten Dezember 1915 trafen wir in Konstantinopel ein. ≡ | Von hier aus ging die Fahrt per Eisenbahn durch die europäische Türkei nach Konstantinopel. Die Fahrt war sehr eintönig und uninteressant. Beide Weihnachtsfeiertage erlebten wir im Zug. In der Nacht zum 27. Dezember erreichten wir endlich Konstantinopel. |
| Am morgen gings in die Stadt, wo wir als erste deutsche Feldgrauen eintrafen und bestaunt wurden. Nachdem wir die erste Nacht im Massenquartier verbrachten, aber vor Wanzen nicht Schlafen konnten, machtes wer uns am nächsten Morgen auf der Suche nach einen Privatquartier. Es waren auch hier mehrere deutsche Geschäfte \und deutsche Familien/, die uns einluden und uns aufs beste und schönste bewirteten. Nun hatten wir großes Glück und fanden 5 Mann ein wunderbares Quartier in einen deutschen Gasthaus in Pera, der Mann war Soldat in Deutschland, die Frau und der 17 jährige Sohn besorgten die Wirtschaft, in der auch die Besatzungen vom großen Kreuzer Göben und Kreuzer Breslau verkehrten und somit der Hahn im Korbe wurden. ≡ | Als wir am nächsten Morgen durch die Stadt schlenderten, wurden wir als deutsche Feldgraue von den Bewohnern bestaunt. Die Nacht hatten wir in einem Massenquartier verbracht, in dem wir vor lauter Wanzen keinen Schlaf fanden. So <WZ 2a> schnell wie möglich suchten wir uns ein anderes Quartier, das wir, als wir die Leute fragten, auch bald fanden. In Konstantinopel gibt es mehr deutsche Geschäfte und Wirtschaften als man denkt. Und so hatten wir Glück, in einer deutschen Gastwirtschaft Unterkunft zu finden. Der Mann war Soldat in Deutschland, und seine Frau und der 17-jährige Sohn besorgten an seiner Stelle den Gasthof. Hier verkehrten auch die Matrosen der Kreuzer “Göben” und “Breslau”, die begeistert unsere Ankunft feierten. Wir waren mit einem Mal Hahn im Korb. |
| Wie haben wir hier gelebt und wünschten es mochte immer so bleiben, daß Essen war vorzüglich und die Getränke nicht schlechter. Wir mußten uns ja jeden Tag auf der Etappe melden, hatten dann aber Frei und noch genügend Zeit um <²OZ facs. 7> uns die Stadt an zusehen und kennen lernen. Der Sohn unserer Wirtin war uns ein unentbehrlicher Begleiter und Berater, er zeigte uns alle Sehenswürdigkeiten und war auch perfekt der Türkischen Sprache mächtig, so besuchten wir auch die Weltberühmte Moschee Hagaria-Sofia, die wir auch nach ablegen unseres Schuhzeugs betreten dürften und Besichtigen. Nun wurden wir auch von den Matrosen und Untroffzieren der Göben und Breslau zur Besichtigung der beiden Schiffe ein geladen, was wir uns dann auch nicht entgehen liesen. Zwischen Konstantinopel und Stenia wo die beiden Schiffe vor Anker lagen verkehrte Täglich die Dampfpinasse (ein großes Motorboot der Göben) Wir wurden dann auch von der Pinasse abgeholt, und fuhren dann den schönen Bosporus hinunter nach Stenia, wo die beiden Schiffe vor Anker lagen. Uns wurde alles gezeigt was auf einen Kriegsschiff zu sehen gab, die Göben ein herrliches <²OZ facs. 8> Schiff von 186 Meter länge, die großen Geschütztürmen mit ihren 28 cm Geschützen, war für uns Feldgrauen ein einmaliges Erlebnis. Es wurde uns auch alles gezeigt und erklärt, was Civilpersonen nie zusehen bekamen. ≡ | Wie haben wir hier gelebt und geschwelgt! Dienst gab’s nicht. Wir mussten uns nur täglich auf der Etappe melden, und hatten dann genügend Zeit, die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Der Sohn unserer Wirtin sprach perfekt türkisch und war uns ein unentbehrlicher Begleiter und Berater. Wir besuchten die weltberühmte Hagia-Sophia-Moschee, die wir nur nach Ablegen unseres Schuhwerks betreten durften. Die Matrosen der “Göben” und “Breslau” luden uns ein, ihre Schiffe zu besichtigen. Von der Dampfpinasse der “Göben” wurden wir abgeholt, und wir fuhren den schönen Bosporus entlang nach Stenia, wo die beiden schönen Schiffe vor Anker lagen. Uns wurde alles gezeigt, was es auf einem Kriegsschiff zu sehen gibt. Die “Göben” ist ein Schiff von 186 m Länge. Wir durften die großen Geschütztürme mit ihren 28 cm-Geschützen sehen. Es wurde uns alles gezeigt und erklärt, was Zivilpersonen sonst nie zu sehen bekommen. Für uns Feldgraue war es ein einmaliges Erlebnis. |
2. Über den Taurus | |
| Auch diese schöne Zeit nahm auch \wieder/ ihr Ende, und so kam der Tag an dem auch ich an der weiter Reise an der Reihe war. Von hier aus wurden wir einzeln als Transportführer mit mehreren Wagon weiter geschickt, nachdem nun auch mein Transport bestehend aus 2 Waggon Gewehren zusammen gestellt war, mußte ich auch wieder von hier Abschid nehmen, in der wir so viele unvergeßliche schöne Stunden verlebt hatten. Am 9ten Januar war es nun soweit und meine Quartierwirtin gab mir noch 1 Flasche Wein und andrere Lebensmittel mit auf die weite Reise. ≡ | So gingen die Tage dahin. Ein Kamerad nach dem anderen verließ Konstantinopel mit Transporten auf die große Reise. Und auch für mich kam der Tag des Abschieds, an dem die schöne Zeit in Konstantinopel zu Ende ging und ich mit einem Transport meine weite Reise antreten musste. Jeder von uns wurde einzeln mit einem Transport abgeschickt. Mein Transport bestand aus zwei Waggons mit Gewehren. Am 16. Januar 1916 war es so weit. Mit Lebensmitteln und Getränken war ich reichlich versorgt. Meine Quartierswirtin ließ es sich [nicht] nehmen, mir noch eine Flasche Wein und andere Lebensmittel mitzugeben. |
| Ich ging nun wieder als einzelner mit meinen Transport von Haidar-Pascha (Kleinasien) auf die weite Reise. Ich <²OZ facs. 9> war nun ganz allein, Platz hatte ich genug in meinen Waggon, so fing ich an mich für einige Tage Häuslich einzurichten. Das Feldbett wurde aufgestellt, ein paar Kisten als Tisch und Stuhl zusammen gerückt und schon war der Salon fertig. Nun saß ich in meinen Salon, kaum ein Wort der Türkischen Sprache mächtig, mit Verpflegung war ich eingedeckt und die reichte für die Reise. ≡ | Mein Transport ging von Haidar-Pascha ab. Haidar-Pascha liegt auf der asiatischen Seite von Konstantinopel. Man erreicht es mit der Fähre über den Bosporus. Nun war ich ganz allein. In einem der Waggons fing ich an, mich häuslich einzurichten. Ich schlug <WZ 2b> das Feldbett auf, rückte ein paar Kisten als Tisch und Stuhl zusammen, und mein Salon war fertig. Da saß ich nun, gut eingerichtet und mit allem versorgt, aber keine Unterhaltung. Und wie hätte ich mich unterhalten sollen mit meinen wenigen Worten Türkisch. |
| Am nächsten Morgen bei einen längeren Aufenthalt auf einer größeren Station, sprach mich ein Türkischer Militärartzt der sehr gut Deutsch sprach an, der auch auf der Fahrt zur Front war und nun auch gleich mit seinen Gepäck zu mir in meinen Waggon zog. Nun hatte ich wieder Gesellschaft und lernte noch ein paar Worte Türkisch dazu. ≡ | Die Reise begann. Bei einem längeren Aufenthalt auf einer Station sprach mich ein türkischer Militärarzt an, der sehr gut deutsch konnte. Er war mit einer türkischen Formation auf dem Weg zur Front. Mein Salon gefiel ihn besser als sein Platz im Eisenbahnwagen, und so zog er zu mir mit all seinem Gepäck. Jetzt hatte ich Gesellschaft und lernte gleichzeitig noch ein paar Worte Türkisch! |
| Die Fahrt ging nun am Golf von Ismid entlang, durch ganz klein Asien Berge, Tunnel an Tunnel über Eskischier, Karahissar, Konia bis Posanti wo ich am dritten Tag meiner Bahnfahrt Nachts <²OZ facs. 10> ankam. Posanti war damals Endstation, der Tunel durch das Taurusgebirge war noch nicht fertig und es mußte alles wieder ausgeladen werden. Hier in Posanti war eine deutsche Etappe eingerichtet, ein deutscher Hauptmann mit einen deutschen Soldaten und einen Perser als Dolmetscher leiteten die Etappe. Hier verlebte ich nun wieder einige schöne Tage die mir ewig in Erinnerung bleiben werden. ≡ | Die Fahrt ging am Golf von Izmit entlang, durch ganz Klein-Asien, in den Gebirgen durch Tunnel und Tunnel, über Izmit, Eskisehir, Karahisar, Konya bis Pozanti. Am dritten Tag war erst einmal Endstation. Hier war eine deutsche Etappe eingerichtet worden, mit einem Hauptmann, einem Gefreiten und einem sehr gut deutsch sprechenden Perser als Dolmetscher. Für deutsche Soldaten gab es jetzt keine Arbeit mehr. Was zu tun war, wurde von türkischen Soldaten (Asker) und Hamals getan. |
| Nachdem ich meinen Transport übergeben hatte, hatte ich nichts mehr mit ihm zutun, daß besorgten nun alles die Türkische Soldaten. Nun nutzte ich wieder die paar Tage gründlich aus um mit dem Dolmetscher und den deutschen Kameraden die Umgegend zu Erkunden. ≡ | Nachdem ich am nächsten Morgen meinen Transport übergeben hatte, war ich für ein paar Tage frei. Mein Kamerad, der Dolmetscher, und meine Wenigkeit benutzten die Zeit, um in den umliegenden Dörfern Eier und Hühner zu kaufen. ≡ |
| Posanti liegt direckt in einen Kessel, ringsherum von hohen Bergen umgeben, die Häuser der Dörfer sind wie Schwalbennester an den Hängen angebaut, die Leute sind sehr Gastfreundlich, aber sehr primitiv eingerichtet, Tisch und Stuhl <²OZ facs. 11> kannten sie nicht. Kamen wir nun in ein Haus (Hütte) um Huhn oder Eier zukaufen, wurden wir auch schon eingeladen. Unser Dolmetscher der uns schon über die Sitten und Gebräuche der Einwohner unterrichtet hatte und uns dringend \bat/ ihnen \wenn nur irgend möglich/ keinen Wunsch abzuschlagen. Kaum hatten wir uns nach Türkischer Art die Füße überkreutz niedergelassen, was uns sehr unbequem war und Mühe machte, wurde schon die Tafel gedeckt, ein altes Tuch ersetzte das Tischtuch und Brodt (Fladen wie Puffer) Honig und verschiedene Soßen waren das Mahl. Messer und Gabel kannten sie nicht, es wurde alles mit den Händen gemacht, es wurden stücke vom Brodtfladen abgerissen und in die Soßen getaucht und so zu Munde geführt. Bestaunt und Bewundert wurden wir über unsere Ausrüstung, wie oft wurde unsere Ausrüstung Stiefel Bekleidung befühlt und Bewundert, be- <²OZ facs. 12> sonderes Intresse zeigten sie für unsere Karabiner und wie oft hörte man (Katsch Grusch) was kostet er. Am nächsten Tag gingen wir wieder in ein anderes Dorf und wurden dort vom Lehrer eingeladen, der uns seine Schüler vorstellte und uns einige Lieder vorsingen ließ, die Schüler waren sehr neugierig und betrachteten uns von allen Seiten, vor allen das wir aus Deutschland kamen. ≡ | Pozanti ist ringsum von hohen Bergen umgeben, und die Häuser in den Dörfern sind wie Schwalbennester an die Felsen geklebt. Die Leute sind sehr gastfreundlich, ihre Wohnungen primitiv eingerichtet. Tisch und Stuhl kennen sie nicht. Unser Dolmetscher hatte uns schon darauf vorbereitet und uns über die Sitten und Gebräuche unterrichtet. Er bat uns dringend, den Gastgebern nichts abzuschlagen. Kamen wir in ein Haus, um etwas zu kaufen, wurden wir auch schon eingeladen und mussten Platz nehmen. Die Männer und Kinder bestaunten uns, und besonderes Interesse fanden sie an unseren Karabinern. Immer wieder hörten wir die Frage: “Katsch grusch?” – “Was kostet das?” Auch unsere Stiefel und unsere Bekleidung wurden befühlt und bewundert. Zu dritt hatten wir in der Hütte Platz genommen, die Beine überkreuzt, da wurde auch schon aufgetragen. Tischtuch war ein Laken auf der Erde, Gabel und Messer kennen sie nicht. Es gab Brot (Fladen wie Kartoffelpuffer), Honig und noch verschiedene Soßen. Das Brot wurde mit Händen in Stücke gerissen, in die Soßen getaucht und zum Munde geführt. – Tags drauf machten wir einen Ausflug in ein anderes Dorf. Der Lehrer hatte uns eingeladen, die türkische Schule zu besichtigen. Zuerst stellte er uns seine Schüler vor, dann ließ er mehrere Lieder singen. Die Schüler waren erstaunt, dass wir aus Deutschland kamen, um zusammen als Freunde mit den türkischen Soldaten zu kämpfen. |
| Nun wurde hier wieder eine Karawane zusammen gestellt, diesmal aus 23 Ochsenwagen, um 10 Uhr war alles soweit fertig, die Wagen beladen und ich konnte abrücken. Der Marsch mit Ochsengespanne ging sehr langsam und die Steigung war beträchtlich sodaß wir gegen 4 Uhr schon in Schnee und Eis kamen. Nun machten die Fahrer alles Türkische Soldaten eine Pause, gaben ihre Ochsen etwas zufreßen, um sich auch ein bischen auszuruhen. Die Steigungen wurden immer Steiler, die Ochsen immer Müder, es wurde bereits Dunkel und die <²OZ facs. 13> Ochsen legten sich vor ihren Wagen nieder. Der Weg wurde immer schlechter, an Stellen wo das Wasser über die Straße lief, war alles vereist und die Wagen mußten einzeln über die vereisten Stellen geschleußt werden. Doch unsere Herberge (Hahn) war noch ziemlich weit, ≡ | <WZ 3a> Weil der Tunnel durch das Taurusgebirge noch nicht fertig war, mussten von Pozanti aus unsere Sachen per Ochsenkarren weiter transportiert werden. Unser Transport bestand aus 23 Ochsengespannen. Um 10 Uhr war alles fertig, und wir konnten uns langsam in Bewegung setzen, langsam wie Ochsengespanne. Die Steigung imGebirge war beträchtlich. Nachmittags gegen 4 Uhr machten wir Rast in Eis und Schnee. Die Ochsen waren müde. Die Gespannführer – türkische Soldaten – gaben den Ochsen zu fressen und mussten sich auch ausruhen. Die Straße wurde immer steiler, und die Ochsen wollten nicht mehr weiter und legten sich quer vor die Wagen. Es dunkelte bereits, und die Straße wurde immer schlechter. An Stellen, wo das Wasser über den Weg lief, war es gefroren, so dass die Wagen einzeln über die vereisten Stellen geschoben werden mussten. Wir hatten zwar den Kamm des Gebirges erreicht, aber der Weg bis zum Han (Herberge) war noch weit. |
| an ein weiter kommen war nicht mehr zudenken und es war Nacht geworden als wir den Kamm erreicht hatten. Hier an der Straße waren einzelne verfallene Ruinen, es wurde Halt gemacht, die Ochsen wurden ausgespannt, zusammen getrieben und bekamen ihr Futter. Die Asker machten \sich/ nun in einer Ruine die nur aus 4 Wänden bestand ein schönes Feuer. Holz hatten die Asker schon unterwegs gesammelt. Der Mond stand hoch am Himmel und es war bitter Kalt. Mein Abendbrodt bestehend aus Fleischkonserve und Brodt hatte ich bereits verzehrt und mein Lager auf einen offenen Wagen zurecht gemacht, aber an ein Schlafen war nicht zudenken, es war zu Kalt, ich hatte nur eine Decke. Nun ging ich <²OZ facs. 14> wieder zu den Asker die in ihrer Ruine das Feuer nicht ausgehen ließen um mich ein bischen aufzuwärmen, aber lange hielt man es am Feuer nicht aus, es räucherte fürchterlich. Nun ging ich wieder zu den Wagen, legte mich wieder hin, bis ich es vor Kälte nicht mehr aushielt, aufstand und auf der Straße hin und her lief, bis ich warm wurde. Die Nacht was sehr lang geworden und ≡ | Es war Nacht geworden und an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken. In einer verfallenen Ruine neben der Straße wurde Rast gemacht, die Ochsen ausgespannt und zusammengetrieben und gefüttert. Schon unterwegs hatten die Asker, die türkischen Soldaten, Holz gesammelt und machten in unserer Ruine, die nur aus den vier Wänden bestand, Feuer. Um das Feuer herumsitzend nahmen wir unser Abendbrot zu uns, Fleischkonserve und Brot. Ich hatte mein Lager auf einem der offenen Wagen zurechtgemacht, kein Dach über dem Kopf, und der Mond stand hell am Himmel. Ich hatte nur eine Decke, und es war so kalt, dass an Schlafen nicht zu denken war. Ich hoffte, dass ich mich am Feuer bei den Asker in der Ruine aufwärmen könnte, aber das war ein Trugschluss. Es war zwar wärmer, aber das Feuer rauchte furchtbar. Die Asker ließen das Feuer nicht ausgehen, und einer nach dem anderen wärmten sich daran. Nach einiger Zeit legte ich mich wieder auf mein Lager in meinem Wagen. Das war wieder zu kalt, und ich suchte wieder Zuflucht am Feuer der Asker in der Ruine. Dann wieder lief ich an der Wagenkolonne hin und her, nur um ein bisschen warm zu werden. |
| ich war Glücklich als der Morgen graute und unsere kleine Karawane sich wieder in Bewegung setzte, mit frischer Kraft ging es nun weiter, der Gipfel war erreicht und der Weg ziemlich eben. Nach einer guten Stunde erreichten wir nun den (Hahn) Herberge wo wir Übernachten wollten, es wurde nochmals Rast gemacht und bei einer Tasse heißen Tee schön aufgewärmt. Nun war das schlimmste überstanden, der Weg war eben und ging nun schon öfters Bergab, \und/ | Ich war glücklich, als der Morgen graute und sich unsere kleine Kolonne wieder in Bewegung setzte. Mit frischer Kraft ging’s weiter. Den Gipfel hatten wir erreicht, und der Weg war nun eben. Nach einer guten Stunde kamen wir am Han an, in dem wir hatten übernachten wollen. Wir machten nur eine kurze Rast, tranken eine schöne Tasse heißen Tee und fühlten uns dann wohl und aufgewärmt. Das Schlimmste war überstanden. Der Weg war jetzt eben, führte aber an 100 m tiefen Schluchten entlang. Dann ging es in Schlangenlinien bergab, und immer noch an steilen Bergwänden und tiefen Schluchten vorbei – gruselig. |
| erreichten schon am 2ten Tag bei Zeiten unsere 2te Etappe Han Herberge wo wir Übernachteten. Es war eine schöne Herberge, die Soldaten (Asker) waren gut untergebracht, die Ochsen hatten ihren schönen Stall und wir schliefen im Stall in Balkonartige Verschläge die in zwei Meterhöhe an den | <WZ 3b> Am zweiten Tag erreichten wir schon früh unser vorgesehenes Ziel. Es war für orientalische Verhältnisse eine schöne Herberge. Die Asker und auch die Ochsen waren gut untergebracht. Die türkischen Soldaten sind sehr genügsam. Mit einem Stück Brot, einer Hand voll Datteln und etwas Tabak für ein paar selbst gedrehte Zigaretten sind sie zufrieden. Am Tag drauf traten wir unsere letzte Tagesfahrt über das Taurusgebirge an, nachdem wir morgens unseren Tee getrunken hatten. Mensch und Tier waren ausgeruht und hatten sich gut erholt. Es ging nun fast immer bergab. Gegen Mittag konnten wir die weite Ebene überblicken, und in der Ferne sah man das Mittelländische Meer. Doch der Weg wollte und wollte kein Ende nehmen. Wir sahen schon die Lichter des Bahnhofs Güleck, aber es wurde doch noch sehr spät, ehe wir dieses Ziel erreichten. |
| Aber welche Enttäuschung, keine deutsche Etappe, nur ein Türkischer Posten, nun ließ ich die Wagen zusammenfahren und Posten aufzustellen. Nun machte ich mich mit dem Türkischen Schausch (Unteroffzier) auf den Weg nach Tarsus wo der deutsche Etappenoffizier wohnen sollte, der Weg nach Tarsus ist mindesten drei bis vier Kilometer. In Tarsus war ein deutscher Farmer Farnow ansäßig der dort eine große Baumwoll-Plantage besitz und in der ganzen Stadt bekannt war, an dem ich mich nun wenden konnte, um die Wohnung des Deutschen Etappenoffiziers zu erfahren. Sehr spät war es schon als wir die Stadt erreichten und so krochen wir in die erste Herberge unter, wo schon al- <²OZ facs. 17> lerlei Gesindel Unterschlupf gesucht hatte. Geschlafen habe ich trotsdem gut ≡ | Die Enttäuschung war groß. In der Erwartung, hier in Güleck eine Etappe vorzufinden, sahen wir nur ein paar türkische Asker herum hocken. Ich ließ die Wagen zusammen auffahren und stellte Posten auf. Mit dem türkischen Schausch (Unteroffizier), der auch zu unserer Kolonne gehörte, marschierte ich in das 3 km entfernte Tarsus, in der Hoffnung, dort den deutschen Etappen-Offizier zu finden. Man hatte mir gesagt, ich sollte mich an den deutschen Besitzer einer großen Baumwollplantage namens Tarnow wenden, den jeder im Ort kannte und der auch die Wohnung des Etappen-Offiziers wüsste. Inzwischen war es spät geworden, als ich mit dem Schausch die Stadt erreichte. Jetzt noch Tarnow zu finden war hoffnungslos, und wir krochen ohne unser Gepäck, das wir bei der Kolonne gelassen hatten, in der ersten besten Herberge unter. Allerlei Gesindel hatte hier schon Unterschlupf gefunden, aber es war warm und wir waren müde und haben trotzdem gut geschlafen. |
| und als es Hell wurde und wir uns gestärkt hatten, ging ich auf der Suche nach Farnow. Aber der Name Farnow war bekannt und bald stand ich vor dem Hause. Es war aber noch ziemlich früh und die Herrschaften Schliefen noch, ich sollte nach einer Stunde wieder kommen, nun ging ich noch durch den Basar, trank ein paar Glas heiße Milch, um die Zeit zu verbringen. ≡ | Schon früh am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach dem Baumwollplantagen-Besitzer. Im Basar hatte ich noch schnell ein Glas heiße Milch getrunken. Wir liefen in der Stadt herum, weil es uns noch zu früh erschien, um bei Herrn Tarnow vorzusprechen. Aber erst einmal mussten wir herausfinden, wo er wohnt. Wir fragten Leute auf der Straße, ob sie die Wohnung von Tarnow wüssten. Gegen 8 Uhr hatten wir Glück. In der Wohnung von Tarnow angekommen, sagte man uns, die Herrschaften schliefen noch, und ich solle nach einer Stunde wiederkommen. Nochmals machten wir einen Spaziergang durch den Basar. |
| Pünklich war ich dann wieder zur Stelle und wurde nun auch von den Herrschaften empfangen, Herr Farnow gab mich nun auch gleich einen Boten mit, der mich zum Oberleutnant brachte und ich ihm den Transport meldete. Ein Deutscher Gefreiter der mit dem Oberleutnant zusammen die Etappe führte, brachte mich nun zum Hotel Stambul wo ich mich Einquartierte und wieder mal ein schönes Bett hatte. In diesen Hotel waren auch zwei Östereichische Kameraden Einquartiert die aus Russischer Kriegs- <²OZ facs. 18> gefangenschaft aus Sibirien geflohen, durch ganz Persien zu Fuß gewandert waren, hier auf ihren Weitertransport warteten. Hier war auch ein ausgezeichnetes Speise Restaurant, wo auch der Oberleutnant aß und auch wir sehr gut Essen konnten, Nachmittag fuhr ich nun mit dem Oberleutnant zusammen zum Bahnhof Gülek den Transport zu besichtige und nach unserer Rückkehr noch zusammen ein Glas Wein tranken. ≡ | Pünktlich nach einer Stunde war ich wieder zur Stelle. Jetzt war auf einmal alles sehr einfach. Ich wurde von Herrn Tarnow empfangen, und der gab mir einen Boten mit, der mich zum Etappen-Offizier brachte, dem ich meinen Transport zu melden hatte. Es war ein deutscher Oberleutnant, der mit einem Gefreiten die Etappe führte. Am Nachmittag wollte <WZ 4a> der Oberleutnant mit nach Güleck fahren, um den Transport zu besichtigen. Inzwischen sollte ich mein neues Quartier, das Hotel Stambul, aufsuchen, wohin mich der deutsche Gefreite brachte, und wo ich wieder als richtiger Mensch leben konnte. Im selben Hotel waren auch zwei österreichische Kameraden untergebracht, die aus russischer Gefangenschaft in Sibirien geflohen und durch ganz Persien zu Fuß marschiert waren. Jetzt warteten sie auf den Abtransport in die Heimat. Zu Mittag aßen wir in einem guten Restaurant in der Nachbarschaft, und der Oberleutnant spendierte mir noch seine halbe Flasche Wein. Dies hatte zur Folge, dass ich die Verabredung am Nachmittag verschlief, und unsere Transportübergabe am nächsten Vormittag nachgeholt werden musste. |
| Hier feierten wir Deutsche zusammen | Hier in Tarsus feierten wir bei der Familie Tarnow Kaisers Geburtstag. Es war warm, und im Garten bestaunte ich die ersten Palmen, die ich je zu sehen bekam. Die Gegend ist herrlich, im Süden das Mittelmeer und im Norden die schneebedeckten Gipfel des Taurus-Gebirges. |
3. Unterwegs nach Bagdad | |
| Von Gülek fuhr ich nun mit einen Transport per Bahn nach Mamora weiter, daß nach 9 Stündiger Bahnfahrt erreicht wurde. Mammora das am Fuße des Ammanusgebirges liegt war wiedermal Endstation, auch der Tunnel durchs Ammanusgebirge war noch nicht fertig, trotsdem mit Hochdruck gearbeitet wurde. Von hier aus ging unser Transport mit Pferdegespann weiter übers Gebirge bis Gelebeck, das wir nach 2 Tägierfahrt erreichten. Hier hatten wir wieder Bahnanschluß <²OZ facs. 20> und weiter gings bis Aleppo, ≡ | Von Güleck aus ging’s weiter mit der Bahn nach Mamore. Nach neun Stunden Fahrt war wieder Endstation. Mamore liegt am Fuße des Amanus-Gebirges, und der Transport musste umgeladen werden, weil die Eisenbahnstrecke hier zu Ende war. Am neuen Eisenbahntunnel wurde noch fleißig gearbeitet. Mit Pferdegespannen sollten wir bis Gelebek kommen, dem neuen Bahnanschluss auf der andern Seite des Amanus-Gebirges. Nach zwei Tagen waren wir dort, von wo aus wir per Bahn bequem bis Aleppo fuhren. |
| Aleppo ein großer Eisenbahn-Knotenpunkt mit Abzweigung der Bagdadbahn nach Bagdad und der Hedjasbahn über Damaskus nach Jerusalem. Hier in Aleppo traf ich auch nun wieder mehrere Kameraden die schon vor mich Konstantinopel Haidar-Pascha verlaßen hatten und nun auch hier auf ihren Weitertransport in allen Richtungen warteten. Bei unserer Abfahrt aus Berlin bestand unsere Abordnung zum Stabe von der Goltz aus 30 alt gedienten Kavallristen, hier wurden wir in allen Winden zerstreut und nur ein \ganz/ kleinerteil haben wir uns bei Kriegsende Wiedergesehen, Hier in Aleppo begann wieder ein Leben, \wie wir es uns nicht besser wünschen konnten/ wir Mannschaften waren im Hotel Frank, und die Offiziere im Hotel Hagenlocher einquartiert. Beide waren Deutsche. Wie haben wir hier gelebt, die gute Verpflegung, der gute Wein und ≡ | <WZ 4b> Aleppo ist ein großer Eisenbahnknotenpunkt, wo die Bagdadbahn nach Bagdad und die Hedschra[sic!]bahn über Damaskus nach Jerusalem abzweigen. In Aleppo traf ich einige Kameraden wieder, mit denen ich aus Deutschland gekommen war und die schon vor mir abkommandiert wurden. Zusammen warteten wir nun jeder auf seinen Weitertransport. Es gab dort zwei deutsche Hotels. Das Hotel Hagenlocher war mit deutschen Offizieren belegt, und wir Mannschaften waren im Hotel Frank untergebracht. Hier ließ es sich bei guter Verpflegung und gutem Wein hervorragend leben. |
| die vielen Deutschen die hier Wohnten und bei der <²OZ facs. 21> Bagdadbahn ihre Anstellung hatten, luden uns öfter ein, und das Feiern nahm kein Ende. Aber auch die gute \Tage/Zeit nihmt mal wieder ein Ende, ≡ | Wir trafen viele Deutsche, die bei der Bagdad-Bahn angestellt oder hier als Lehrer tätig waren. Aleppo ist eine schöne Stadt, mit 50 000 Einwohnern, einer deutschen Schule, einem Kino und einem schönen Basar. Oft wurden wir von dort ansässigen Deutschen eingeladen, und das Feiern nahm kein Ende. |
| so kam auch wieder der Tag an dem ich und drei meiner Kameraden Aleppo verlaßen mußten, um uns auf die große Reise nach Bagdad zu begeben. Aleppo ist nach Orientalischen Begriff eine schöne Stadt, mit ihren Basaren, Kino und sogar eine deutsche Schule, hat mindesten 50 000 Einwohner und manches schöne Andenken wurde noch mit auf die Reise genommen. Am 25ten Februar wurde wiedermal Abschied gefeiert und Wein und Likör floß in Strömen, Geld spielte keine Rolle, wir bekamen in der Türkei pro Tag 5 Mark und in Persien 10 Mark Tropenzulage und unsere zustehende Löhnung. Verpflegung und Unterkunft wurde uns abgezogen, aber die Lebensmittel waren nach deutschen Verhältnisse sehr billig. ≡ | Es kam der Tag, an dem ich und drei meiner Kameraden Aleppo verlassen mussten, um uns auf die große Reise nach Bagdad zu begeben. Am 25. Januar [sic!] feierten wir noch einmal ausgiebig mit Wein und Likör Abschied, denn Geld hatten wir genug. Wir bekamen in der Türkei pro Tag 5 Mark Tropenzulage neben unserer Löhnung, von der allerdings ein gewisser Betrag für Verpflegung und Unterkunft abgezogen wurde. Die Lebensmittel waren für deutsche Verhältnisse sehr billig, zumal auch Zeiten kamen, in denen wir gar keine Gelegenheit hatten, Geld auszugeben. |
| Am 26ten Februar war es so weit und unsere kleine Karawane, bestehend aus sieben Wagen, (3 Geili), Planwagen und 4 Lastwagen <²OZ facs. 22> Die Geili (Planwagen) waren für uns 5 Mann gleichzeitig Wohn und Schlafwagen, alle waren mit 4 Pferde bespannt. Der Hauptmann mit der Kiste geprägtes Gold für Bagdad benutzte den 1 Wagen nur für sich allein. und in den andern beiden hatten wir 4 Mann uns Häuslich eingerichtet. ≡ | Am 26. Januar [sic!] verließ unsere kleine Karawane, bestehend aus 7 Wagen, 3 Geili (Planwagen) und 4 Lastwagen bei strömenden Regen Aleppo. Jeder Wagen war mit vier Pferden bespannt. Die Geili waren zugleich unsere Wohn- und Schlafwagen. Der Hauptmann unseres Transports bewohnte einen Geili, während wir Mannschaften die anderen beiden Geili zu zweit teilten. Ich war mit einem Palästina-Deutschen zusammen, der von der Front kam, und uns nun als Dolmetscher diente. Seine Vorfahren waren irgendwann aus Schwaben gekommen und er wurde in Haifa geboren und sprach perfekt türkisch und arabisch. |
| Bei strömmenden Regen verließen wir am 26ten gegen 11 Uhr Aleppo, der Transport war eilig, die Kiste mit den Türkische Goldliras wurde in Bagdad dringend benötig. Mein Wagengefährte war ein Palästina-Deutscher der als Dolmetscher abkommandiert war und uns unersetztliche Dienste leistete. Die erste Etappe war nur kurz und wurde schon nach 5 Stündigerfahrt erreicht, der Arabatschi (Kutscher) ist gleichzeit ein Efendi (Herr) er fährt nur, daß an und ausspannen, sowie Füttern der Pferde besorgt ein Hamal (Diener) der neben den Kutscher auf den Bok seinen Platz hatte. und für alles Verantwortlich war. Es war ein kleines Dorf, indem wir Halt <²OZ facs. 23> machten und Übernachteten, nun wurde ausgepackt und das Braten und Kochen begann, es wurde Tee gekocht, unser Abendbrodt bestand in der Regel nur aus Eierspeisen, die wir uns selbst bereiteten. Der Hauptmann hatte seinen eignen Koch, der für ihn sorgte, der Hauptmann der sehr auf seine Gesundheit achtete und sich nur mit Filtirirtem Wasser wusch. Eier und Huhn gab es überall zukaufen und je weiter wir in die Wüste kammen desto billiger wurden sie, in der Regel kauften wir 5-9 Eier für 1 Piaster 20 Pfg und für 1 Huhn 2-2½ Piaster 40-50 Pfg. ≡ | Wir sollten so schnell wie möglich nach Bagdad fahren, weil wir unter anderem eine Kiste Goldlira zu transportieren hatten. Unsere Etappe erreichten wir schon nach fünf Stunden. Der Asabatschi [sic!] (Kutscher) sorgte für eine schnelle Fahrt. Er ist der Effendi (Herr) und hat einen Hamal (Diener), der für die eigentliche Arbeit da ist. Der Hamal spannte die Pferde an und aus und verrichtete all die anderen Arbeiten. Wir übernachteten in einem kleinen Ort, packten unsere Sachen aus und begannen zu kochen und zu braten. Unser Abendbrot bestand in der Regel nur aus Eierspeisen, die schnell zubereitet waren. Gelegentlich gönnten wir uns ein Huhn, wenn wir mal etwas mehr Zeit hatten. Hühner konnten wir bei den Arabern in der Wüste sehr billig kaufen. Das Huhn <WZ 5a> kostete 2‑2½ Piaster, das waren 40‑50 Pfg nach deutschem Geld, und 6 Eier bekamen wir für 1 Piaster (20 Pfg). Unser Hauptmann hatte seinen eigenen Koch, der nur für ihn sorgte, und er achtete sehr auf seine Gesundheit und wusch sich nur mit filtriertem Wasser, für das er extra ein eigenes Filter hatte. |
| In Aleppo hatten wir uns für die lange Reise gut eingedeckt, Speck und Reis, Apfelsinen, die wir billig einkauften, die ganze Kiste für 1 Medschid (4 Mark). Unseren Wagen verließen wir nur selten, die Tagesmahlzeiten nahmen wir stets Kalt, bestand in der Regel aus Konserven und Brodt | Für unsere, Reise nach Aleppo hatten wir uns reichlich mit Lebensmitteln – Reis, Speck, Apfelsinen – eingedeckt, die wir vorher billig eingekauft hatten. Die ganze Kiste mit Apfelsinen kostete 1 Medschid (4 Mark). Unsere Wagen verließen wir tagsüber nur selten. Machten wir halt, nahmen wir auch unsere Mahlzeiten im Wagen ein, die in der Regel nur aus Brot und Konserven bestanden. Kam es vor, dass wir nachmittags frühzeitig eine Wasserstelle oder einen Han erreichten, wurde ein warmes Essen aus Huhn und Reis zubereitet, das ich sehr gern aß. Morgens wurde sehr früh aufgebrochen, mittags gab es eine Stunde Rast, um die Pferde zu füttern, und dann ging’s weiter bis zur nächsten Herberge oder Wasserstelle. Oft legten wir an einem Tage bis zu 85 km zurück. |
| Am 3ten Tage unserer Fahrt erreichten wir den Euphrat, von nun an ging unsere Fahrt immer am Fluße entlang, die Krümmungen wurden abgeschnitten und Abend waren wir wieder am Fluß \zur/ Wasserstelle. Hier am Euphrat waren \auch/ die Armenierlager, die von den Türken aus ihrer Heimat vertrieben wurden und hier zum größten Teil den Todt fanden, schrecklich war der Anblick, halb verhungerte Sklette in Lumpen gehüllt stürtzten auf uns zu Bettelten uns an und flehten um ein stückchen Brodt. Aber unbarmherzig wurden sie von den Türkischen Gendarmen, die uns zur Sicherung mit gegeben wurden zurück getrieben. <²OZ facs. 25> Wir gaben ja manches was wir entbehren konnten, aber wir mußten uns ja auch sichern, unser Weg war noch weit, helfen konnten wir ihr wenig, verlängerten \nur/ dadurch | Am dritten Tag erreichten wir den Euphrat. Von nun an fuhren wir am Fluss entlang. Seine Krümmungen kürzten wir allerdings ab. Am Euphrat sahen wir Armenier in ihren Lagern, die von den Türken aus ihrer Heimat vertrieben worden waren und hier in der Wüste zum größten Teil den Tod fanden. Der Anblick war schrecklich. Halb verhungerte Skelette in Lumpen gehüllt flehten uns nach einem Stück Brot an, aber unbarmherzig wurden sie von den türkischen Gendarmen verjagt. Soweit wir helfen konnten, gaben wir was wir entbehren konnten, aber wir mussten auch an unsere Vorratshaltung denken, denn wir hatten noch eine sehr weite Reise vor uns. Hier führte unser Weg buchstäblich über Leichen. Überall lagen sie, ausgezogen und von den Hyänen und Schakalen angefressen. |
| Am 5ten Tage unserer Fahrt erreichten wir das \erste/ Städtchen Der es Soor, hier mußten wir schon einen kranken Arabatschi (Kutscher) zurück laßen, Fuhren aber am nächsten Morgen weiter, es war ein Tag wie der andere, Menschen wurden bisher auf dieser Strecke wenig angetroffen. Am 9ten Tage unserer Fahrt Abends erreichten wir das herrliche Städtchen Ana, Wundervoll am Euphrat gelegen, umsäumt von Palmen, Feigen und Apfelsienen\hainen/, die Weiber saßen draußen im Freien unter Palmen und Feigenbäumen und Webten. Paradisisch war der Anblick, diese Palmen, Feigen und Apfelsienenbäume, darunter die Hütten der <²OZ facs. 26> Eingeborenen, die wie große Bienenkörbe aussahn, aber weder Fenster noch Türen haben, nur ein große Loch, das nur mit einer Decke verhangen war diente als Tür. Die Bewohner waren sehr Gastfreundschaftlich, betreiben Ackerbau und Viehzucht auch die Fischerei war hier zuhause, uns machte es großen Spaß sie beim Fischen mit zuzusehen, alle Nackent mit ihren Speeren und | Zwei Tage später erreichten wir das erste Städtchen, Dar es Sor. Hier mussten wir den ersten Kranken, einen Asabadschi, zurücklassen. Erst am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Es war ein Tag wie jeder andere. Menschen trafen wir kaum, und die, die wir trafen, waren Beduinen, die mit ihren Herden durch die Wüste zogen. Am 9. Tag sahen wir schon vom Weiten das schöne Städtchen Ana, eine Oase. Herrlich am Fluss gelegen, umsäumt von Palmen, Feigen- und Apfelsinenbäumen. Nach den Strapazen schien das für uns das Paradies. Die Weiber saßen unter den Bäumen und webten, die Hütten unter den Palmen sahen wie große Bienenkörbe aus, die weder Fenster noch Türen hatten. Der Eingang war nur durch eine Decke zugehängt. Wir wurden von den Bewohnern sehr gastfreundlich empfangen. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht und auch Fischerei im nahen Fluss. Wir sahen zu, wie die Männer nackt mit Speeren im Wasser standen und nach Fischen <WZ 5b> stachen und Fische bis zu einem halben Meter Länge aus dem Wasser zogen. |
| Hier machten wir auch die erste bekanntschaft mit den Beduienen \die Beduienen/ haben keinen festen Wohnsitz, leben nur in Zelten, leben nur von Viehzucht und ziehen mit ihren Herden von einer Wasserstelle zur anderen. Die Beduienen sind sehr Räuberisch und Hinterlistig, in ihren Bereich ist jeder sicher und kann bei ihnen ruhig Übernachten, aber jeder muß damit rechnen nach verlaßen des Lagers von ihr verfolgt und Ausgeplündert \zu/ werden. ≡ | Jetzt begegneten wir öfter Beduinen, die mit ihren Herden an den Wasserstellen zelteten. Die Beduinen sind Nomaden, leben nur in Zelten und ziehen mit ihren Herden von Wasserstelle zu Wasserstelle. Die Türken sagen, sie seien räuberisch und hinterhältig, aber in ihrem Bereich wäre man sicher und man könne mit ihnen in ihrem Zelt übernachten. Wenn man aber ihren Bezirk verlässt, muss man damit rechnen, von ihnen verfolgt und ausgeraubt zu werden. |
| Kaum hatten wir eine Wasserstelle erreicht <²OZ facs. 27> wo wir Übernachteten, kamen die Leute von nah und Fern und boten uns ihre erzeugnise an, besonders Eier und Hühner, nachdem sie längerezeit bei uns verweilt hatten, uns und unsere Ausrüstung genügend betrachtet hatten, besonders scharf waren sie auf unsere Karabiener und immer wieder hörte man (Katsch Grusch) was kostet er. Jeder einzelne von ihnen bewaffnet mit einen alten Vorderlader, Trommelrevolwer und ihren Dolch im Gürtel, auch die Kinder tragen schon ihren Dolch im Gürtel. Der Beduine reitet sein Pferd ohne Zaum und Sattel, nur mit Halfter und Strick, er Reitet nur Stuten, die Hengste verkaufen sie. ≡ | Kaum hatten wir einen Ort oder eine Wasserstelle erreicht und Rast gemacht, wurden wir von Frauen umringt, die uns ihre Erzeugnisse, besonders Eier und Hühner, anboten. Die Männer und Kinder mussten uns bestaunen und unsere Ausrüstung bewundern. Denn Waffen sind der Stolz eines jeden Beduinen und Arabers, und Jeder hat einen Revolver im Gürtel und einen Hinterlader über der Schulter. Auch die Kinder haben schon ihren Dolch. Unsere modernen Karabiner waren also besonders interessant, und immer wieder hörte man ihr “Katsch grusch?” (Was kostet das?), um uns unsere Gewehre abzukaufen. – Die Beduinen reiten nur Stuten, die Hengste werden verkauft. Zum Reiten sind die Pferde nur mit einem Halfter angeschirrt. |
| Unser Transportführer der Hauptmann, der so viel Vorsicht walten ließ, sich nie ohene Filtirierteswasser wusch, ereilte schon am 10ten Tage sein Schicksal, er erkrankte an Flecktyphus, wir nahmen ihn mit weil unterwegs kein Arzt oder Lazareth war und lieferten ihn nach 7 Tagen in <²OZ facs. 28> Bagdad im deutschen Lazareth ein. Am 11ten Tage unserer Fahrt erreichten wir das Städtchen Hit, wie gut war es nun das wir unsern Kamerad als Dolmetscher bei uns hatten, er stammte aus Haifa sprach perfekt Türkisch und Arabisch, seine Vorfahren stammten aus Schwaben. Hier in Hit waren mehrere heiße Quellen wo der kochende Aspfhalt aus der Erde kam. Von hier ging unsere Fahrt über Bagdadi, Romadi bis Feludja, wo wir nun den Euprath verließen und nun die letzte Etappe von 65 Kilometer nach Bagdad antraten. ≡ | Am zehnten Tag unserer Reise erkrankte unser Transportführer an Flecktyphus, obwohl er so vorsichtig war und nur filtriertes Wasser mit seinem Körper in Berührung kam, und nun das. Einen Arzt gab es nicht und ein Lazarett schon gar nicht. So mussten wir ihn noch sieben Tage lang ohne ärztliche Versorgung in seinem Wagen bis Bagdad mitnehmen. Dort lieferten wir ihn im deutschen Lazarett ab. Es war nur gut, dass wir unseren Kameraden, den Palästina-Deutschen, bei uns hatten. Ohne ihn und ohne Verständigung mit den Einwohnern wären wir hilflos gewesen. – Wir passierten am Euphrat die Oase Hit, die deswegen bemerkenswert war, weil hier der heiße Asphalt aus der Erde quoll. – Weiter ging unsere Reise über Bagdadi, Romadi und Feludja. Dort verließen wir den Euphrat, um die letzte Etappe bis zum 65 km entfernten Bagdad anzutreten. |
<WZ 6a> 4. Bagdad | |
| Gegen Abend des 13ten März hatten wir endlich die 963 Kilometer lange Strecke nach 17 tägiger Fahrt hinter uns, der Tag war regnerisch, als wir gegen Abend den Tigris erreichten. Schon aus weiter Ferne sahen wir die Moscheen und Minaretts aus den Palmenhainen heraus Leuchten und doch wurde es noch ziemlich Spät, ehe wir am Tigris ankamen. Der Tigris führte zu dieser Zeit Hochwasser, die hölzerne Brücke <²OZ facs. 29> die herüber führte war eine Pontonbrücke, die jedesmal beim eintreffen eines Lastkahns was nicht oft vorkam auseinander gezogen wurde. Die Auffahrt zur Brücke war infolge des Hochwassers ziemlich Steil, zu beiden Seiten der Brücke waren an Stelle des Geländers Seile gespannt. ≡ | Am 13. März um 16 Uhr hatten wir nach 963 Kilometern die 17-tägige Reise geschafft. Es war regnerisch, als wir gegen Abend in Bagdad ankamen. Schon aus weiter Ferne sahen wir die Moscheen und Minarette aus den Palmenhainen heraus leuchten, und bis wir den Tigris erreichten, war es doch ziemlich spät geworden. Der Fluss führte Hochwasser, und die hölzerne Ponton-Brücke, die über den Tigris führte, hatte sich gefährlich gehoben. Die Auffahrt zur Brücke war sehr steil und auch glitschig. Das Brückengeländer bestand aus Tauen. Wenn Lastkähne kamen, was nicht oft vorkam, wurde die Brücke auseinandergezogen, und die Kähne konnten passieren. |
| Der erste Wagen mit dem kranken Hauptmann kam auch glücklich zur Brücke rauf und nun war unser Wagen an der Reihe. weil uns aber das warten zulang wurde, waren wir beide aus unseren Wagen aus gestiegen. Die Auffahrt zur Brücke war Steil und Schlüpfrig, das eine Pferd das noch garnicht richtig auf der Brücke war fiel hin, riß das andere mit hin, rißen das Seil ab und Kutscher, Wagen und Pferden fielen im Tigris. Schnell war die Polizei zur Stelle, schnitten die Stränge durch, Kutscher und Pferde schwammen ans Ufer und schon hatten die Polizisten den Wagen mit Leinen befestig und zogen im am Ufer raus. Ein Glück war es für <²OZ facs. 30> uns beiden das wir nicht im Wagen waren, könnte für uns sehr verhängnisvoll verlaufen sein, doch ein Zuckerhut und der Karabiener meines Kameraden behielt der Tigris als Pfand für sich. ≡ | |
| Nachdem nun alles wieder geordnet war und wir die Pferde wieder vorm Wagen hatten, konnten wir unsern Weg fortsetzen, aber es war inzwischen sehr spät geworden, als wir die deutsche Etappe erreichten und den kranken Hauptmann ins Lazareth eingeliefert hatten. Nachdem wir uns nun am nächsten Morgen auf der Etappe gemeldet, den Transport übergeben und alle Formalitäten erledigt hatten, wurde uns unser Quartier zugewiesen. Zu allererst fand nun eine große Reinigung statt, ein schönes Bad war nach der großen langen Reise jetz das aller Notwendigste. Mittags gingen wir mit den Kameraden, die schon vorher hier angekommen waren und schon hier ihren Posten (Stelle) hatten zum Hotel <²OZ facs. 31> Franzo wo wir sehr gut und Preißwert aßen, daß ganze Gedeck 4 Gänge kostete 8 Piaster (1.60 Mark) Hier bei Franzo verkehrten auch die hier Ansäßigen Deutschen, die bei der Bagdadbahn und als Lehrer einer deutschen Schule angestellt waren, Wir wurden hier als deutsche Soldaten gefeiert, aufs herzlichste Aufgenommen und Bewirtet und Abends waren wir stets eingeladen, wir waren ja nicht viel, höchsten 8-10 Mann. ≡ | Die deutsche Etappe anzufahren, war es schon zu spät geworden. Den kranken Hauptmann lieferten wir noch im Lazarett ab, wir aber übernachteten in unserem Wagen und übergaben erst am nächsten Morgen unseren Transport bei der Etappe. Im neuen Quartier fand dann die große Reinigung statt, und vor allen Dingen genossen wir ein warmes Bad. Hier trafen wir wieder ein paar Kameraden, die schon seit ein paar Wochen in Bagdad waren und hier bereits ihren Posten hatten. Zu essen bekamen wir in der Verpflegungsanstalt, die gut und sehr schön eingerichtet war. Wir wurden von russischen Kriegsgefangenen – Wolgadeutschen – bedient, die an der türkisch-russischen Front gekämpft hatten. Abends gingen wir in das Hotel Franzow, ein deutsches Hotel. Hier aßen wir sehr gut und für uns preiswert Das ganze Gedeck bestehend aus 4 Gängen, kostete 8 Piaster (1,60 Mark). Viele ansässige Deutsche kamen abends her, um mit uns die Abende zu verbringen. Zur Zeit waren wir 8-10 deutsche Soldaten in Bagdad, und das war für die hiesigen Deutschen schon etwas Besonderes. |
| Hier konnten wir wieder, daß in den letzten 3 Wochen versäumte nachholen, es wurde gut gegessen und getrunken, durch die Basare geschlendert, einkäufe gemacht und so manches später | Bagdad genossen wir ausgiebig. Wir schlenderten durch die Basare, aßen und tranken gut, <WZ 6b> kauften zu viele Sachen, die uns gefielen und die wir später wieder wegwarfen – oder, wenn wir Glück hatten, verkauften. Die alte Kalifenstadt liegt paradiesisch am Tigris inmitten großer Palmenhaine und Obstplantagen. Die großen Moscheen mit ihren vergoldeten Kuppeln und ihren Minaretten bestaunten wir. Anlass für manche Ansichtskarte in die Heimat. |
| Hier hatte nun auch schon die Etappe Pferde angekauft, die wir uns aussuchen konnten, meine Wahl fiel auf einen Schimmelhengst, einen Schweif bis auf die Erde. Doch das Einreiten eines Araberpferdes macht viel Mühe, daß Araberpferd kennt keinen Trab, der Araber reitet nur Schritt oder Galopp. Wir ritten nun Täglich ein paar Stunden spazieren, die Umgebung von Bagdad ist Wundervoll, ≡ | Die Etappe hatte inzwischen Pferde angekauft, von denen sich jeder von uns eins aussuchen konnte. Meine Wahl fiel auf einen Blauschimmelhengst mit einem Schweif, der bis auf die Erde reichte. Wir ritten nun täglich einige Stunden in der Umgebung von Bagdad spazieren, um die Pferde einzureiten. Doch das ist bei einem Araberhengst gar nicht so einfach. Der Araber reitet nur Schritt oder Galopp, und so war es schwierig, dem Pferd Trab beizubringen. |
| die Temperatur, Mitte März um 30 Grad | Die Temperatur Mitte März war noch sehr angenehm und betrug nicht viel über 30 Grad. Ein paar Monate später, als ich wieder hierher zurückkam, war hier die Hölle und wir hatten über 60 Grad. Aber die sechs Tage, die uns in Bagdad vergönnt waren, vergingen schnell. Denn nun begannen die Vorbereitungen für die Weiterreise. |
5. Neues Ziel: Persien | |
| Am 19ten März früh übernahm ich mit meinen Kameraden zusammen \einen/ | Am 19. März war es so weit, dass ich mit einem Kameraden die Reise nach Persien antreten sollte. Ich hatte noch gehofft, nach einem Vierteljahr endlich sehnsüchtig erwartete Post aus der Heimat zu bekommen, aber offenbar hatten wir auch Bagdad wieder zu schnell verlassen. Unser Transport bestand aus vier Wagen, beladen mit Telegrafenmaterial. Noch in Bagdad hatten wir die erste Panne. Von einem Rad war der Eisenreifen abgesprungen und der Arbadschi (Kutscher) musste zurück ein neues Rad zu besorgen. Dann aber ging es flott vorwärts. Der Weg war gut, die Pferde frisch und ausgeruht, und wir konnten ein scharfes Tempo vorlegen. Mein Kamerad, ein Telegrafist, der wohl noch nie auf einem Pferd gesessen hatte, zog es vor, sich auf einen der Wagen zu setzen und das Pferd am Zügel hinterherlaufen zu lassen. Ich aber hielt mein Pferd in festem Griff und habe aus ihm wohl ein gutes Reitpferd gemacht, was gar nicht so leicht war. |
| Die erste Etappe war nur kurz 33 Kilometer und so machten wir schon im ersten Ort Rast und das übliche Abendbrodt wurde hergerichtet, bestehend aus Tee und Rührei, zur Abwechselung gabs dann auch wiedermal Fleischkonserven, mit denen wir uns reichlich eingedeckt hatten. Am nächsten Tage ging unsere Fahrt bis Bakuba, ein herrliches Oasenstädtchen, gelegen am großen <²OZ facs. 34> Sapp, \einen/ nebenfluß des Tigris gelegen 66 Kilometer Östlich Bagdad. Unsere zweite Etappe war nur kurz, der Weg noch gut und die 34 Kilometer lange Strecke hatten wir schon am frühen Nachmittag erreicht. Hatten dann noch Zeit, daß herrliche gelegene Städtchen das einen Paradise glich zubewundern, benutzten dann auch die gelegenheit uns reichlich mit Apfelsienen eindecken die hier besonders groß und Süß waren, wir kauften hier das ganze Dutzen für 2 Piaster 40 Pfg. ≡ | Schon nach 33 Kilometern machten wir im Ort Halt, in Benisad, und entschlossen uns, hier zu übernachten, weil wir wegen des Radwechsels in Bagdad viel Zeit verloren hatten. Zur Abwechslung <WZ 7a> gab es eine Fleischkonserve zu dem sonst üblichen Brot, Rührei und Tee. Auch die nächste Etappe war kurz. Nach etwas über 30 Kilometern erreichten wir Bakuba, eine schöne Oase, herrlich am Sapp, einem Nebenfluss des Tigris gelegen. Wir fühlten uns wie ins Paradies versetzt. Wir bewunderten das schöne Städtchen und nutzten die Zeit, uns mit den hier erzeugten Apfelsinen einzudecken, die besonders groß und sehr süß sind. |
| Auf dem Wege zur 3 Etappe wurde der Weg schlecht, Überschwemmungsgebiet, die Wagen blieben oft stecken und wir kamen nur langsam vorwärts, dazu kam es das sich ein paar Maultiere durchgezogen hatten, nicht mehr ziehen wollten und die Wagen stecken blieben. Wir hatten an diesen Tage nur eine verhältnismäßige kurze Strecke von 36 [34?] Kilometer und trotsdem war es nicht möglich unser für diesen Tag gestecktes Ziel bis Scharaban zuerreichen. Ich war nun schon der Karawane auf Sicht- <²OZ facs. 35> weite voraus geritten, bis in die Berge, am Wege war hier wundervolles frischer Gras, ich stieg nun von meinen Pferde, ließ meinen Schimmel grasen, der sich auch das schöne junge Gras gut schmecken ließ. Ich ging nun auf den Hügel um die Wagen heran kommen zulaßen, aber kaum hatte ich mich hingesetzt, \und/ mein treuer Schimmel mich nicht mehr sah, hob seinen Kopf, Wieherte und Trabte davon, ich rief ihn an und mein Schimmel kam im großen Bogen zu mir zurück. Als nun endlich die Wagen heran kamen, war es bereits Dunkel, und wir mußten in einer Türkischen Polizeistation die hier in den Bergen lag Übernachten. ≡ | Von jetzt ab wurde der Weg immer schlechter. Wir kamen in ein Überschwemmungsgebiet. Die Wagen blieben oft stecken, und es ging nur langsam voran. Einige Maultiere wurden müde und wollten nicht mehr ziehen, so dass wir die vorgesehene relativ kurze Strecke von 36 Kilometern bis Scharaban nicht schafften. Immer wieder blieben die Wagen im Morast stecken, so dass wir sie mit vereinten Kräften einzeln aus dem Sumpf herausziehen mussten. Ich war der Karawane bis zu den Bergen vorausgeritten, während mein Kamerad die Karawane von seinem Wagen aus sitzend überwachte. Am Wege war herrlich frisches Gras. Ich stieg ab und ließ meinen Schimmel von dem saftigen Gras fressen. Vom Hügel herab sah ich mir die Gegend an und wollte hier auf die Wagenkolonne warten. Mein treuer Schimmel graste noch und sah mich plötzlich nicht mehr, wieherte laut, hob den Kopf und begann los zu traben, um mich zu suchen. Ich rief ihm hinterher, und er kam beruhigt im großen Bogen zu mir zurück. Es wurde inzwischen dunkel, als langsam unsere Wagen herankamen, und so zogen wir es vor, in einer türkischen Polizeistation in den Bergen zu übernachten. |
| Am nächsten Tage war der Weg bis Scha-ra-ban nicht mehr weit, aber wir hilten uns dann auch nich[t] lange auf und erreichten dann auch noch das für den 4ten Tage gestecktes Ziel Chis-so-ro-bat. Hier wurde nun ein Tag Ruhe eingelegt, um den Maultieren nach den letzen 2 Tagen Ruhe und Erholung zugönnen. ≡ | Am nächsten Morgen waren wir bald in Scharaban. Wir hielten uns hier nicht lange auf, sondern versuchten, an diesem Tag unser vorgesehenes Ziel zu erreichen, denn es war dringend nötig, endlich einen Ruhetag einzulegen. Unsere Maultiere waren nach den Strapazen der letzten Tage sichtbar erschöpft und brauchten Ruhe und Erholung. |
| Nun kam der 6te Tag unserer Reise der uns bis zum Türkischen Grenzstädtchen <²OZ facs. 36> Ha-ne-kin brachte, hier war auch eine Deutsche Etappe eingerichtet, die nur mit einen Auslanddeutschen besetzt war, der im Dienste des Reiches stand, er bekam einen Militärischenrang, wenn er auch garkein Soldat gewesen war. ≡ | Am 6. Tag erreichten wir die türkisch-persische Grenzstadt Hanekin. Die hier eingerichtete deutsche Etappe war mit einem Auslandsdeutschen besetzt, der noch nie Soldat war, aber dem man schnell einen militärischen Rang und eine Uniform verpasst hatte. Man brauchte in der Türkei passend einsatzfähige Leute, die es eigentlich gar nicht gab, und beförderte schnell einen einheimischen Deutschen zum Unteroffizier. |
| Wenn wir bisher auch Stellenweise schlechte Wege hatten, so waren es gar keine Vergleiche mit der Straße von Ha-ne-kin nach K[H?]a-ser-scherin Grenzstation in Persien. Eine Straße konnte man das nicht mehr nennen, die uns nach Ha-sa-scherin führen sollte, gleich hinter Ha-ne-kin ging es in die Berge, wo auch die Grenze zwischen Türkei und Persien verläuft. Hier war eine kleine als Burg aus gebaute Türkische Militärstation war stark besetzt und bewachten die Grenze. Hier war es fast Aussichtlos mit Wagen weiter zukommen, der Weg war oft so Steil das die Deichselstange den Maultieren über die Köpfe ging, und wir nur mit doppelten Vorspann die steilen Steigungen überwinden konnten. Nun kamen wieder Schluchten, <²OZ facs. 37> wo das Wasser den Sand und Schlamm hinein gespielt hatte, und wir nun wieder mit den Wagen bis zur Achse festsaßen, wir hatten Mühe und nur durch Vorspann | Jetzt begann das Abenteuer erst richtig. Hatten wir bislang schlechte Straßen, so wurde von jetzt ab der Weg von Hanekin nach Haserscherin in Persien noch schlechter. Straße konnte man das nicht mehr nennen. Vielleicht hätten Tragtierkolonnen den Weg problemlos benutzen können, für unsere Wagen war er eigentlich unpassierbar. Von Hanekin aus ging es gleich in die Berge, die die Grenze zu Persien bildeten. Eine als Militärstation der Türken ausgebaute <WZ 7b> Burg bewachte die Grenze. Von hier aus war es eigentlich aussichtslos, mit unseren Wagen weiter zu kommen. Der Weg war manchmal so steil, dass die Deichselstange der Wagen sich über die Köpfe der Maultiere reckte und wir nur durch Vorspannen von Maultieren von anderen Wagen die steilen Hänge überwinden konnten. Dann ging es wieder bergab, wo Wasser und Schlamm tiefe Pfützen gebildet hatten, in denen die Wagen stecken blieben. Sie da heraus zu ziehen war so mühsam wie die Wagen den Berg herauf zu ziehen, nur erheblich schmutziger. Bergab fuhren die Kutscher, was die Maultiere laufen konnten, und es kam so, wie ich befürchtete. An einem Wagen brach ein Rad. Ersatzräder hatten wir nicht, so dass die Ladung auf die anderen drei Wagen verteilt werden musste. Mit nur drei Wagen ging ‘s weiter. Aber nicht lange, dann saß der erste Wagen schon wieder fest. Es war Nacht geworden und an ein Weiterkommen nicht zu denken. Wir mussten nun im Freien übernachten, aber wir waren so erschöpft, dass wir wunderbar schliefen. Erst hinterher erfuhren wir, wie unsicher die Gegend ist. Die Luren, die in dieser Region zu Hause sind, gelten als räuberisch. |
| Am nächsten Morgen beim erwachen hatte sich schon allerhand Gesindel angesammelt, die uns dann auch gegen ein Backschisch (Trinkgeld) halfen über die fast unüberwindliche Hindernisse hinweg zuhelfen. Aber nun ging es fast garnicht mehr, kaum hatten wir ein Hindernis überwältig, saß schon der erste Wagen fest. Nun Ritt ich voraus nach Ka-ser-scherin, daß ich nach ¾ Stündigen Ritt erreichte, suchte die Etappe auf und Erklärte dem Etappenoffizier die Lage. Er war auch sofort bereit der Karawane 18 Esel zur Entlaßtung en[t]gegen zuschicken. gegen Mittag war der Transport hier angelangt und in Sicherheit, ≡ | Als wir aufwachten, waren wir von lauter Leuten umringt, die aber ganz freundlich waren. Für einen Bakschisch (Trinkgeld) halfen sie uns ein Stück des Wegs über die fast unüberwindlichen Hindernisse hinweg. Kaum war jedoch eins überwunden, kam ein nächstes. Mir blieb schließlich nichts weiter übrig, als nach Haserscherin voraus zu reiten, um in der Etappe Hilfe zu holen. Nach einem ¾‑stündigen Ritt konnte ich dem Etappenoffizier die Lage erklären. Mit 23 Eseln ging’s dann unserer Kolonne entgegen, und mit dieser Hilfe hat unser Transport Haserscherin gegen Mittag bequem erreicht. Wir waren in Sicherheit. |
| Persien war nun erreicht und ich hatte wieder einen Tag Ruhe, zu sehen gab es hier nicht viel, mein Kamerad mit dem ich zusammen gekommen war, meldete sich Krank und ging nach Bagdad zurück. ≡ | Nun waren wir in Persien. Mein Kamerad, mit dem ich aus Bagdad gekommen war, meldete sich krank und sollte mit der nächsten Karawane wieder nach Bagdad zurück. Ich hatte einen Tag Ruhe. Im Ort gab es nicht viel zu sehen. Und schon einen Tag später mussten wir wieder unser Gepäck bei der Etappe fertig gepackt für die Weiterreise abgeben. |
| Am 26ten März sollte ich nun mit einen Kameraden nach Kerent <²OZ facs. 39> weiterreisen, unser Gepäck mußten wir schon am Tage vorher auf der Etappe abgeben, früh um 7 Uhr sollte die Karawane abgehen. Als wir uns aber am 26ten früh um 7 Uhr auf der Etappe meldeten, erfuhren wir das die Karawane bereits seid 2 Stunden schon unterwegs war. Nun wurde uns der Weg beschrieben, was nicht schwi[e]rig war, brauchten nur den Telegrafenstangen zufolgen. Nun setzte ich mir mit meinen Kamerad \ein/ 12ter Husar in Marsch, an den Hauptstraßen sind von Zeit zu Zeit kleine Lehmbuden, wo mann Tee und andern kleinen Inbiss einnehmen kann. Nach 5 Stunden holten wir unsere Karawane ein und erreichten mit ihr zusammen gegen 3 Uhr Nachmittag Peitack, wo eine deutsche Etappe eingerichtet war, bei der ich mich zumelden hatte. ≡ | Am 26. März 1916 um 7 Uhr sollte der Transport nach Herent abmarschieren. Als ich und ein weiterer Kamerad uns wie befohlen am Treffpunkt meldeten, erfuhren wir, dass die Karawane bereits seit zwei Stunden unterwegs war. Dass wir zu spät kamen, sei aber nicht so schlimm, denn der Weg sei leicht zu finden. Wir brauchten nur den Telegrafenstangen zu folgen. Mein Kamerad, ein 12. Husar, und ich trabten los, die Hauptstraße entlang. Vorbei an kleinen Verkaufsbuden, an denen man Tee trinken und einen Imbiss zu sich nehmen kannte. Nach fünf Stunden stießen wir endlich auf unsere Karawane. Zusammen ging’s nun weiter bis zur nächsten Etappe in Peitack. Hier hatte ich mich zu melden. |
| Diese Etappe wurde von einen Leutnant geführt der vor dem Kriege als Ingeneur bei der Bagdadbahn Angestellt war, hier sollte ich ihm als rechte Hand zur Seite stehen. Peitag <²OZ facs. 40> liegt am Fuße des Paitackpasses, umgeben von hohen Bergen, nur im Westen ein offenes Tal, hier führt die Straße von Bagdad über Kerent, Hammada nach Teheran. Hier verlebte ich nun wieder eine ruhige Zeit, hier kamen die Tragtierkarawanen Nachmittags an und gingen am nächsten morgen wieder weiter zur Front, mein Kamerad mit den ich gekommen war zog am nächsten Morgen mit der Karawane nach Kerent weiter. Hier war nun mein Arbeitsfeld und ließ mich Häuslich nieder und lebten hier wirklich gut, zur Begleitung der Karawane waren 5 Östreichische Kameraden, die auch aus Russischer Kriegsgefangenschaft entflohen waren und nun bei uns Dienst taten. ≡ | <WZ 8a> Die Etappe wurde von einem Leutnant geleitet, der vor dem Krieg als Ingenieur beim Bau der Bagdadbahn beschäftigt war. Ich sollte ihm als rechte Hand helfen, während mein Kamerad, der Husar, weiter Richtung Herent zog. Hier ließ ich mich nun häuslich nieder. – Peitack liegt am Fuß des Peitackpasses, umgeben von hohen Bergen und nur vom Westen her durch ein offenes Tal erreichbar. Hier führt die Karawanenstraße von Bagdad über Herent, Hamada nach Teheran entlang. Die Etappe in Peitack war von nun an meine neue Wirkungsstätte, und meine neue Tätigkeit konnte man eher ruhig, wenn nicht sogar sehr ruhig nennen. Die Karawanen kamen aus Bagdad, übernachteten hier und zogen am nächsten Morgen weiter zur Front bei Herent. Meistens wurden die Karawanen von österreichischen Kameraden begleitet, die aus russischer Kriegsgefangenschaft geflohen waren und hier vorläufig ihren Dienst taten. |
| Darunter war auch ein Bäcker und Konditor er war ein guter Koch und mußte für uns alle für unser leibliches Wohl sorgen. Heinrich Nitsche hieß der gute Mann, war Inhaber der großen Östreichischen Tapferkeitsmedalje, die er auf folgender <²OZ facs. 41> Weise verliehen bekam. Sein Regiment lag in Serbien in Stellung, die Front war ruhig und Heinrich benutzte die Gelegenheit um in den gleich hinter der Front liegenden Ort nach Spiritiosen umschau zuhalten, was sich auch reichlich lohnte. Inzwischen wurde es an der Front lebendig und die Schießerei nahm zu, um nun aber schnell zur Stellung zukommen, nahm er einen alten Kinderwagen, lud sein Fäßchen auf, deckte es zu und ab gings zur Front. Aber noch hatte er die Stellung nicht erreicht, als der Oberst mit seinen Adjudanten ihm in die Arme liefen, was haben sie da mein Sohn, war die Frage? Munition Herr Oberst. Wie heißen sie Nitsche Herr Oberst, der Oberst zum Adjudanten, schreiben sie den Mann auf und so wurde er mit der großen Östreichischen Tapferkeitsmedallie ausgezeichnet. ≡ | Einer von ihnen war Heinrich Nitsche, ein Bäcker und Konditor aus Böhmisch-Kamnitz an der schlesischen Grenze. Er wurde unser Koch und musste von nun an für unser leibliches Wohl sorgen. Er war offenbar ein tapferer Mann, denn ihm wurde die große österreichische Tapferkeitsmedaille verliehen, die er, wie er uns erzählte, auf folgende Weise erhielt: Er war mit seinem Regiment an der serbischen Front eingesetzt. Als es in der Stellung einmal sehr ruhig war, benutzte er die Gelegenheit, in dem nahe gelegenen Dorf hinter der Front nach Spirituosen zu suchen. Das tat er mit Erfolg. Als es an der Front wieder lebhaft wurde, packte er schnell seine Schätze in einen Kinderwagen und jagte nach vorn. Er hatte die Stellung noch nicht erreicht, als er einem Oberst mit seinem Adjutanten in die Arme lief. „Was hast du da drin, mein Sohn?”, fragte der Oberst. “Munition, Herr Oberst.” – “Das ist brav. Wie heißt du, mein Sohn?” – “Heinrich Nitsche.” Darauf musste der Adjutant seinen Namen aufschreiben, und er bekam die große Tapferkeitsmedaille. |
| Heinrich mußte Täglich seinen Rack | Heinrich musste täglich seine Portion Raki haben. Ohne sie war er krank und hatte Malaria. – Wir hatten hier ein sehr umfangreiches Depot angelegt. Täglich kamen die Fouriere der Einheiten an der Front über den Pass und holten ihre Verpflegung Meistens Mehl, Reis und Tee. Das Fleisch wurde nur in Form von lebenden Hammeln oder Ziegen ausgegeben. – Ich hatte reichlich zu tun, aber ein paar Stunden blieben mir doch, spazieren zu reiten und die Umgebung zu erkunden. In den Bergen sollte es Steinböcke geben. Ich pirschte also durch die Gegend, um welche zu jagen, aber ohne jeden Erfolg. Auch anderes Wild war nicht zu sehen. |
| Nun war es inzwischen halber April geworden, als ich endlich die erste Post bekam, die schönen Weihnachtspächen und der Weihnachtskuchen war hart geworden und verschimmelt. Nun hatten wir uns richtig eingelebt, die Temperatur war angenehm und betrug nicht mehr als 25 Grad, aber der Russe rückte über Persien auf Bagdad vor, die ganze Türkische Passbesatzung bestand aus einer Battrie und einen Infantrie Regiment, dazu eine Hand- <²OZ facs. 43> voll Persische Stammesreiter, die von Schwedische Offiziere Komandiert wurden und sich der deutschen Heresleitung unterstellten. Aber auf die Stammesreiter war kein Verlaß und Mut und Tapferheit zeigten sie nie, aber im Geldnehmen waren sie nicht kleinlich, wurden dann auch in Bagdad restlos entlassen, während die Schwedische Offiziere von der deutschen Armee übernommen wurden. ≡ | Inzwischen war es April geworden. Endlich erreichte mich meine erste Post, die Weihnachtspost. Der Kuchen war hart und verschimmelt. Trotzdem freute ich mich über das Lebenszeichen aus der Heimat. Wir hatten uns gut eingelebt und fühlten uns <WZ 8b> wohl. Das Klima war angenehm, nicht über 30 Grad. So hätten wir es lange ausgehalten, wäre der Russe nicht durch Persien hindurch auf Bagdad vorgestoßen. Die türkische Passbesatzung bestand nur aus einem Infantrieregiment mit einer Batterie der Artillerie zur Unterstützung. Vor den Russen floh eine persische Schar von Stammesreitern, die von schwedischen Offizieren befehligt wurden, und unterstellte sich der deutschen Heeresleitung. Sehr tapfer waren die persischen Reiter nicht; sie nahmen zwar gern den Sold, aber der beflügelte keineswegs ihren Mut. In Bagdad wurden dann alle entlassen. Die schwedischen Offiziere wurden in die deutschen Einheiten übernommen. |
| Am 6ten Mai 1916 mußten wir auch hier wieder unsere Stellung aufgeben, Nachdem nun die letzten Truppen unsere Etappe passiert hatten und jede Formation noch soviel wie nur mögliche Lebensmittel mit genommen hatten, überließen wir das übrige den Einwohner, der Rest wurde vernichtet. Nun machten auch wir uns auf den Rückzug, die nächste Etappe Ka-ser-scherin war schon geräumt, aber wir übernachteten noch dort und gingen am nächsten Tag bis Ha ne kin Türkische Grenzstadt zurück, wo wieder eine neue Front Stellung ausgebaut wurde und auch dann längere Zeit <²OZ facs. 44> gehalten wurde. ≡ | Am 16. [sic!] Mai 1916 räumten wir unser Depot, nachdem die letzte türkische Formation uns passiert hatte. Die Truppe bekam noch so viele Lebensmittel mit, wie sie transportieren konnte, und der Rest wurde den Bewohnern überlassen, die sich fast um die Vorräte schlugen. Als alles geräumt war, machten wir uns auf den Rückzug. Die nächste Etappe in Haserscherin war von der deutschen Besatzung auch schon verlassen worden. Wir übernachteten dort, um am nächsten Tag bis Hamekin zurückzugehen, wo die neue Front errichtet wurde, die dann doch lange Zeit gehalten wurde. |
| Aber wie hatte sich doch die Natur in den zwei Monaten verändert, die Gräben die bei unseren hin Marsch noch voll von Wasser waren und das schöne junge Gras war vertrocknet und die Gräben waren leer, die Temperatur war inzwischen auf über 50 Grad gestiegen. Es war inzwischen mitte Mai geworden und für uns begann nun die Leidenszeit, die Hitze machte uns viel zuschaffen, die ersten Malaria Anfälle machten sich bemerkbar, besonders die Trinkwasser Versorgung war die größte Sorge, daß Wasser war versiegt. ≡ | Wir hatten den Auftrag, uns bis Bakuba zurückzuziehen. Als wir vor zwei Monaten den Weg in der anderen Richtung passierten, sind wir noch durch Schlamm gewatet. Jetzt sind wir bei über 50 Grad Hitze über ausgetrocknete und staubige Wege gefahren. Die Hitze wurde zur Qual, und es war schwierig, Wasser zu bekommen, und die ersten Malariaanfälle machten sich bei mir bemerkbar. |
| Wir gingen nun bis Ba-ku-ba zurück, in diesen schönen Oasenstädtchen, wurde uns von den Türken eine Herberge (Han) zur Verfügung \gestellt/ der mehre Kilometer außerhalb der Stadt lag. Hier konnten wir nun Schmoren, der Han mitten in der Wüste, ohne Baum und Strauch, nur die kahlen Wände, der Han selbst eine kleine Festung, daß große Tor, ringsherum geschloßen, im innern die Räume für die Tiere und außen die Nischen für die Menschen, die Nischen <²OZ facs. 45> waren ohne Türen und mann konnte sich nur durch Vorhänge schützen. Die Hitze war für uns fast unerträglich \geworden/, dazu das Fieber und der Durst, kein kühler Trunk, alles Warm die kleine Feldflasche reichte bei weiten nicht aus und wie gern hätte mann für ein Glas kühles Wasser eine Mark gegeben. ≡ | In Bakuba, dieser schönen Oase, war die Leidenszeit noch nicht zu Ende. Von den Türken wurde uns ein Han (Herberge) 3 Kilometer außerhalb der Stadt, direkt neben der Wüste, zur Verfügung gestellt. Der Han selbst war eine kleine Festung mit einem großen Tor, innen nur aus Räumen mit vier kahlen Wänden für die Tiere, außen mit Nischen ohne Türen für die Menschen. Die Nischen waren mit Decken gegen die starken Sonnenstrahlen geschützt. Die Hitze war unerträglich. Dazu das Fieber und der Durst, der nicht gelöscht werden konnte. Wie gern hätte ich eine Mark für ein Glas kühles Wasser bezahlt. |
| Da ich hier schon sehr unter Malaria litt, bat ich den Hauptmann um meine weiter Reise nach Bagdad, die er mir auch gewährte. Es wurde nun wieder eine kleine Karawane zusammen gestellt, die ich begleiten sollte, die Liste war fertig, aber der Hauptmann wohnte in der Stadt und so mußte ich erst zur Stadt die Unterschrift ein zuholen [X]* aber der Hauptmann war nicht in seinen Quartier und \ich/ mußte noch eine ganze Zeit warten, der Hauptmann war Spazieren. [X]* ≡ * The manuscript shows two large “X”-es in these places, as if to remind the author that he wanted to insert something here, or to facilitate finding the passage in the manuscript. See facsimile, p. 45. | Und die Malariaanfälle kamen immer wieder. Ich meldete mich beim Hauptmann der Etappe krank und bat, nach Bagdad verlegt zu werden. Der Hauptmann stimmte zu, und ich solle die nächste Karawane dorthin begleiten. Der Transport wurde zusammengestellt, alles aufgelistet, nur die Unterschrift des Hauptmanns fehlte noch. Die Karawane rückte schon ab, aber ich musste noch in die entgegengesetzte Richtung zur Stadt reiten, die Unterschrift des Hauptmanns zu holen. Der war spazieren gegangen und <WZ 9a> hatte nicht mehr daran gedacht. Nach mindestens einer Stunde kam er schließlich. |
| Weil es am Tage zuheiß war wurde nur noch Nachts Marschiert, die Karawane war nun schon mindesten zwei Stunden unterwegs und es war bereits Dunkel als ich die Stadt verlies. Die Orientälische Nächte <²OZ facs. 46> sind Sternenklar, kein Wölkchen am Himmel und so konnte ich den Weg gut verfolgen und die Telegrafenmasten dienten als Richtung. Ich Ritt nun im flotten Trabe in die Nacht hinein um so Schnell wie möglich die Karawane einzuholen denn mein ganzes Gepäck war bei der Karawane, kaum hatte ich die Stadt hinter mir, als sich ein herrenloses Pferd zu mir gesellte und Munter neben mir hertrabte. Aber wie groß war mein Erstaunen, als ich nach zwei Stündigen Ritt vor einen leeren Wassergraben stand und das herrenloses Pferd verschwunden war. Ich stieg nun von meinen Pferde, leuchtete mit einen Streichholz den Boden ab, aber von Wagenspuren und Telegrafenstangen nichts zusehen, nun nahm ich mein Pferd am Zügel, suchte nun nach rechts und links den richtigen Weg wieder zufinden. Die Straße ist sehr breit, es ist alles Wüste und in der Regenzeit, die von ende Oktober bis <²OZ facs. 47> April dauert, wird wenn der Weg zerfahren ist nebenher gefahren. ≡ | Weil es tagsüber zu heiß war, marschierten wir nur noch nachts. Die Karawane hatte nun schon mehr als zwei Stunden Vorsprung. Und es war dunkel. Die orientalischen Nächte sind sternenklar, denn zwischen April und Oktober gibt es wegen der Trockenheit keine Wolken. Der Weg war trotz der Dunkelheit nicht zu verfehlen, ich brauchte nur den Telegrafenstangen zu folgen. Ich trabte etwas flotter, um die Karawane schnell einzuholen. Kaum hatte ich die Stadt verlassen, als ein herrenloses Pferd sich zu mir gesellte und munter neben mir her trabte. Anderthalb Stunden war ich geritten, als ich vor einem leeren Wassergraben stand. Mit einem Mal war kein Weg mehr da, auch keine Telegrafenstangen. Ich stieg ab, um nach Wagenspuren zu suchen. Das herrenlose Pferd war wieder verschwunden. Ich suchte, mein Pferd am Zügel, links und rechts nach dem Weg. Was sich hier Straße nennt, wird in der Regenzeit zwischen Oktober und April leicht kaputtgefahren, und man sucht dann neben der Straße weiter zu kommen. Dadurch wird die Straße immer breiter. |
| Um nun nicht weiter Zuverirren, entschloß ich mir den Tag abzuwarten, ich gürtete den Sattel meines Pferdes lose und legte mich auf die Erde, daß Pferd am Zügel, aber an Schlaf war nicht zudenken, hatte nur meine Khakiuniform an und mich fing an zufrieren. Nun gürtete ich \den Sattel an/ meinen Pferd wieder fest, nahm mein Pferd wieder am Zügel und ging die angenommene Richtung wieder zurück, um doch noch den richtigen Weg zufinden und nach gar nicht allzulanger Suche war ich wieder auf den richigen Weg. Nun rauf aufs Pferd und im flotten Grab ging es in Richtung Bagdad weiter, um die Verspätung wieder aufzuholen und die Karawane noch vor Bagdad einzuholen. Gegen zwei Uhr Nachts erreichte ich den Ort Be-ni-sat der ungefähr 30 Kilometer vor Bagdad liegt, aber immer noch nichts von der Karawane zu- <²OZ facs. 48> sehen und ich konnte es mir auch gar nicht denken, daß die Karawane dort übernachten würde um am nächsten Abend nach Bagdad zu Maschieren. Ich Ritt inzwischen meine Tour weiter und erreichte bei Sonnenaufgang das Überschwemmungsgebiet vor Bagdad, der Tigris war über die Ufer getreten und hatte die Östliche Ebene auf etwa einen Kilometer\breite/ überschwemmt, ich Ritt durch, die Wasserhöhe betrug höchstens einen ¾ Meter, nun hatte ich die 66 Kilometer lange Strecke hinter mir. In Bagdad angekommen, die Etappe aufgesucht, aber von der Karawane keine Spur, der Diensttuende Unteroffizier, ein Palästina Deutscher, war aber garnicht so besorgt wie ich und sagte, ich soll nun ruhig Schlafen die Karawane würde auch ohne mir ankommen. ≡ | Ich wusste in der Dunkelheit nicht weiter und wollte hier im Freien den Tag abwarten. Ich hatte nur meine Khakiuniform an. Mein Gepäck war ja bei der Karawane. Ich gurtete den Sattel meines Pferdes lose und legte mich auf die Erde. Es wurde bitterkalt und ich fing an, jämmerlich zu frieren. Ich stand wieder auf, gurtete den Sattel meines Pferdes wieder fest und ging, das Pferd immer am Zügel, in die Richtung, aus der ich gekommen war, zurück in der Hoffnung, den richtigen Weg wieder zu finden. Und ich hatte Glück. Nach nicht allzu langer Zeit erkannte ich die Straße und konnte nun im flotten Trab Richtung Bagdad reiten. Ich hoffe, die Karawane vor Bagdad zu erreichen. Gegen zwei Uhr in der Nacht ritt ich durch Benisat und hatte jetzt die halbe Strecke bis Bagdad zurückgelegt. Ich nahm an, dass die Karawane schon weiter war, denn ich konnte mir nicht denken, dass sie schon nach 33 Kilometern übernachten würde, um dann schon am Morgen in Bagdad zu sein. Ich ritt weiter. Bei Sonnenaufgang sah ich das Überschwemmungsgebiet vor Bagdad. Der Tigris führte Hochwasser und war über die Ufer getreten. Das Wasser war nur einen ¾ m tief, und man konnte schon durch das Wasser bis zur Stadt reiten. Die 66 Kilometer hatte ich geschafft. Bei der Etappe hoffte ich meine Karawane zu finden, aber von der wusste niemand etwas. Der diensthabende Unteroffizier, ein Palästina-Deutscher, machte sich keine Sorgen. Er kannte die Verhältnisse. Er gab mir nur den guten Rat, mich hinzulegen, denn die Karawane würde schon kommen. |
| Nun ging ich zur Unterkunft, brachte mein Pferd im Stall und unternahm nun erst eine <²OZ facs. 49> gründliche Säuberung, nahm mein Frühstück ein, daß nun wiedermal sehr Konfortabel war und begab mich zur Ruhe. ≡ | Ich ritt zur Unterkunft der Etappe, die ich ja schon kannte, brachte mein Pferd in den Stall und nahm ein Bad, das sehr nötig war, frühstückte und legte mich endlich schlafen. |
<WZ 9b> 6. Wieder in Bagdad | |
| Das Mittag war wiedermal ein Essen, wie ich es seid zwei Monate nicht mehr gesehen hatte, und nun wieder Schlafen, hatte noch sehr viel aufzuholen. Gegen Abend ging ich nun wieder zur Etappe um mich zu Erkundigen, aber die Karawane war immer noch nicht eingetroffen und nun blieb mir weiter nichts übrig, mir nun doch beim Etappen Offizier zumelden, der Etappen Offizier ein Bayrischer Oberleutnannt. Als ich nun meine Meldung vorgebracht hatte, kam die Begrüßung, die nicht sehr herrzlich ausfiel, bekam aber den Befehl mir ein Pferd zusatteln, mir sofort auf die Suche zubegeben und nicht eher zurück zukommen, bis die Karawane da ist. Aber so eilig hatte ich es nun doch nicht, aß erst gemütlich mein Abendbrodt und dann gings Schlafen, wo ich auch bis zum nächsten <²OZ facs. 50> Morgen durchhielt. ≡ | Gegen Mittag wurde ich wach. Ich aß ein Mittagessen, wie ich es seit zwei Monaten nicht mehr genossen hatte. Dann schlief ich wieder, ich hatte ja einiges nachzuholen. Am Abend erkundigte ich mich bei der Etappe, ob die Karawane inzwischen da sei, Sie war immer noch nicht angekommen. Jetzt musste ich das doch dem Etappenoffzier, einem bayrischen Oberleutnant, melden. Seine Begrüßung fiel nicht gerade freundlich aus, und er befahl mir, sofort mein Pferd zu satteln und nicht ohne Karawane zurückzukehren. Ich machte kehrt, und verschwand. Die Nacht vorher hatte mir gereicht. Jetzt musste ich mich erst ausruhen. Ich aß zu Abend und holte den gestrigen und den heutigen Schlaf nach. |
| Als ich nun am nächsten Morgen mein Frühstück gegessen hatte, ließ ich mir mein Pferd satteln und Ritt bis zum nächsten Ort Be-ni-sat zurück, suchte den Ort ab, aber von der Karawane keine Spur. Hier traf ich nun einen alten Kameraden wieder, der auch mit einer kleinen Karawane aus Persien zurück kam, hier Rastete und Abends weiter nach Bagdad wollte. Ich wurde von ihm eingeladen und machte es mir in seinen Zelt recht bequem, half ihm noch sein bereits fertig gekochtes Mittag Huhn mit Reis verzehren. Als nun die größte Hitze vorüber war, machte ich mich wieder auf den Rükweg, während mein Gastgeber erst Nachts weiterreißte. Mit Sonnenuntergang langte ich wieder in Bagdad an, mein erster Gang zur Etappe und hier erfuhr ich, daß die Karawane bereits am frühen Morgen hier eingetroffen war, hatte von Be-ni-sat aus einen Weg um das Überschwemmung- <²OZ facs. 51> gebiet herum genommen, sodaß wir uns Unterwegs nicht treffen konnten. ≡ | Morgens frühstückte ich erst mal gut, dann sattelte ich mein Pferd und ritt denselben Weg wie vorgestern Nacht zurück bis Benisat. Von der Karawane war nichts zu sehen. Ich suchte den ganzen Ort ab und fand nur eine andere Karawane, die auch aus Persien kam und von einem alten Kameraden begleitet wurde. Er lud mich ein, sein gerade fertig gekochtes Mittagessen, Huhn mit Reis, mit ihm zu teilen. Ich wartete noch, bis die größte Hitze vorüber war, und machte mich auf den Rückweg. Mein Gastgeber wollte abends weiterreisen. Bei Sonnenuntergang war ich wieder in Bagdad. In der Etappe erfuhr ich dann, dass meine Karawane das Überschwemmungsgebiet umfahren hatte und schon am Morgen kurz nach meinem Aufbruch eingetroffen war. So konnten wir uns nicht begegnen. |
| Nun war es inzwischen Juni geworden und die Temperatur in Bagdad hatte bereits 60 Grad überschritten, für uns neu angekommende Europäer eine fast unerträgliche Hitze, nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Dazu die Malaria, so lag ich wieder drei Tage in Fieber und mußte ordendlich Ch | Anfang Juni wurde die Hitze immer unerträglicher. Die Temperatur überstieg die 60 Grad, und für uns Mitteleuropäer war es fast nicht auszuhalten. Es war nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Und dazu die Malaria. Ich lag wieder drei Tage im Fieber und musste fleißig Chinin schlucken. Als das Fieber nachließ und ich wieder den Kopf heben konnte, spazierte ich in der Abendkühle durch den Basar, um ein paar Einkäufe zu machen. Zufällig traf mich der Hauptmann Jordan dort, der mich aus Haserscherin in Persien kannte. Er suche dringend Leute, weil seine Leute fast alle im Lazarett lägen, und ob ich nicht mit ihm nach Hanekin reiten wolle, um noch dort lagerndes Material zurück zu holen. Ich sagte ihm zu. |
| schon am nächsten Abend machten wir uns mit einer Maultier Karawane <²OZ facs. 52> auf den Weg, wir hatten die Strecke von 66 Kilometer bis Bakuba die Nacht durch zurück gelegt. Am Tage war das Maschiren unmöglich, aber auch zum Schlafen war es zuheiß, aber auch das Essen schmekte nicht mehr. Gegen Abend wurde wieder aufgebrochen und durch gings in dieser Nacht bis Cha-ra-ban, daß wir schon frühzeitig erreichten, aber auch an Ruhe war am Tage nicht zudenken, so heiß war es, nur Durst, Essen war unmöglich, dazu das Fieber. Am 4ten Morgen kamen wir in Chisorobat an, aber nun war es mit meiner Kraft zuende, es wurde ein Ruhetag eingelegt, zum Glück kam hier eine Karawane aus Hanekin zurück, ich bat den Offizier mit der zurück gehende Karawane nach Bagdad zugehen, was er auch einsah. Wir brachen nun am nächsten Morgen früh auf und Maschirten nun wieder am Tage, statt Nachts, bei einer Hitze von 60 bis 70 Grad, kein kühler Luftzug, wie vorm Bakofen, wir mußten uns ein <²OZ facs. 53> Tuch, auf der Seite von wo der Wind kam vors Gesicht machen, so brühend war die Luft, ein trinken aus der Feldflasche war unmöglich so heiß war der Alluminiumkopf. Jetzt hieß es aushalten, nur nicht liegen bleiben, ein Lazareth oder Arzt gab es hier nicht und noch waren wir 110 Kilometer von Bagdad entfernt, hier liegenbleiben bedeutete den Todt. So wurde ein gewalt Marsch nach dem andern gemacht, in Cha-ra-ban angekommen, wurde nur gefüttert und weiter gings bis Ba-ku-ba wo wir gegen Abend eintrafen, es wurde nur eine kurze Rast gemacht, gefüttert und weiter Richtung Bagdad. Nun hatten wir noch 66 Kilometer zu machen, aber der Durst war nicht mehr zulöschen, im Kopf ein Sausen, daß ich nichts mehr hören konnte. Gegen 9 Uhr vormittag kamen wir in Bagdad an und ≡ | Schon am nächsten Abend machten wir uns mit einer Maultierkarawane auf den Weg. Die 66 km bis Benisat schafften wir in dieser Nacht. Tagsüber war nicht an Schlafen zu denken, denn es war viel zu heiß. Das Essen schmeckte auch nicht mehr. Gegen Abend brachen wir wieder auf und ritten durch bis Scharaban, das wir recht früh erreichten. Aber bei der Hitze gab es keine Erholung. Wir hatten nur <WZ 10a> Durst und nichts als Durst, und dazu das Fieber. Am vierten Tag kamen wir nach Chissorobat. Hier war es mit meiner Kraft zu Ende, und es wurde ein Ruhetag eingelegt. Glücklicherweise kam am anderen Tag eine Karawane aus Hanekin, die nach Bagdad wollte, und ich bat meinen Hauptmann, mich dieser Karawane anschließen zu dürfen, was er auch einsah, denn unterwegs liegen zu bleiben bedeutete den Tod. Nach Bagdad marschierten wir am Tage bei einer Hitze von annähernd 70 Grad. Kein kühler Luftzug, ein heißer Wind wie aus einem Backofen. Wir mussten uns einen Windschutz an der Seite anbringen, von der der heiße Wind kam. Aus unserer Feldflasche konnten wir auch nicht trinken, weil die Aluminiumöffnung der Feldflasche zu heiß war. Jetzt hieß es aushalten und bloß nicht liegen bleiben. Einen Arzt oder Sanitäter gab es nicht, und es waren noch 110 Kilometer bis Bagdad. In Scharaban angekommen, fütterten wir nur die Tiere und marschierten gleich weiter nach Bakuba. Ein Gewaltmarsch folgte dem anderen. In Bakuba machten wir eine ganz kurze Rast. Weiter ging es in Richtung Bagdad. Noch war eine Strecke von 66 Kilometern zu bewältigen. Der Durst wurde immer unerträglicher. Im Kopf hatte ich ein Sausen, so dass ich nichts mehr hören konnte. Endlich waren wir in Bagdad. |
| hatten die 110 Kilometer lange Strecke von Scha-ra-ban bis Bagdad in 27 Stunden überwältig. Notdürfig auf der Etappe <²OZ facs. 54> den Transport übergeben, es war der erste Pfingstsonntag, sofort ging ich zur Sanitätsstube, wo auch der Arzt meine sofortige Überführung ins Lazareth anordnete. Unser Lazareth war in den Räumen des Bagdadbahnhofs eingerichtet, ein massiver Steinbau, unser Stabsarzt war ein im Orient lebender Deutscher Arzt und \der/ mit sämtlichen Tropenk[r]ankheiten vertraut war, sich auch die größte Mühe gab und dem ich mein Leben verdanken kann. Unser Lazareth herrlich im Palmenhain am Tigris gelegen, die Fenster mit Matten behangen, der Fußboden andauernd begossen und trotsdem hatten wir hier drinnen eine Temperatur nicht unter 40 Grad. Dazu das hohe Fieber, fing früh mit 38.8 an und ging Abends bis über 40 Grad rauf, daß Essen schmeckte nicht, trotsdem es sehr gut war und ich mir wünschen konnte worauf ich Appetit hatte. Unser Stab arzt sagte immer zu mir, Essen sie <²OZ facs. 55> Essen sie wenn es ihnen auch nicht schmekt. Nur Trinken, Trinken, wir hatten jeder ein Tonkrug, aber der Tee war immer Warm und wenn er längere Zeit \stand/ stank er förmlich. Wir saßen nur mit Hemd bekleidet auf unsere Betten, in der einen Hand einen Fächer und in der anderen ein Taschentuch um Schweiz zuwischen und ein bischen frische Luft zuschnappen. ≡ | Die Strecke von Scharaban bis Bagdad hatten wir in 27 Stunden zurückgelegt. Wir waren am Ersten Pfingstfeiertag angekommen. Der Transport wurde nur oberflächlich an die Etappe übergeben. In der Sanitätsstube ordnete ein Arzt sofort meine Verlegung ins Lazarett an. Das Lazarett war im Bahnhof von Bagdad eingerichtet. Der Stabsarzt war ein Deutscher, der im Orient lebte und mit Tropenkrankheiten vertraut war. Er bemühte sich sehr um mich, und ich glaube, dass ich ihm mein Leben zu verdanken habe. Das Lazarett lag in einem herrlichen Palmenhain, direkt am Ufer des Tigris. Die Fenster waren mit grünen Matten verhangen. Der Steinfußboden wurde zur Kühlung ständig mit Wasser begossen, und trotzdem sank die Temperatur in den Räumen nicht unter 40 Grad. Dazu täglich das hohe Fieber. Morgens hatte ich 38,8 Grad, das dann bis zum Abend auf über 40 Grad stieg. Das Essen schmeckte auch nicht. Es war sehr gut, und ich konnte mir wünschen, worauf ich Appetit hätte, aber ich brachte nichts runter. Immer wieder forderte mich der Stabsarzt auf: “Essen Sie nur, essen Sie nur, wenn es Ihnen auch nicht schmeckt.” Ich hatte nur Durst und nochmal Durst. Neben dem Bett stand ein Tonkrug mit Tee, aber der Tee war immer warm und begann, wenn er länger stand, zu riechen. Widerlich! Wir saßen nur im Hemd auf unseren Betten, in der einen Hand ein Taschentuch, in der anderen ein Fächer, um frische Luft zu wedeln. |
| Unser Stabsarzt der sich die größte Mühe gab, und ich für ihn ein Rätsel war, ließ jeden der hier neu ankommenden Ärzte mich Untersuchen und ihr Gutachten abgeben. So ging es vier Wochen mit dem hohen Fieber und ich war soweit herunter gekommen, daß ich bei den Unterhaltungen einschlief. Als sich nun das Fieber gelegt hatte und das Essen wieder zuschmecken begann, erholte ich mich nun auch zusehens, Essen konnte ich mir wünschen was mir schmeckte. Wenn nun gegen Abend die große Hitze vorbei war, gingen wir zum Tigris und machten eine kleine Kahnpartie, daß Baden für <²OZ facs. 56> uns war zu dieser Jahreszeit verboten wegen Haifischgefahr, aber die Moskitoplage war für uns recht unangenehm und oft fast unerträglich. Oft saßen wir auch am Ufer und sahen den Eingeborenen zu wie sie ihre primitiven Wasserwerke bedienten und ihre Obst, Gemüsegarten und Palmenhainen bewässerten. ≡ | Für den Stabsarzt war ich ein Rätsel. Jeder der neu herkommenden Ärzte musste mich <WZ 10b> untersuchen und ein Gutachten abgeben. So ging das vier Wochen. Das hohe Fieber blieb, und ich war körperlich völlig heruntergekommen. Ich war so schlapp, dass ich während einer Unterhaltung einschlief. Dann aber sank das Fieber zusehends. Das Essen schmeckte wieder, und ich durfte mir wünschen, was ich essen wollte. Jetzt konnte ich schon abends, wenn die Hitze etwas nachgelassen hatte, zum Tigris gehen, um dort mit Kameraden zusammen ein Boot zu mieten. Baden durfte man nicht wegen Haifischgefahr. Unangenehm war die Moskitoplage. Oft saßen wir am Ufer und sahen den Einheimischen zu, wie sie ihre primitiven, aber zweckmäßigen Bewässerungsanlagen bedienten, um ihre Palmenhaine, Obst- und Gemüsegärten mit Wasser zu versorgen. |
| Zehn Wochen hatte ich im Lazareth zugebracht, nun fühlte ich mich wieder einigermaßen Wohl und wurde entlassen, weil die Betten nötig gebraucht wurden. Nun bekam ich die Hausmeisterstelle im Generalkomando zugewiesen, was mir gar nicht zusagte, ich hatte vier Hamale (Arbeiter) mußte dafür Sorgen, daß alles Sauber war und überall frisches Wasser und die Aborte sauber \waren/, aber meine Zeit war nicht ausgelaßtet und oft saß ich und wußte nicht was ich anfangen sollte, oft saß ich im Büro und tippte auf einer Schreibmaschine herum. ≡ | Zehn Wochen verbrachte ich im Lazarett. Am liebsten hätte mich der Stabsarzt dortbehalten, um mich zum Sanitäter ausbilden zu lassen. Ich musste mich aber erst einmal auf der Kommandantur als gesund zurückmelden. Dort traf ich zufällig den Hauptmann, mit dem ich aus Aleppo nach Bagdad gekommen war, und den wir 10 Tage lang krank durch die Wüste transportiert hatten. Der freute sich, mich wiederzusehen, und hielt mich dort gleich fest. Ich wurde der Hausmeister der Kommandantur. Ich hatte vier Hamale (Arbeiter) und musste dafür sorgen, dass alles sauber war, vor allen Dingen die Aborte, und dass überall frisches Wasser zur Verfügung stand. Ausgelastet war ich damit nicht, und ich langweilte mich und wusste nicht, was ich anfangen sollte. Oder ich saß im Büro und tippte auf einer Schreibmaschine herum. |
| Im laufe des Frühjahr und <²OZ facs. 57> Sommers waren allerlei Formationen herunter gekommen, vor allen Technische Formationen und so wurde am Euphrath eine deutsche Etappe eingerichtet, die Transporte kamen nun von Cheraplus bei Aleppo bis nach Redwanie, von hieraus wurde nun eine Kleinspurbahn bis nach Bagdad gebaut. Mein Freund ein 12ter Husar und ich meldeten uns und erhielten auch den Posten, Redwaje liegt 41 Kilometer von Bagdad gegenüber am Euphrath. War ein Transport per Schachturen (Kähne) angekommen, wurden hier entladen und durch Türkische Asker (Soldaten) Etappenweise nach Bagdad geschoben. Hier war das Klima angenehmer, aber desto mehr gab es Moskitos sehr kleine, Mücken und Abends konnte mann sich nicht dafür Retten. Wir hausten hier in Zelte aus Rohrgeflecht, nicht dicht gegen Regen und Sand, Abends lag Fingerhocher Sand auf unsere Feldbetten, ≡ | Im Laufe des Frühjahrs und des Sommers waren allerlei Truppen, besonders technische Formationen, aus den Bergen auf Schachturen (Lastkähne) den Euphrat heruntergekommen. Die Lastkähne sollten in Redwanje ausgeladen und auf einer neu gebauten Schmalspurbahn gleich weiter nach Bagdad transportiert werden. Dazu war vorgesehen, in Redwanje eine neue Etappe einzurichten. Türkische Asker (Soldaten) sollten die Loren die 40 km lange Strecke nach Bagdad schieben. Mein Freund, der 12. Husar, und ich meldeten uns dort und bekamen auch die Stelle. Das Klima war in Redwanje viel angenehmer, aber dafür gab es mehr Moskitos und andere Quälgeister, vor denen man sich abends nicht retten konnte. Zuerst hausten wir hier in einem Zelt aus <WZ 11a> Schilfrohrgeflecht, das nicht dicht genug war, den Regen und Sandsturm abzuhalten. Abends lag der Sand fingerdick hoch auf unseren Betten. |
| auch war in ein paar Monate mit der Regenzeit zurechnen. <²OZ facs. 58> Nun wollten wir uns aus den angekommenden Schachturen eine feste Hütte bauen, Bretter waren reichlich vorhanden und wir waren dabei die Schachturen auseinander zuschlagen daß uns der Türkische Etappenoffizier verweigerte und Posten aufstellte, Weil wir in den Glauben waren die Schachturen gehörten \uns/, ließen wir uns nicht stören und Jagden die Türkische Posten davon. Die Türkische Etappe war mit Bagdad Telefonisch verbunden und so gab der Türkische Etappenoffizier seine Beschwerde gleich an höhere Instanz weiter. Die Folge war, daß auch die deutsche Etappe durch einen deutschen Offizier besetzt wurde, mein Kamerad ging nach Bagdad zurück und nach hier kam der Leutnant Lücke, mit dem ich schon in Peitak (Persien) die Etappe führte. ≡ | In ein paar Monaten würde die Regenzeit beginnen, und wir überlegten uns, was wir tun könnten, uns eine andere, feste Unterkunft zu errichten. Aus den Brettern der reichlich vorhandenen Schachturen könnte man etwas bauen, was sicher als Unterkunft besser war als unsere jetzigen Zelte. Wir waren der Meinung, dass uns die Schachturen gehörten, und wir begannen beide, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen. Wir wussten jedoch nicht, dass die Schachturen als türkisches Armeeeigentum angesehen wurden und wohl auch waren. Der türkische Etappenoffizier untersagte uns sehr schnell, weiter die Kähne auseinanderzureißen, und stellte Posten auf, die uns an unserem Vorhaben hindern sollten. Wir jagten aber die türkischen Posten weg und machten weiter. Darauf folgte eine Beschwerde an höchster Stelle. Der Erfolg war: Es wurde ein deutscher Offizier, ein Leutnant, auf die Etappe versetzt, mein Freund wurde wieder nach Bagdad geschickt, ich aber blieb. Den deutschen Leutnant kannte ich schon von Peitack in Persien her. |
| Nun fingen wir an \uns/ Häuslich einzurichten und uns ein festes Haus zu bauen, die Ziegel wurden an Ort und Stelle aus Lehm gemacht und <²OZ facs. 59> in der Sonne getrocknet. Arbeitskräfte hatten wir genug, Alt und Jung kamen um Geld zuverdienen, die Erwachsenen erhielten 5 Piaster eine Mark und die Kinder 3 Piaster 60 Pfg pro Tag, die Kinder trugen in kleinen Körben auf den Kopf den Lehm heran, die Erwachsenen formten die Steine, die in 4-5 Tage in der Sonne trockneten. So waren bei uns 50-60 Mann beschäftig, die großen trugen die Steine heran und die Kinder den Lehm, ein paar Mann mauerten, aber ohne Wasserwage und Lot, gearbeitet wurde von 6 Uhr früh bis 12 Uhr 2 Stunden Mittag und dann von 2 Uhr bis 6 Uhr. ≡ | Jetzt begannen wir, uns ein festes Haus zu bauen. Die Genehmigung der Kommandantur hatten wir. Wir bekamen Hamale (Arbeiter) zur Verfügung gestellt, die gleich begannen, Ziegel aus Lehm an Ort und Stelle zu formen und zu trocknen, aus denen dann unser Haus errichtet werden sollte. Aus der ganzen Umgebung kamen die Araber, um Geld zu verdienen. Die Erwachsenen wurden für 5 Piaster pro Tag eingestellt, und auch Kinder wollten oder sollten mitarbeiten. Die bekamen 3,60 Piaster pro Tag. Die regelmäßige Arbeitszeit war von morgens 6 Uhr bis mittags 12 Uhr und von 1 Uhr bis 6 Uhr nachmittags. Dazwischen eine Stunde Pause. Die Erwachsenen formten die Lehmsteine, und die Kinder legten sie dann zum Trocknen aus. In drei bis vier Tagen waren die Ziegel hart getrocknet. Zwischen 40 und 50 Mann waren so bei uns beschäftigt. Als mit dem Bau des Hauses begonnen wurde, trugen die Erwachsenen die Steine heran, während die Kinder in kleinen Körben Lehm auf dem Kopf transportierten. Ein paar “Maurer” schichteten dann die Ziegel aufeinander, aber alles ohne Wasserwaage und Lot. |
| Aber die Aufsicht durfte nicht fehlen, kaum waren sie ein paar Minuten ohne Aufsicht, saßen sie schon hintern Steinhaufen und rauchten ihre Cigarette oder Tonfeife. Mit der Zeit kannte man schon seine Pappenheimer und die Fleisigen von den Faulen unterscheiden, manche trieben es gar zu bunt, kamen früh gaben ihre Karte ab, und bei der ersten Gelegenheit <²OZ facs. 60> zuverschwinden: Aber mit der Zeit kam auch ich dahinter, ließ auser der Zeit alles antreten und wer nicht da war, wurde entlassen, daß gab ein bischen Furch, aber sie versuchten es dann wieder auf andere Art und Weise. Weil ich doch nicht jeden kannte, bekam jeder für eine Woche eine Karte, worauf ich jeden Tag mein vermerk machte und auch am Tage unverhofft Kontrollen durchführte. ≡ | Meine Aufgabe war die Aufsicht über den Bau. Wenn ich ein paar Minuten nicht hinsah, saßen unsere Arbeiter schon hinter einem Steinhaufen und rauchten ihre Zigarette oder Tonpfeife. Mit der Zeit konnte ich die Fleißigen von den “weniger” Fleißigen unterscheiden. Da gab es einen Trick: Man kam früh, gab seine Arbeitskarte ab und verschwand in einem unbeobachteten Augenblick. Nachdem ich dahinterkam, ließ ich zwischendurch alle antreten, und wer nicht da war, wurde entlassen und bekam kein Geld mehr. Lohn gab’s nämlich am Ende der Woche. Von <WZ 11b> jetzt ab konnte ich meinen Leuten mehr vertrauen, und meine Aufsicht wurde etwas leichter. |
| Die Araber sind sehr genügsam, mit einer Handvoll Datteln und ein paar Fladen Brodt zufrieden. Ich war bei den Araber sehr angesehen, und konnte jeden vertrauen. Als nun die Tage kürzer wurden und nun zwei Stunden weniger gearbeitet wurden, wollten wir den Arbeitslohn von 5 auf 4 Piaster herabsetzen, was sie sich ohne weiteres nicht gefallen ließen und nun einfach Streikten. Am nächsten Morgen als ich auf der Arbeitsstätte erschin, war keiner an der Arbeit, aber sie waren sich nicht einig etliche wollten, die andern waren dagegen. <²OZ facs. 61> Da alles zureden nichts half, forderten wir die Rädelsführer auf sofort die Arbeitsstätte zuverlaßen, \daß/ wollten sie nicht nachkommen und so mußten wir sie mit der Waffe in der Hand gewaltsam | Der Araber ist sehr genügsam. In der Mittagspause saßen sie zusammen, aßen eine Handvoll Datteln und dazu einen Fladen Brot. Als jetzt die Tage kürzer wurden und zwei Stunden weniger gearbeitet wurde, dachte ich, den Arbeitslohn um 1,20 Piaster kürzen zu können. Das ließen sie sich aber nicht gefallen und streikten. Am nächsten Morgen um sieben waren zwar alle erschienen, aber keiner an der Arbeit. Sie standen nur herum. Die arbeiten wollten, wurden von den anderen daran gehindert. Alles Zureden half nichts. Wir forderten die Rädelsführer auf, die Baustelle zu verlassen, aber die weigerten sich entschieden. Mit vorgehaltener Waffe konnten wir die Rädelsführer schließlich vertreiben, aber die anderen wollten immer noch nicht arbeiten. Als unser Dolmetscher ihnen klarmachte, dass in einem anderen Dorf bei einem anderen Stamm die Leute nur warteten, um ihre Arbeit zu übernehmen, begannen sie wieder ihre Tätigkeit. Aus Rache zertrampelten sie uns dann in der Nacht die frischen, zum Trocknen ausgelegten Lehmziegel. |
| Nadem die Rädelsführer von ihrer Arbeitsstelle vertrieben hatten, ließen wir die übrigen durch unseren Dolmetscher sagen, wenn sie nicht sofort die Arbeit wieder aufnehmen würden, würden wir uns vom anderen Dorf die Arbeiter holen und das half und die meisten nahmen die Arbeit wieder auf und so konnten wir unsern Bau noch vor eintritt der Regenzeit beenden und saßen nun im Trocknen Der Europäische Winter ist hier die Regenzeit, ende Oktober machen sich die ersten Wolken sichbar, und anfang November setzt die Regenzeit ein, die bis ende April anhält, nachher wieder <²OZ facs. 62> der Wolkenlose Himmel. ≡ | Vor Beginn der Regenzeit konnten wir den Bau unseres Hauses beenden. Wir saßen nun im Trocknen und hatten keinen Staub mehr auf den Betten. Der europäische Winter ist hier die Regenzeit. Ende Oktober werden die ersten Wolken am Himmel sichtbar, und in den ersten Tagen des November beginnt es dann bis Ende April zu regnen. Dann ist wieder wolkenloser Himmel. – Hier erlebte ich auch wie zwei benachbarte Dörfer sich regelrechte Schlachten lieferten. Es wurde viel geschossen, und wir waren so nahe dran, dass wir die Kugeln pfeifen hörten. Und nicht nur Verwundete, auch Tote gab’s. |
| Nun fing für mich wieder die gute Zeit an und ging viel Jagen, aber kaum hatte ich die Etappe verlaßen, so waren auch schon die Araber Alt und Jung bei mir zu Jagen. Es gab hier viel Schakale und Füchse, die wie die deuts[ch]en Füchse etwas kleiner und heller waren, aber sie hatten ein sehr zähes Leben und manche | Jetzt begann für mich eine ruhige Zeit. Wöchentlich kamen höchstens zwei Transporte, und die waren relativ schnell abgefertigt. Und so hatte ich viel Zeit, auf die Jagd zugehen. Kaum hatte ich die Etappe verlassen, als schon einige Araber, alte und junge, sich mir zu gesellten. Es gab viele Füchse und Schakale. Die Füchse sind etwas kleiner und heller in der Farbe als die deutschen Füchse, aber ungemein zäh und kaum tot zu kriegen. Obwohl ich ein guter Schütze war, und fast jeder Schuss saß, liefen sie trotzdem davon. An der Stelle, wo ich sie getroffen hatte, fand ich dann eine große Blutlache. Ich folgte der Blutspur, bis ich dann etwa 100 Meter weiter in einer Bodenwelle das verendende Tier fand und ihm den Fangschuss geben konnte. Das Fell der Schakale ist fast wertlos, das der Füchse ist mehr wert. Die Felle zog mein junger Araberfreund Ibrahim ab, der mich oft begleitete. Ab und zu gab ich ihm ein paar Piaster, und seitdem hing er sehr an mir. “Barschausch, Arab schock fenna”, sagte er zu mir (Feldwebel, Araber sehr schlecht). |
| Nun kam auch wieder ein Transport an, die Begleitmannschaft wurde von uns Verpflegt und zahlten für den Tag 5 Piaster 1 Mark, wir hatten hier einen <²OZ facs. 63> Arabischen Koch, der in Bagdad bei einer deutschen Lehrerfamilie in Stellung war und ausgezeichnet kochte, daß dauerte aber immer höchstens 2 Tage und der Transport war wieder abgeschoben, nun hatte ich wieder ein paar Tage Ruhe. ≡ | Wir hatten einen vorzüglichen Koch, der vorher bei einer Lehrerfamilie angestellt war. Kam ein <WZ 12a> Transport, dann wurde der gleich bei uns verpflegt, für 5 Piaster (1 Mark) pro Mann. Je mehr Personal bei einer Karawane war, umso mehr rentierte sich unser Koch. Fleisch und Reis waren billig, und so kamen wir gut auf unsere Kosten und hatten manchmal sogar einen kleinen Überschuss. Nach zwei Tagen waren sie immer wieder weg, und wir hatten unsere Ruhe. |
| Eines Tages als ich wiedermal meinen alten gewohnten Spaziergang am Kanal entlang machte, sah ich in größerer Entfernung einen dunklen Punkt, den ich für einen Schakal hielt, ich nun runter vom Wall in Deckung näher heran, als ich nun ungefähr in der selben Höhe war, als ich wieder den Wall erklettert hatte, sah ich ihn gegenüber auf der anderen Seite sitzen, ich legte an und Schoß, in dem Moment war er verschwunden, aber mein Begleiter ein junger Araber, der am liebsten stets bei war, sah ihn schon im Wasser schwimmen, holte ihm heraus und rief Afferim Afferim. Benzun Barre (Sehr gut sehr gut Wilde Katze). Ich wußte nicht was ich geschossen hatte, ein Kopf wie eine Katze, gestreiftes Fell und sonderbaren Schwanz, als ich nun <²OZ facs. 64> mit meiner Beute zur Etappe zurück kam und mein Araber Freund beim abziehen war kam der Leutnant und sagte was haben sie denn da geschossen, ist ja ein Luchs, daß Fell vom Luchs ist schon etwas Wertvoller und wurde in Bagdad mit 12-15 Mark gehandelt. Die Felle wurden bei mir von Araber mit Asche eingerieben zum trocknen auf ein Brett genagelt und an der Wand aufgehängt, als dann der Rückzug kam, packte ich meine Felle in ein Sack, aber mehrere waren noch nicht Trocken und als ich sie nach 4 Wochen in Mosul wieder auspackte, waren die meisten verdorben und den Rest mußte ich wegwerfen. ≡ | Eines Tages ging ich mit Ibrahim am Kanal entlang: eine alte, fast völlig versandete Verbindung zwischen dem Euphrat und dem Tigris, in dem das Wasser höchstens einen halben Meter hoch stand. Da sah ich in der Ferne einen dunklen Punkt, den ich für einen Schakal hielt. Vorsichtig stieg ich vom Deich herab, pirschte mich näher heran und beobachtete das Ziel auf der anderen Seite des Kanals. Ich sah ihn drüben sitzen und schoss, aber das Tier war im selben Augenblick verschwunden. Ibrahim sah es gleich darauf im Kanal schwimmen, jagte die Böschung hinab und holte es heraus. “Afferim. Benzun Barre” (Sehr gut. Wilde Katze). Ich wusste nicht, was ich erlegt hatte. Der Kopf war der einer Katze, das Fell gestreift, und es hatte einen sonderbaren Schwanz. Als mein Freund in der Etappe beim Abziehen des Fells war, erfuhr ich vom Leutnant, dass ich einen Luchs geschossen hatte und dass dessen Fell viel kostbarer ist als das eines Schakals. In Bagdad bekäme man dafür drei bis vier Medschid (12 bis 16 [sic!] Mark), während man für ein Fuchsfell nur zwei bis 2½ Piaster (40 bis 50 Pfennige) erhält. Ibrahim rieb die Felle mit Asche ein und hängte sie auf ein Brett genagelt zum Trocknen auf. Als der Rückzug kam, packte ich alle meine Felle in einen Sack, und da nicht alle trocken waren, waren sie, als ich sie nach vier Wochen in Mossul auspackte, alle verdorben. |
| Auch Enten waren öffters auf den Euphrat war nun mal \welche/ wieder in Sicht, waren auch schon die Araber Jungs bei mir Barschausch (Feldwebel) Batt Batt (Enten), also auf zur Entenjagd, angekommen an der Stelle wo die Enten in der Mitte des Euphrath im Kreise schwammen, es waren 6 oder 7, ich legte an Zielte und Schoß, zwei blieben auf <²OZ facs. 65> der Strecke, die übrigen flohen davon. War die Beute zur Strecke, waren auch schon die Araberjungs im Wasser und jeder wollte der erste sein und derjenige der die Enten brachte bekam ein paar Piaster Backschisch (Trinkgeld) ≡ | Im Herbst rasteten öfter Enten auf dem Euphrat. Sobald die Araber welche sahen, kamen sie auch schon zu mir: “Barschausch, bott, bott!” (Feldwebel, Enten, Enten!) In Begleitung der Araberschar ging es zum Euphrat, und dort sah ich die Enten fast im Kreise schwimmen. Ich schoss, und zwei blieben auf der Strecke, während die anderen das Weite suchte. Das war ein Erfolg. Mit einer Kugel zwei Enten. Die Araberjungen stürzten sich gleich ins Wasser, denn jeder wollte der sein, um die Beute abzuliefern, denn sie wussten, dass sie ein Bakschisch erwartete. |
| der Euphrath hat hier eine Breite von mindesten 500 Meter. Wir hatten uns hier eine schöne Etappe gebaut, 6 schöne große Räume mit Küche und Bad, die Arbeit war zu ertragen, es kam Wöchentlich | Der Euphrat hat hier eine Breite von 500 m bis 600 m [sic!]. Von unserer Etappe aus hatten wir das Panorama des Flusses vor uns. In unserem Haus hatten wir sechs große Räume, Küche und Bad. Für hiesige Verhältnisse sehr komfortabel. Die Arbeit war zu ertragen, und war ein Transport abgefertigt, ritt ich nach Bagdad, nötige Einkäufe zu machen und Löhnung für die Arbeiter zu holen. Eier und Hühner kauften wir bei unseren Arabern, und traf mal ein größerer Transport ein, schlachteten wir ein Kalb. |
<WZ 12b> 8. Rückzug | |
| So verging die Zeit sehr schnell, Weihnachten hatte ich in Bagdad im Kreise meiner Kameraden verlebt und die Liebesgaben in Empfang genommen, Neujahr hatten wir auch hinter uns <²OZ facs. 66> und so ging das Leben seinen Lauf weiter Grade hatten wir wieder einen Transport abgefertig, die letzten Sachen waren abgeschickt, ich selbst wollte am nächsten Tag nach Bagdad um die fällige Löhnung und andere Kleinigkeiten zuholen, wurden wir aus Bagdad Telefonisch angerufen, daß wir sofort Redwanie Räumen und den Rückzug antreten sollten. Wir bekamen den Befehl den Euphrath aufwärts bis nach Feludja zugehen und \dort/ einen Geldtransport der auf den Wasserweg unterwegs war abzuwarten. Nun standen wir da, nur unsere zwei Reitpferde, sonst weiter keine Transportmittel, eine Motor-Schachtur die vorgestern hier ankam lag hier aber kein Benzin, aber dafür waren wir um vier Mann Matrosen stärker und die Motorschachtur mußten wir hier zurück laßen. Nun trommelten wir unsere Araber zusammen, die auch mit allen ihr zur Verfügung stehenden Eseln anrückten und unser Hab und Gut aufluden, um <²OZ facs. 67> uns bis Feludja zubringen. Nun mußten wir wieder unsere schöne neue Etappe instich laßen, wo wir so gut Eingerichtet waren und so gut gelebt hatten. Aber das schlimmste war, daß wir fast ohne Geld waren, die paar Lira die wir hatten reichten nicht aus um unsere Araber zu entlohnen. Nun zog unsere kleine Eselkarawane ab, von unsere lieben Araber groß und klein noch ein weites Stück begleitet und nahmen Abschied von uns. ≡ | So verging die Zeit schnell. Das Weihnachtsfest erlebte ich im Kreise meiner Kameraden in Bagdad und nahm dort auch die Liebesgaben für Redwanje in Empfang. Neujahr war vorüber, und das Leben nahm wieder seinen Lauf. Ein Transport war gerade abgefertigt worden, und ich wollte am nächsten Tag die fällige Löhnung holen, als abends der Anruf aus Bagdad kam, Redwanje sofort zu räumen und den Rückzug anzutreten. Wir fielen aus allen Wolken. Gerade war noch eine Motor-Schachtur (Motorboot) mit vier Mann Besatzung angekommen. Wir bekamen den Befehl, den Euphrat flussaufwärts bis Feludja zu gehen und dort noch einen Geldtransport abzufangen. Nun standen wir da. Nur zwei Pferde und keine Transportmittel, dafür aber vier Matrosen mit einer Motor-Schachtur ohne Benzin. Die Motor-Schachtur mussten wir in Redwanje zurücklassen. Wir trommelten nun unsere Araber zusammen, die auch dann mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Eseln anrückten, unser Hab und Gut aufluden und uns in zwei Tagen nach Feludja brachten. Jetzt sollten wir bezahlen und waren wegen des überstürzten Abmarsches fast ohne Geld. Wir einigten uns mit dem Scheich, dass seine Truppe zurückkehrt und er mit seinem Sohn uns bis Feludja begleitet, um dort seinen Lohn zu empfangen. Denn dort sollten wir ja einen Geldtransport übernehmen. |
| Nach zwei Tage erreichten wir nun Feludja und hier mußten wir wieder zwei Tage auf den Geldtransport warten ehe er eintraf. Von hier schickten wir unsere Araber zurück, nur der Scheich mit seinen Sohn blieben noch bei uns um auf der nächsten Etappe die ihn versprochene Bezahlung zuerhalten. Als nun der Geldtransport in Feludja eingetroffen war, wir aber doch für den Transport keine Transportmittel besaßen, waren wir grade dabei, die Schachturen (Kähne) durch noch neue ange- <²OZ facs. 68> worbenen Araber die Kähne Flußaufwärts ziehen zulaßen, kam eine dem Transport nachgesandte Kamelkarawane an. Nun wurden die Kähne entladen und die Kisten auf die Kamele geladen, daß Geld war untergebracht, aber für unser Hab und Gut war wiederum keine Transportmöglichkeiten übriggeblieben, dazu war aber unsere Manschaftstärke um 6 Mann gestiegen. Wir konnten aber nicht unseren Manschaften Matrosen zumuten die ganze Strecke bis Romadi zufuß zugehen, so mieteten wir in Feludja zwei Wagen und drei Reitpferde und somit rückte nun alles hoch zu Roß in Richtung Romadi ab, sogar unsere Matrosen waren nun beritten. ≡ | In Feludja mussten wir wieder zwei Tage warten, bis der angekündigte Geldtransport endlich kam. Die Esel waren jetzt weg, die Schachtur, mit der der Geldtransport gekommen war, hatte keinen Motor und war nur für die Fahrt flussabwärts geeignet. Wieder standen wir ohne Transportmittel da, um den Geldtransport zurückzubefördern. Schon waren wir dabei, die Geldkisten wieder auf die Schachtur zu laden, um sie von anderen Arabern flussaufwärts ziehen zu lassen, als eine uns nachgesandte Kamelkarawane eintraf. Die Schachtur wurde wieder entladen und die Geldkästen jetzt den Kamelen aufgebürdet. Es waren aber nur Kamele für das Geld da. Für unsere eigenen Sachen gab es keinen Platz mehr. Auch konnten wir den Matrosen nicht zumuten, bis Romadi, unserem nächsten Ziel, zu Fuß zu gehen. Wir mieteten also drei Reitpferde und zwei Gespanne, um alle und alles wegschaffen zu können. Sogar die Matrosen waren jetzt beritten. |
| In Romadi konnten wir nun unsere in Feludja gemieteten Wagen und Pferde zurück schicken, auf der Türkische Etappe in Romadi bekamen wir auch die für unseren Transport benötigte Transportmittel. Aber unsere beiden treuen Begleiter Araber aus Redwanie, wurden immer weiter Veströßtet, bis nach Hit <²OZ facs. 69> mit zukommen wo eine deutsche Etappe sei und sie dort ihren Lohn bekommen sollten. Nun wurde ihr die Sache wohl doch zuriskant und wurden Mißtrauisch, trotsdem sie für uns unterwegs noch sorgten und uns große Dienste leisteten, war der Leutnant jetz ziemlich Grob zu ihr und drohte ihr mit Schläge. Nun nahmen sie die ersten gelegenheit wahr, die ihr geboten wurde, um auf nimmer Wiedersehen zu verschwinden, unsere nächste Etappe war erreicht, die Zellte waren Aufgeschlagen, die Pferde besorgt und Abendbrodt gesessen. Die Posten waren aufgestellt und wir begaben uns zur Ruhe, diese gelegenheit nahmen nun unsere beiden Freunde wahr, stahlen dem Leutnant und seinen Diener die Karabiener und verschwanden ungesehen auf nimmer Wiedersehen und waren für ihre Mühe nun Entschädigt, denn diese beiden Karabiner hatten für ihr einen bedeutend höheren Wert, als die für ihr geleistete auf Opferung. ≡ | Wir erreichten Romadi, eine türkische Etappe, am nächsten Tag und konnten die in Feludja gemieteten Pferde und Wagen zurückschicken. Nachdem in Redwanje vier Matrosen zu uns gestoßen waren, kamen noch ein Offizier und drei Mann in Feludja hinzu. Unsere Mannschaftsstärke bestand von <WZ 13a> nun an aus zwei Offizieren und acht Mann. Dazu kamen noch die beiden Araber aus Redwanje, die ihr Geld für den Eseltransport noch immer nicht hatten. Zwar bekamen wir hier Pferde und Tragtiere für den Weitertransport, aber unseren Scheich mit seinem Sohn konnten wir trotz des vielen Geldes in den Geldkisten nicht entlohnen. Die kamen also auch mit nach Hit, wo eine deutsche Etappe sei, und wo sie bestimmt zu ihrem Geld kämen. Langsam kam ihnen das komisch vor, und sie wurden misstrauisch. Bisher hatten sie uns gute Dienste geleistet und hatten sogar für uns gesorgt, obwohl unser Leutnant sie recht grob behandelte und ihnen sogar Schläge androhte. Als in der nächsten Nacht alle bis auf den Wachposten schliefen, stahlen sie dem Leutnant und seinem Diener die Karabiner und waren auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Offenbar hatten die beiden Karabiner für sie einen größeren Wert als die aufgewandte Mühe und Arbeit. |
| Nun gingen wir <²OZ facs. 70> wieder die alte Straße am Euphrath nach Aleppo zu, Hit war erreicht und wir gingen über Ana bis Der-es-sor zurück, hier war eine Deutsche Etappe, wo wir den Transport abgaben und uns nach den letzten Anstrengenden Tagen Erholen konnten, ≡ | Unser weiterer Weg führte uns Euphrat aufwärts auf der alten Straße nach Aleppo, die ich schon kannte. Sie führte über Hit und Ana nach Deressor, wo wieder eine deutsche Etappe war, der wir den Transport übergaben. Hier konnten wir uns endlich nach den anstrengenden und aufregenden Tagen endlich erholen. Auf dem hiesigen Friedhof lag auch ein deutscher Kamerad, der Sohn des Hoffotografen aus Metz, begraben. Er war mit uns als Fotograf zum Stabe von der Goltz kommandiert worden. In Tarsus hatten wir noch gemeinsam Kaisers Geburtstag gefeiert. Man erzählte, dass er auf dem Transport zu Wasser auf seiner Schachtur zum Schutze gegen Sonne und Hitze ein Zelt aufgeschlagen hatte, und als ein Sturm aufkam und die Schachtur kenterte, wollte er noch aus seinem Zelt die kostbare Fotoausrüstung retten und ging dann mit der Schachtur unter. |
| hier verließen uns auch die uns seid Redwanje begleiteten Matrosen, um den Fluß weiter Aufwärts nach Cherablus zuziehen. Hier wurde nun wieder eine Karawane bestehend aus 96 \Kamelen/ zusammen gestellt und von einen Leutnant und fünf mann begleitet wurden, so zogen wir gut Ausgerüstet nach Mossul ab, daß | Die Etappe in Deressor stellte eine große Kamelkarawane mit 96 Tieren zusammen. Die vier Matrosen verließen uns hier, um zu ihrer Einheit flussaufwärts in Scharablus zu gelangen. Unser Leutnant und fünf Mann, darunter ich, wurden als Begleiter des Transports eingeteilt. Unser Ziel war Mossul, das wieder am Tigris liegt. Auf dem Ritt durch die Wüste konnten wir uns nur mit Kompass orientieren. Kein Baum oder Strauch war zu sehen. In der ersten Nacht übernachteten wir in der Wüste, eine Wasserstelle hatten wir nicht gefunden. Die armen Pferde, zwar an das Klima gewöhnt, dursteten, mussten aber zwei Tage ohne Wasser auskommen. Den Kamelen tat das nichts, sie konnten drei bis vier Tage ohne Wasser leben. Am zweiten Tag erreichten wir den Chabur, einen Nebenfluss des Euphrat, und hier machten wir einen ganzen Tag lang Rast. Das war bitter nötig. Als wir einen Tag später aufbrechen wollten, kamen die Kameltreiber aufgeregt angelaufen und schrieen, dass ein Kamel weggelaufen sei. Jetzt <WZ 13b> mussten wir das Kamel wiederfinden. Dadurch verloren wir nochmal einen Tag. |
| Am dritten Tage gings endlich weiter, ohne Weg und Steg nur nach Kompas immer in Nord-Östlicher Richtung, bei mir machte sich diesen Tag wieder ein starker Malaria Anfall bemerkbar und hatte den ganzen Tag schwer darunter zuleiden, aber es war der letzte Anfall den ich im Orient hatte. Gegen Abend erreichten wir eine Wasserstelle, die aber so schmutzig war und fast ungenißbar, daß wir es nur abgekocht verwerten konnten, diese Wasserstelle war nur ein tief gegrabenes Loch und das Wasser grün von Schlamm bedeckt, daß man normalerweise nicht zum Waschen benutzen würde. Aber auch mehreremal trafen wir Wasserstellen an, wo das Wasser Kryßtalklar aus der Erde kam, aber fast ungenießbar war, es schmeckte so stark nach Petroleum und Salpeter, daß der gekochte Reis und Tee nur stark gesüßt genießbar war. ≡ | Von nun an blieben wir an jeder Wasserstelle einen Tag. Die Kamele wurden von ihrer Last befreit und konnten von dem frischen Gras fressen, denn im März und April ist die Wüste eine saftige Wiese. Am besten schmeckten den Kamelen die scharfen Disteln. Weiter ging es in nordöstlicher Richtung, durch die Gegend, wo die Armenier in die Wüste getrieben worden waren und den Tod fanden. Am dritten Tag hatte ich einen Malariaanfall, der so stark war, dass ich mich kaum auf dem Pferd halten konnte. Es war der letzte im Orient. Am Abend trafen wir auf eine Art Wasserstelle, deren Wasser aber so schmutzig war, dass das Wasser nicht einmal zum Waschen geeignet schien. Wir kochten es ab, aber der Tee und der Reis mit dem Wasser waren ungenießbar. Oft waren die Wasserstellen nur tief gegrabene Löcher, die von grünem Schlamm bedeckt waren, dass es einen ekelte. Dann wieder fanden wir kristallklares Wasser, das aber nach Petroleum oder Salpeter roch, und wir unseren damit gebrühten Tee erst trinken konnten, nachdem wir ihn stark gesüßt hatten. |
| Wir befanden uns <²OZ facs. 72> nun schon bereits acht Tage in der Wüste, und eines Tages unserer Reise, sahen wir plötzlich vor uns alles schwarz von Zelten, Kamelen und anderen Tieren, es war der große Chamarstamm, der hier auf seinen Wanderungen war und von einer Wasserstelle zur anderen zog. Am neunten Tage unser Reise bekamen wir in Nördlicher Richtung am Horizont die Schneebedeckten Gipfel des Sindjargebirges in sicht, auch hier trafen wir häufig auf Beduinen, die aber Friedlich waren, sich mit unseren Kameltreiber unterhielten und ihren Tee tranken. Sie waren sehr neugirig, betrachteten uns von allen Seiten, frugen woher wir kamen und wohin wir wollten, ließen uns aber unbehellig, hatten vielleicht in ihren \Leben/ noch keinen Europäer gesehen, trotsdem waren wir auf einen Überfall gefaßt, ließen die größte Vorsicht walten, aber es verlief alles ruhig und in der Nacht schliefen wir ruhig. ≡ | Acht Tage lang ritten wir so durch die Wüste, ohne eine Menschenseele zu sehen. Dann plötzlich war alles schwarz von Zelten, Kamele und andere Tiere grasten um die Zelte herum. Es war der Chamar-Stamm, der hier auf seiner Wanderung von Wasserstelle zu Wasserstelle zog. Die Beduinen waren friedlich, fragten uns, woher wir kämen und wohin wir wollten. Eine Nacht blieben wir dort und zogen am nächsten Morgen weiter. In nordöstlicher Richtung sahen wir am Horizont die schneebedeckten Gipfel des Sinajar-Gebirges. Wir trafen jetzt öfter auf Beduinen, die sich mit unseren Kameltreibern unterhielten und mit ihnen Tee tranken. Sie waren neugierig, denn offenbar waren wir die ersten Europäer, die sie in ihrem Leben je zu Gesicht bekommen hatten. Sie waren friedlich, trotzdem waren wir vorsichtig und stellten Posten auf, um nicht überfallen zu werden. |
| Am zehnten Tag erreichten wir wieder die erste Stadt, seid Der-es-sor. sie hieß Tel-Ha-Fa und <²OZ facs. 73> wir hatten die Wüste nun wieder hinter uns. Nun wurde wieder ein Ruhetag eingelegt und wir waren Gäste des Scheichs, wurden vom ihm Eingeladen und auf arabische Art und Sitte mit Reis und Hammelfleisch bewirtet, hier mußten wir wiedermal zeigen, was wir bisher von Arabischen Sitten und Gebräuche gelernt hatten. Alles saß an der Erde im Kreise, die Füß untern Hintern, in der Mitte die groß Kupferschüssel mit Reis und Hammelfleisch gestellt, Gabel und Löffel kannten sie hier noch nicht, also wurde mit den Händen zugegriffen und wir ließen es uns gut schmecken. Doch überall hatten unsere Gastgeber nur den einen Wunsch, einen deutschen Karabiner als Geschenk zuerhalten, dem wir ihnen aber nicht erfüllen konnten. ≡ | Zehn Tage waren wir nun schon in der Wüste, als wir endlich wieder in eine Stadt kamen: Telhafa. Einen Tag wollten wir uns hier ausruhen. Wir waren Gäste des Scheichs, der uns auf echt arabische Art mit Reis und Hammelfleisch bewirtete. Hier mussten wir zeigen, was wir in einem Jahr Arabien an Gebräuchen, Sitte und Sprache gelernt hatten. Alles saß auf der Erde im Kreis herum, in der Mitte die große Kupferschüssel mit dem Reis und Hammelfleisch. Gabel und Löffel kannten sie nicht. Mit den Händen fassten wir wie die Araber zu und ließen es uns gut schmecken. Der größte Wunsch unserer Gastgeber war, einen deutschen Karabiner zu bekommen, den wir ihnen leider nicht erfüllen konnten. Es soll allerdings vorgekommen sein, dass deutsche Soldaten schwach geworden sind und ihr Gewehr für teures <WZ 14a> Geld verkauft haben. Es wurde dann auch teuer für sie, denn sie wurden schwer bestraft, wenn es rauskam. |
| Am zwölften Tag unserer Wüstenreise erreichten wir unser Ziel Mossul, Mossul am Tiegris gelegen, von uns die Stadt des Todes genannt, rings herum von Friedhöfen umgeben, Südlich und Westlich die Wüste, und im Norden <²OZ facs. 74> Kaukasusgebirge, mit seinen Schneebedeckten Gipfel. Hier wurde uns wieder der Aufenthalt zur Hölle, am Tage 70-80 Grad in der Sonne und drüber, es war unmöglich Eisenteile oder Steine die in der Sonne lagen anzufaßen, aber auch Ruhe am Tage war nicht zufinden. Wenn wir gegen Abend zum Baden zum Tigris gingen, war es uns fast unmöglich ins Wasser zugehen, so heiß war der Sand und die Steine zum Strand, aber auch im Wasser fand mann keine Abkühlung, trotsdem der Tigris hier eine ziemliche Strömung hat, ist das Wasser warm. Hier mußten wir wieder einen alten Kameraden, einen Württenbergischen Dragoner, der dem Klima nicht gewachsen war, im Garten des deutschen Konsuls zur ewigen Ruhe Betten. ≡ | Am 12. Tag erreichten wir endlich Mossul. Mossul liegt am Ufer des Tigris. Wir nannten es die Stadt des Todes, weil sie ringsherum von Friedhöfen umgeben war, südlich und westlich Wüste, und im Norden der Kaukasus mit seinen schneebedeckten Gipfeln. Und heiß wurde es wieder, 70 bis 80 Grad in der Sonne. Der Aufenthalt wurde bei dieser Hitze zur Hölle. Es war unmöglich, Steine oder Eisenteile, die in der Sonne lagen, anzufassen oder nur zu berühren. Abends wollten wir im Tigris baden, um uns etwas abzukühlen, aber auch das ging nicht, denn der Sand und die Steine am Strand waren zu heiß. Und obwohl der Tigris eine starke Strömung hatte, war auch sein Wasser heiß. – Einen guten Kameraden, einen württembergischen Dragoner, einen Schwaben, mussten wir hier begraben. Er hatte das Klima nicht vertragen. Im Garten des deutschen Konsulats fand er neben einem hier abgestürzten deutschen Fliegerhauptmann seine letzte Ruhe. |
| Auf der Östlichen Seite des Tigris liegt die Ruine Nineve, schon aus der Biebel her bekannt, auf einen Hügel die Moschee, in der der Sarg des Propheten Jonas mit seinen Gebeinen beigesetzt ist, nach Ablegung unseres <²OZ facs. 75> Schuhzeugs konnten wir die Moschee betreten und den in einer Nische stehenden Sarg besichtigen. Hier erlebte ich auch eine Mondfinsternis, beim verfinstern des Mondes, fingen die Eingeborenen an wie toll zu schießen, in den Aberglauben den bösen Geist der den Mond verfinstere zu vertreiben. ≡ | Auf der östlichen Seite des Tigris liegt die Ruinenstadt Ninive, die schon in der Bibel erwähnt wird. Auf einem Hügel sieht man die Moschee, in der der Sarg mit den Gebeinen des Propheten Jonas beigesetzt ist. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, durften wir die Moschee besichtigen und uns den Sarkophag näher betrachten. An einem Abend erlebten wir eine totale Mondfinsternis, und die Araber begannen, als der Mond sich verfinsterte, wie toll zu schießen, um die vermeintlichen bösen Geister zu vertreiben. |
9. Neuer Beruf: Karawanenführer | |
| Hier begleitete ich fast auschließlich nur Karawanen, was Intressant und sehr Abwechselungsreich war, mit vier bis fünf Mann Begleitung, je nach Lage und Sicherheit, traten wir unseren Transport an, der in der Regel immer zwölf bis vierzehn Tage dauerte. Aber auch ganz allein, begleitet nur von meinen treuen Bursche einen Türkischen Soldaten, der mir auf allen meinen Transporten begleitete, für mein Pferd und für das leibliche Wohl | Meine neue Tätigkeit war es, von Mossul aus Karawanen zu begleiten. Das war sehr interessant und abwechslungsreich. Mit 4-5 Mann Begleitung, je nach Lage und Sicherheit, traten wir unsere Reisen an, die in der Regel 12 bis 14 Tage dauerten. Manchmal begleitete ich eine Karawane auch nur mit meinem treuen Burschen, einem türkischen Soldaten. Bei einem dieser Transporte mussten wir nach Kerkuk in Persien, und unser Weg führte uns durch das Kurdengebiet, vor dem wir gewarnt wurden, weil die Kurden als räuberisch galten. Kaum hatten wir einen Ort erreicht, waren wir auch schon von Männern und Kindern umringt. Wie immer interessierten sie sich für unsere Karabiner, denn sie kannten ja nur ihre Vorderlader. Um ihre Neugier zu befriedigen, schossen <WZ 14b> wir ein paarmal in die Luft, und dann konnten sie sehen, wie wieder geladen wird. “Katsch grusch, was kostet das?”, fragten sie immer wieder. |
| Mein Bursche ging im Ort und kaufte ein, was wir | Unsere Vorräte für die Reise hatten wir aus Mossul mitgenommen, vor allem Reis, und Gerste für mein Pferd und das Maultier. Was Frisches wie Hühner und Eier besorgte mein Bursche unterwegs. – Aber auf unsere Kameltreiber mussten wir schon aufpassen. Sie bestahlen uns wo sie konnten. Hatten wir ihnen den Rücken zugekehrt, schnitten sie die Tragbeutel der Kamele auf, hielten einen Sack darunter und nähten schnell den Schlitz mit Nadel und Faden so geschickt wieder zu, dass wir es anfangs nicht merkten. Nachdem wir dahintergekommen waren, versuchten sie es auf andere Weise. Eines Abends machten wir Rast an einer Wasserstelle, um zu übernachten. Ich lag schon auf meinem Feldbett und mein Pferd fraß aus seinem umgehängten Fressbeutel, als schon einer der Treiber den Fressbeutel stehlen wollte. Ich sprang auf, konnte ihn festhalten und ihn mit ein paar Schlägen mit der Reitpeitsche vertreiben. Die anderen Treiber hatten das gesehen, umringten mich und nahmen eine unangenehm drohende Haltung ein. Glücklicherweise war gleich mein Bursche da und verjagte mit angelegtem Gewehr die murrenden Treiber. Das war schon eine ernste Situation, denn bis Kerkuk mussten wir ja mit den Kerlen auskommen. In Kerkuk angekommen verlangten sie von der dortigen Etappe einen Vorschuss, der ihnen aber abgeschlagen wurde. Jetzt kamen sie zu mir und baten mich darum. Ich wollte wieder Frieden mit ihnen und gab ihnen 1 Lera (20 Mark). Damit war der Riss wieder gekittet, und wir waren wieder Freunde. |
| Am nächsten Morgen hatte ich das Glück zwei Wildgänse die niedrig über uns rüberflogen und sich auf etwa fünfzig Meter von mir niederließen zu erlegen. Ich vom Pferde herunter mein Karabiner legte an Zielte und Schuß, schon drehte sich eine im Kreise und blieb liegen, die andere flog auf, ging aber nach etwa hundert Meter wieder runter. Ich pürschte mich nun wieder etwas näher heran, mein treues Pferd folgte auf Schritt und Tritt legte ich an, Zielte und Schuß und auch die zweite war erlegt, daß war eine Freude die eine bekamen meine Kameltreiber und die andere war für mich und meinen Burschen, die uns sehr gut schmeckte, aber auch die Kameltreiber haben es mir sehr gedankt und nie vergessen. ≡ | Auf der Rückreise kamen zwei Wildgänse niedrig über uns hinweg geflogen und setzten sich 50 Meter entfernt nieder. Ich sprang schnell vom Pferd, legte an, zielte und schoss. Eine der beiden Wildgänse drehte sich herum und blieb dann liegen. Die andere flog aufgeschreckt weiter, aber nur 100 m weit. Ich pirschte mich näher heran, mein Pferd folgte mir langsam. Mit dem zweiten Schuss erlegte ich die andere Wildgans. Die eine Gans bekamen die Kameltreiber, die ganz begeistert waren, und die andere briet mein Bursche, und ich hatte nicht geglaubt, dass Wildgänse so gut schmecken. |
| Kam ich wieder von einen Transport zurück so hatte ich einige Tage frei, dann wurde die Post erledigt und sonst noch die nötigste Einhäufe gemacht, aber auch manches Andenken das schon früher ge- <²OZ facs. 79> kauft wurde und als unnötiger Ballast mit geschleppt wurde wieder verkauft. So legte ich mich auch in Mossul eine Schrotflinte zu, die ich auch auf meinen Transporten ganz gut gebrauchen konnte, es gab in der Wüste viel Steppenhühner, so groß wie unsere Rebhühner und habe ofters mit einen Schuß bis zu acht Stück erlegt. ≡ | Kam ich von einem Transport zurück, hatte ich einige Tage frei und konnte Post erledigen und einige nötige Einkäufe machen. Wichtig war, nachdem ich auf der Jagd einigermaßen erfolgreich war, mir eine Schrotflinte zuzulegen. Es gab in der Wüste viele Steppenhühner, die etwas größer als unsere Rebhühner sind. Mit einem Schrotschuss gelang es mir, bis zu fünf [sic!] Steppenhühner zu erlegen. |
| Ging nun wieder ein Transport in einer Gegend die unsicher war, gingen vier bis fünf Deutsche als Sicherung mit, nun führte ich wieder eine große Karawane von dreiundneunzig Kamelen um Gerste zuholen nach Sindjar, Sindjar liegt im Sindjargebirge, die Gegend dort wurde als unsicher bezeichnet, die Sindjarnesen leben im Sindjargebirge und sind Heiden (Feueranbeter) sie sind im Gegenteil zu den Arabern Blond und leben dauernd mit den Arabern und Beduinen im Krieg. Wir zogen nun mit unserer Karawane los, begleites mit fünf Deutsche Soldaten und mein Türkischer Bursche, der auch mit einen <²OZ facs. 80> deutschen Karabiner bewaffnet war und gleichzeilig den Dolmetscher machte Am ersten Nachmittag machten wir in einen am Tigris gelegenen Orte halt, wurden von einen alten Araber empfangen und begrüßt, der es sich dann auch nicht nehmen ließ, uns einen schönen Raum einzuräumen und auch selbst für unser Wohl zusorgen, was wir ihn auch mit einen gute Backschisch (Trinkgeld) lohnten. Am nächsten Tage ≡ | Eine interessante Reise ging ins Sindjar-Gebirge. Ich hatte den Auftrag, mit fünf Begleitern und meinem Burschen eine Karawane mit 93 Kamelen nach Sindjar zu führen, um Gerste zu holen. Die <WZ 15a> Sindjarnesen sind Feueranbeter. Sie sind, anders als die Araber, blond. Mit den benachbarten Beduinen leben sie ständig im Krieg. Am ersten Nachmittag machten wir an einem am Tigris gelegenen Ort halt, wo uns schon am Ortsrand ein alter Araber empfing und begrüßte. Wir sollten doch seine Gäste sein, und er räumte für uns in seinem Haus einen schönen Raum frei und bewirtete uns aufs Beste. Für einen Bakschisch war er am nächsten Morgen doch sehr dankbar. |
| zogen wir wieder weiter, durch verfallene Dörfer (Ruinen), überwuchert mit Unkraut und Sträucher, worin die Füchse und Hasen hausten, schon hatten wir einen Hasen entdeckt, und sofort gingen wir auf die Jagd, wo dann auch ein Fuchs von mir und von einen Kameraden ein Hase erlegt wurde. Am dritten Tag kamen wir wieder in die Wüste und waren somit ins Außlandsgebiet, wo erst vor kurzen eine ganze Türkische Gendarmenpatroulle nieder gemetzelt wurde. Nichtsahnend schlugen wir an einer Wasserstelle unsere Zelte auf und Übernachteten im Freien, blieben aber die Nacht un- <²OZ facs. 81> behellig und brachen am vierten Tage früh auf um die nächste Etappe eine Türkische Gendarmeriestation zuerreichen, Unterwegs trafen wir weder Araber noch Sindjarnesen | Weiter zogen wir durch verfallene Dörfer und Ruinen, überwuchert von Unkraut und Sträuchern, worin Füchse und Hasen hausten. Schon wurde eine kleine Treibjagd auf die Hasen veranstaltet, und kaum hatten wir einen entdeckt, war er auch schon zur Strecke gebracht. Ich traf dann noch einen Reseni (Fuchs), andere suchten das Weite in der Wüste. Die hiesigen Hasen sind etwas kleiner als unsere Hasen. Von jetzt an mussten wir vorsichtiger sein. Wir kamen jetzt in das Aufstandsgebiet, in dem erst vor kurzem eine türkische Gendarmen-Patrouille niedergemetzelt wurde. Das wussten wir allerdings nicht, und schlugen an einer Wasserstelle unsere Zelte zum Übernachten im Freien auf. Die Nacht verlief ruhig, und wir blieben unbehelligt. Morgens brachen wir früh auf, um eine türkische Gendarmerie als nächste Etappe rechtzeitig zu erreichen. Unterwegs trafen wir weder auf Araber noch Singjarnesen. Gegen Sonnenuntergang waren wir an unserem Ziel, die Gendarmeriestation. Hier übernachteten wir in Sicherheit, aber zum Glück war uns bisher ja nichts passiert. Tags drauf begannen wir den Aufstieg ins Gebirge. Sindjar liegt auf halber Höhe, und die Häuser der Stadt sind wie Schwalbennester an die Hänge geklebt. Wir gönnten uns einen Tag Ruhe und luden erst einen Tag später unsere Gerste auf. Am dritten Tag zogen wir dann vollbeladen Richtung Mossul, wieder bis zur türkischen Gendarmeriestation, wo wir übernachteten. Noch im Dunkeln brachen wir am nächsten Morgen früh auf, um das unsichere Gebiet bis zum Abend zu durchqueren. Der türkische Kommandant gab uns noch drei Gendarmen mit, die uns bis Telhalief begleiten sollten. |
| Gemütlich zog nun unsere Karawane im Morgengrauen dahin, wir rechts und links aus einander geschwärmt um <²OZ facs. 82> zu Jagen, den hier am Gebirgsrand gab es viel Gazellen und Hasen, hatten auch das Glück noch vor Sonnenaufgang eine Gazelle zuschießen. Die Sonne war grade aufgegangen, als die drei Türkische Gendarmen angeritten kamen, und aufgeregt riefen, Barschausch Arab Arab (Feldwebel Araber Araber) ausrückten und auf nimmer Wiedersehen verschwanden. In der Ferne sahen wir mehrere Reiter uns entgegen kommen, den Karabiner Schußbereit entsichert, ritten wir ihnen entgegen, wir begrüßten uns mit den übliches Arabischen Gruß Maraba Maraba, \sie/ zogen aber weiter und unterhilten sich mit unsern Kameltreiber, frugen was wir geladen haben und unser Reiseziel und ritten ruhig weiter. Aber schon sahen wir vor uns auf einen Hügel, alles schwarz von Menschen, als wir am Fuße des Hügels angelangt waren, setzten sie sich in Bewegung den Dolch in der Hand, im Trab kamen sie uns mit ihren Kriegsruf Hul-la-la <²OZ facs. 83> Hul-la-la entgegen, Etwas anders war uns doch zumute, aber schießen durften wir nicht, denn was waren unsere sechs Karabiner gegen etwa hundert Gewehre wenn auch nur Vorderlader. Wir auf unseren Pferden hätten uns ja schließlich in die Wüste retten können, aber die Karawane wäre verloren, schon war die Spitze angelangt, begrüßten uns durch den üblichen Arabischen Arabergruß, sie beachteten uns wenig und ritten ruhig vorbei, am Schluß der Karanane ritt unser Dolmetscher der auch einen deutschen 88 Karabiner hatte, schnell nahmen sie ihn den Karabiner ab und Ritten davon. Nun kam er an Galoppiert und Jammerte, ihm hätten sie den Karabiner weggenommen, wir nun kehrt den Karabiner entsichert und im Galopp hinterher, als die drei nun sahen, daß wir hinterher kamen, warfen sie nun den Karabiner weg und suchten das Weite. ≡ | Gemütlich zog unsere Karawane im Morgengrauen dahin. Die Begleiter waren links und rechts ausgeschwärmt, um nach jagdbarem Wild Ausschau zu halten, denn hier am Gebirgsrand gab es viele Hasen und Gazellen. Und noch vor Sonnenaufgang konnten wir eine Gazelle erlegen. Kurz darauf kam einer der türkischen Gendarmen angeritten und rief aufgeregt: “Barschausch, Arab, Arab!” (Feldwebel, Araber), machte mit seinem Pferd kehrt und flüchtete auf nimmer Wiedersehen. In der Ferne sah ich auf einem Hügel mehrere Reiter auf uns zukommen. Meinen Karabiner hatte ich schon entsichert und war schussbereit. Die Reiter grüßten auf arabisch “Maraba, maraba!”, ritten weiter und kümmerten sich nicht um uns, sondern sprachen mit <WZ 15b> einem unserer Kameltreiber. Inzwischen wimmelte es auf dem Hügel von Menschen, die sich in Bewegung setzten und mit Dolchen in den Händen und mit Kriegsgeschrei “Hullala, Hulala” auf uns zu stürmten. Wir waren jetzt ratlos, denn schießen durften wir nicht. Und was hätten wir mit unseren sechs Karabinern gegen 100 Araber tun können, auch wenn sie nur Dolche und Vorderlader hatten. Mit unseren Pferden könnten wir uns vielleicht in die Wüste retten, aber die Karawane wäre dann verloren. Wenigstens nahmen wir eine drohende Haltung ein. Schon war die Spitze heran. Sie grüßten arabisch, beachteten uns kaum und zogen ruhig vorbei. Bei unseren Kameltreibern fragten sie nach unserem Woher und Wohin. Zum Schluss kam noch ein Reiter, der flott an uns vorbeiritt. Plötzlich wollte er meinem Burschen, der am Ende der Karawane ritt, seinen 88-Karabiner entreißen. Im gestreckten Galopp jagten wir zurück, der Araber sah unsere angelegten Gewehre und verschwand so schnell er konnte. |
| Am diesen Tag nun hatten auch unsere Kameltreiber mit der Angst zutun <²OZ facs. 84> gekriegt, übernachteten nun nicht an der Wasserstelle, zogen vorbei bis zum nächsten Ort, den wir noch vor Sonnenuntergang erreichten. Kaum waren wir im Ort angekommen, waren auch schon sämtliche Männer um uns versammelt, sie waren sehr Neugierig, Betrachteten uns von allen Seiten, bestaunten und befühlten unsere Ausrüstungsstücke, der Karabiner war ihr besonderes Intresse, aber sie waren sehr freundlich, immer wieder mußte man hören Katsch-Grusch (was kostet er). Wir bekamen von ihr alles was wir von ihr haben wollten zukaufen und bezahlten es ihr gut. In Tel-ha-fa wieder angekommen, wurden wir von unseren alten Freund den Hanschi (Herbergswirt) empfangen, bei dem ich nun schon mehreremal Übernachtet hatte, er ließ es sich auch niemals nehmen, für unser Wohl und Behaglichkeit selbst zusorgen und uns unsere Speisen selbst zubereiten. Hier machten wir auch <²OZ facs. 85> wieder einen Tag Rast, um am nächsten Tage die ziemlich weite Strecke bis zum Tigris zurück zulegen, kamen wir auch wieder an den alten verfallenen Dorf Ruine Steinhaufen vorbei, wo wir auch wieder eine Treibjagd veranstalteten, aber diesmal ohne erfolg, schon als der erste Schuß fiel konnte man ein paar Hasen in der Wüste verschwinden sehen. Der Tigris war nun wieder erreicht, und wir konnten uns der Wohlverdienten Ruhe hingeben, ein Kamerad der noch zum Tigris ging, hatte das Glück ein paar sehr schöne Fische zuschießen, sodaß für unser Abendbrodt gesorgt war. Am nächsten Tag erreichen wir wieder Mossul, konnten uns nun wieder etliche Tage ausruhen, unsere Post erledigen und alles was wieder verbraucht war zuergänzen. ≡ | Da hatten es auch unsere Kameltreiber mit der Angst bekommen. Wir vermieden es an der nächsten Wasserstelle zu übernachten und zogen weiter bis zum nächsten Ort, den wir glücklicherweise noch vor Sonnenuntergang erreichten. Nach dem Schrecken und auch der Anstrengung wäre ein Ruhetag bitter nötig gewesen. Im Dorf wurden wir wieder wie fast immer von den Männern des Ortes, die unsere Ausrüstung und unsere Waffen bestaunten, umringt. Und dann fing wieder das Feilschen um unsere Karabiner an, natürlich ohne Erfolg. In Tehofa begrüßte uns am nächsten Tag der Hanschi (Herbergswirt) überaus herzlich, denn ich übernachtete bei ihm schon zum vierten Mal. Niemals ließ er es sich nehmen, selbst für unser leibliches Wohl zu sorgen. Dann ging er in die Küche und bereitete die Speisen für uns zu. So erholt wollten wir die lange Strecke nach Mossul an einem Tage schaffen. |
| In den zwei Jahren hatte man sich auch schon etwas an das Klima gewöhnt, wir Marschirten nun fast immer am Tage, est [sic!] wurde schon sehr früh, vor Sonnen- <²OZ facs. 86> aufgang aufgebrochen, dann wurde bis zehn halbelf Marschirt und dann das Zelt aufgeschlagen, die Seitenwände wurden hochgeschlagen, sodaß die Luft durchzog, was dazu beitrug, daß es nicht ganz so heiß war. Dann wurde gekocht und gebraten, unsere Feurung bestand aus getrockneten Kameldung, der so gut wie Kohle brante und überall zufinden war. ≡ | Zwei Jahre lebte ich nun schon im Orient. An das Klima hatte ich mich inzwischen etwas gewöhnt, so dass wir jetzt am Tage marschierten, wenn wir auf Transport gingen. Wir brachen noch vor Sonnenaufgang auf, ritten dann bis zehn, halb elf, und schlugen dann unser Zelt auf. Wenn wir die Seitenwände hochklappten, wehte der Wind angenehm durchs Zelt, und das Zeltdach schützte uns vor den Sonnenstrahlen. Unterwegs hatten wir getrockneten Kameldung für das Feuer gesammelt, über dem dann unser Essen zubereitet wurde. Nach ein paar Stunden setzten wir unseren Marsch fort. |
| So ging auch wieder der Sommer zuende, den ich auch gut ohne einen weiteren Malariaanfall überstanden hatte, im September 1917 reiste ich nun mit einer Karawane von zweiundfünfzig Pferde siebenundzwanzig Maultieren und elf Esel nach Aleppo ab. Unsere Zeise (Pferdepfleger) bestanden fast ausschließlich aus fremden Leute, die nur die Reise mit uns antraten um der Heimat näher zukommen und unterwegs heimlich zuverschwinden. Nur ein paar alte Kutscher, die die Reise mit antraten waren zuverläßig, so rückten <²OZ facs. 87> wir ab, die Zeise (Pferdepfleger) alle von der Straße aufgegriffen waren Hungrig und hatten keinen Pfennig Geld, aber wir durften ihr auch nicht ihren Lohn im voraus zahlen wären dann gar nicht erst mitgekommen. Nun bekamen sie jeden Abend ihren Lohn und so behielten wir unsere Leute, aber Unterwegs verschwand doch noch mancher, der nun der Heimat nahe war, so zogen wir nun dahin, im Nordwesten das Sindjargebirge und im Norden der Kaukasus. ≡ | Der Sommer ging zu Ende ohne einen Malariaanfall. Im September 1917 hatte ich den Auftrag, eine Karawane nach Aleppo zu führen. Sie bestand aus 52 Pferden, 27 Maultieren und elf Eseln. Die Zeise (Pferdepfleger), die mit uns reisten, waren fast alle für uns fremde Leute. Wie wir später merkten, reisten die meisten nur mit uns, um ihrer Heimat <WZ 16a> näher zu kommen und sich dann irgendwann heimlich zu entfernen. Von ein paar alten Kutschern, die wir schon lange kannten, wussten wir, dass sie zuverlässig sind. Die Zeise hatten wir hungrig und ohne Geld auf der Straße aufgelesen, und sie verlangten gleich einen Vorschuss, den wir ihnen nicht geben durften und wollten, denn sonst wären sie wahrscheinlich schon in Mossul verschwunden. Wir versprachen ihnen, dass sie jeden Abend ihren Lohn bekämen. Wir zogen los, im Nordwesten das Sindjar-Gebirge, im Norden der Kaukasus. ≡ |
| Die Gegend durch die wir jetzt zogen war wieder besonders Unsicher, vor kurzen erst wurde hier eine Autokolonne überfallen und ausgeplündert, die Beduinen waren hier sogar so frech eine Türkische Batterie anzugreifen, was ihr aber schlecht bekam. War wiedermal ein größerer Überfall, stieg ein Flugzeug auf, Erkundete das Lager des Beduinen und mit mehreren Lastwagen mit Maschinengewehren ausgerüstet, gings in die Wüste ihr einen ordentlichen Denkzettel zu <²OZ facs. 88> geben den sie nie wieder vergaßen. Wir zogen jetzt bei Nacht durch diese Gegend und erreichten am nächsten Tag die deutsche Etappe, wo wir einen Tag Rast machten, am sechsten Tag erreichten wir Nisibin und hatten den Anschluß an di[e] Bagdadbahn erreicht. Hier verluden wir unsere Pferde und Maultiere und fuhren in zwei Transporte nach Aleppo, daß wir dann nach zweitägiger Bahnfahrt erreichten. ≡ | Die Gegend war besonders berüchtigt, denn vor kurzem war hier eine Autokolonne angegriffen worden. Die Beduinen waren hier sogar so frech und trauten sich, eine türkische Militärformation anzugreifen. Es bekam ihnen nicht sehr gut. Von Zeit zu Zeit verschwand dann einer unserer Pferdepfleger. Wir mussten nun mit Überfällen rechnen. Zwar stieg nach jedem Überfall ein Flugzeug zur Beobachtung der Räuber auf, das ihr Lager erkundete, und das dann einige mit Maschinengewehren ausgerüstete Lastwagen als Strafexpedition mit Erfolg in die Wüste schickte. Wir zogen es deshalb vor, nachts zu reiten. Bei der nächsten Etappe, einer deutschen, blieben wir dann tagsüber. Bisher hatte ich immer Glück, meine Transporte sind nie überfallen worden. Eine andere, viel größere Karawane wurde bei Tigkrit angegriffen, und der Vetter unseres Dolmetschers, ebenfalls ein Palästinadeutscher, war gefallen. Ab Nisikin, am Anschluss der Bagdad-Bahn, brauchten wir dann nichts mehr zu fürchten. Denn von hier aus sollte der Transport per Bahn erfolgen. Auf zwei Eisenbahnzüge verteilt kamen wir nach zwei Tagen in Aleppo an. |
| Die Lokomotieven [or: -iwen]* der Bagdadbahn waren nur auf Holzfeuerung eingestellt in Ermanglung an Kohle, so fuhren wir dahin, die Türen weit offen, in der Mitte im Gang unser Feldbett aufgestelt, durch die Holzfeuerung flogen die Funken und mitunter glühende Holzstücke in Faustgröße, so flog ein solches Stück in meinen Wagon aufs Feldbett, die Matratze fing sogleich Feuer und durch den Zug stand sie gleich in hellen Flamen, schnell mein Wasserbeutel in den ich den Tee hatte, aber diese <²OZ facs. 89> kleine Menge reichte nicht aus um das Feuer zu löschen, nun blieb mir weiter nichts weiter übrig als die Matratze zusammen zufaßen und raus \aus/ dem Wagon. Nun war ich meine schöne Matratze los und habe sie nachher schmerzlich vermist. ≡ * Hard to decide whether would should read -iev- or -iw– here. In other places, the word is spelt Lokomotiven, with neither ‑ie‑ nor ‑w‑, which is also modern orthography. | Ganz reibungslos verlief die Fahrt nicht. Die Lokomotiven der Bagdad-Bahn waren auf Holzfeuerung eingestellt, weil Kohle Mangelware und deswegen dringender für den Schiffsverkehr benötigt wurde. Da kam es vor, dass glimmende Holzstücke den Zug entlang flogen. Wir hatten die Schiebetüren der Waggons wegen des angenehmen Luftzugs offengelassen, und da passierte es, dass ein faustgroßes glühendes Holzstück in den Wagen auf mein im Mittelgang stehendes Feldbett flog, und meine schöne Matratze in Brand setzte. Der Windzug entfachte sofort eine große Flamme. Ich versuchte, mit dem Wasser in meinem Wasserbeutel die Flammen zu löschen, aber das war viel zu wenig Wasser. Mir blieb nichts weiter übrig, als schnell die brennende Matratze zu fassen und aus dem Zug zu werfen. Hinterher konnten wir auf den Trittbrettern der Eisenbahnwagen überall die Brandspuren besichtigen, aber was viel schlimmer war, ich war meine schöne Matratze los. |
<WZ 16b> 10. Aleppo | |
| Hier in Aleppo verlebte ich die schönste Zeit, daß Klima war erträglich, man hatte hi[e]r mancherlei Abwechslung, war der deutschen Etappe unterstelt und hatte das Tierdepot unter mir, was aber dem Veterinär unterstelt. Hier hatten wir den Ankauf von Pferde und Maultieren, die von Arabischen Händler geliefert wurden, waren sie Gut und Tauglich wurden sie von uns abgenommen. Von hier gingen sie wie sie gebraucht wurden, zur Front und wurden von deutschen Soldaten abgeholt. ≡ | In Aleppo angekommen übergab ich meinen Transport an die dortige deutsche Etappe und erfuhr, dass ich dem Tierdepot in Aleppo zugeteilt worden war. Ich sollte dort die schönste Zeit während meines Aufenthalts im Orient verleben. Das Klima war mit nur 50 Grad erträglich, und die Stadt bot vielerlei Abwechslung. Das Pferdedepot der deutschen Etappe wurde von einem deutschen Veterinär geleitet. Unsere Aufgabe war der Ankauf von Pferden und Maultieren, die von einem arabischen Ankäufer geliefert wurden. Abgenommen wurden die, die gut und tauglich waren. Die Tiere waren für die Front bestimmt, und wurden bei Bedarf von deutschen Soldaten abgeholt. |
| Hier in Aleppo ließ es sich leben, allerlei Abwechselung, es waren zwei Konzertgärten, in den eine Östreichische Damenkapelle und in den andern eine Arabische Damenkapelle spielte, wo wir auch oft zu Gast waren. Auch auf der deutschen Etappe gabs eine schöne Flasche <²OZ facs. 90> Deutsches Bier, daß allerdings 2.60 Mark kostete, sonst ritten wir viel in der Umgegend Spazieren und genossen die schöne Zeit in vollen Zügen. Wir waren im Tierdepot fünf Deutsche, und hatten unsere eigne Küche und auch unseren eignen Koch, der uns schon auf der Etappe in Redwanje betreut hatte. ≡ | Hier ließ es sich leben. Wir waren im Depot fünf deutsche Kameraden. Jeder hatte sein eigenes Reitpferd, und abends, wenn es angenehm kühl wurde, machten wir unsre Spazierritte, was andere deutsche Kameraden nicht konnten und worum sie uns sehr beneideten. Wir hatten unsere eigene Küche mit einem eigenen Koch. In der Freizeit genossen wir das Stadtleben. Es gab in der Stadt zwei Konzertgärten. In dem einen spielte eine österreichische, in dem anderen eine arabische Damenkapelle. Hier gingen wir oft hin. Doch merkte ich sehr schnell, dass das Leben hier viel teurer war. Wir brauchten hier zwar auf nichts zu verzichten, aber mein während der Transporte durch die Wüste Zusammengespartes wurde langsam weniger. Es gab auf der deutschen Etappe sogar deutsches Bier, allerdings für 2,60 Mark die Flasche. Da reichte selbst unsere Tropenzulage von sechs Mark nicht aus, um es oft zu genießen. |
| Nachdem ich länger dort war, hatte ich inzwischen Leute in anderen Stellen kennengelernt. Ein Feldwebel, der irgendeine Ausgabestelle unter sich hatte, zeigte sich bei Gelegenheit erkenntlich, wenn er mal mit einem unserer Pferde ausreiten durfte. | |
| Wir wurden auch von unserem arabischen Tieraufkäufer eingeladen, bei dem es schon europäischer zuging, denn es wurde schon mit Messer und Gabel gegessen. Und auch der Alkohol fehlte nicht. | |
| Hier hatte ich auch die gelegenheit um auch Damaskus zu sehen, da nun wieder ein Pferde Transport bis vor den Toren von Damaskus angefordert wurde, übernahm ich selbst den Transport nach Rajack wo wieder eine deutsche Etappe und Tierdepot eingerichtet war, die Pferde und Maultiere diereck an die Front abgegeben wurde Die Fahrt war sehr Intressant, dabei kam ich auch durch die alte Biblische Stadt Balbeck wo noch die alten Ruinen und Säulen | Ich wollte mal Damaskus sehen. Als mal ein Pferdetransport zur Etappe Rajack gehen sollte, von wo aus die Tiere zur Front gebracht wurden, übernahm ich die Leitung des Transports. Der Weg führte an der alten Ruinenstadt Baalbeck vorbei, wo man noch alte Säulen und Tempel sehen konnte. Nach zwei Tagen standen wir vor den Toren von Damaskus, und es ging ein Traum von mir in Erfüllung. In der Schule hatte ich einen Aufsatz geschrieben: “Durch Dornengestrüpp und Wüstensand, da geht der Weg nach Canaan”, in dem Damaskus vorkam. |
| So verging die Zeit und das Jahr 1917 zuende, wir hier in Aleppo hatten ja alles und brauchten eigentlich nichts entbehren, wir hatten Kino, waren öfters bei unseren Lieferanten zu Gast geladen und lebten wie die Made in Speck. Abends ließen wir uns öfters zum Konzertgarten fahren, um bei einer Flasche Wein oder bei einen Glase Racki zu verbringen, Racki ist ein Reisschnaps, der sehr rauschte und nur mit Wasser genossen wird. ≡ | <WZ 17a> In Aleppo ging das Leben weiter. Wir entbehrten nichts. Abends gingen wir ins Kino oder ließen uns zum Konzertgarten fahren, wo wir eine Flasche Wein oder den guten und sehr billigen Raki tranken und wo wir uns mit den Mädchen der österreichischen Damenkapelle amüsierten. Raki ist ein berauschender Reisschnaps, der mit Wasser versetzt milchig trüb wird. |
| Unser Pferdedepot war eine begehrte Arbeitsstelle, und die bei uns beschäftigten Hamale (Arbeiter) hatten es bei uns für türkische Verhältnisse sehr gut. Sie bekamen bei uns zu essen und dazu eine gute Löhnung, und das hatte zur Folge, dass jeder einen Abadasch (Freund) auch bei uns unterzubringen versuchte. Darunter mehrere desertierte türkische Soldaten. So hatten wir reichlich Personal und konnten den Transporten, die 1917–1918 abgingen, bei Bedarf Zeise (Pferdepfleger) mitgeben. Es war wieder mal eine deutsche Formation angekommen, die Pferde und Tragtiere brauchte, und auch die zugehörigen Zeise haben wollte. Mit 30 Mann machte ich mich zu der 4 km entfernt lagernden Formation auf den Weg. Wir hatten die 30 Mann gut ausgesucht und bewacht, dass keiner vorher ausrückte, denn wir kannten ja unsere Pappenheimer. Gegen Abend zog ich mit meiner kleinen Horde los, um sie persönlich abzuliefern. Als nach einer Stunde Marsch ein Zeis zu mir kam und um eine Rast bat, ließ ich halten, stieg vom Pferd und setzte mich am Straßenrand nieder. Es war bereits dunkel geworden, und alle lagen und ruhten. Auf einmal wurde es unruhig, plötzlich sprangen mehrere auf und suchten das Weite. Als wir bei der Formation ankamen, fehlten neun Mann. | |
11. Urlaub | |
| Nun wurde es ja auch allmählig Zeit um ein Urlaubsgesuch einzureichen, was auch genehmig wurde und so | Das Jahr 1917 ging zu Ende. Ich hatte seit zwei Jahren keinen Urlaub gehabt. Ich reichte ein Urlaubsgesuch ein, und überraschenderweise wurde der Urlaub sofort genehmigt. Am 16. Januar 1918 fuhr ich in Aleppo ab, und war am nächsten Morgen in Gelebeck, wo ich gleich Anschluss hatte und ohne großen Aufenthalt bis Pozanti weiterfuhr. Die Tunnel durchs Amanus– und Taurus-Gebirge waren inzwischen fertig, so dass der Zug von Dieselloks gezogen bereits am nächsten Abend in Pozanti eintraf Dort allerdings herrschte Ratlosigkeit, wann denn ein Zug nach Konstantinopel weiterführe. Ich machte mich auf einen längeren Aufenthalt gefasst und suchte das deutsche Soldatenheim in Pozanti auf, um nach dreitägiger Fahrt endlich wieder mal was Warmes zu essen zu <WZ 17b> bekommen. Ich hatte unser Essen kaum verzehrt, als ein Bote von der deutschen Etappe kam und meldete, dass ich und andere Kameraden sofort zum Bahnhof zurückkehren sollten, denn der Zug fährt noch am Abend weiter. Unsere Gruppe aus Urlaubern war inzwischen auf zehn Mann angewachsen. Am Bahnhof wurde uns im Zug ein leerer Güterwagen zugeteilt. Schnell besorgten wir uns noch eine Blechtonne und Heizmaterial, damit wir uns unterwegs unseren Waggon heizen konnten, denn die Winter in Anatolien sind sehr kalt. Nach sechs Tagen kamen wir am Bahnhof Haidar-Pascha in Konstantinopel an. Als wir am nächsten Morgen beim Verbindungsoffizier in der deutschen Etappe unseren Urlaubsschein in Empfang nehmen wollten, erfuhren wir, dass inzwischen eine Urlaubssperre verhängt wurde, und wir erstmal warten müssten. |
| Natürlich hatten wir hier keine Langweile, Zerstreuungen gabs hier genug, Dienst gabs nicht und so machten wir am Tage größere Ausflüge, oder auch Dampferfahrten bis zum Schwarzenmeer. Abends gingen wir ins Theater, oder Kino, Verpflegt wurden wir im Soldatenheim, aber meisens gingen wir dann noch in ein Speiserestaurant essen, was alles viel Geld kostete, denn die Preise waren in den zwei Jahre bedeutend gestiegen. Das Theater eine Östreichische Theatergesellschaft, die sehr gut Spielte und sehr schöne Stücke wie Zigeunerbaron oder Schweinefürst spielten, die Eintrittspreise betrugen 35 Piaster, oder sieben Mark. ≡ | Natürlich hatten wir in Konstantinopel keine Langeweile. Da wir keinen Dienst hatten, mussten wir uns auf andere Weise die Zeit vertreiben. Wir machten größere Ausflüge, fuhren mit dem Dampfer bis zum Schwarzen Meer, gingen abends ins Kino oder Theater. Hier sah ich den “Zigeunerbaron”, aufgeführt von einer österreichischen Theatergesellschaft. Verpflegt wurden wir im deutschen Soldatenheim. Wenn uns dort das Essen nicht schmeckte, aßen wir auch mal in einem Speiserestaurant, doch das ging ins Geld, denn die Preise waren in den beiden Jahren, seit ich hier war, anständig gestiegen. |
| So ging auch diese schöne Zeit wieder zuende, es waren nun in der Zeit der Urlaubssperre viel Urlauber eingetroffen und alle warteten hier ihren Urlaubspaß in empfang zunehmen. Unser Urlaubspaß <²OZ facs. 94> lautete von Konstantinopel auf sechs Wochen, davon waren vierzehn Tage für die Reise vorgesehen, die wir aber nicht brauchten, denn der Orientexpreß fuhr die Strecke Konstantinopel-Berlin in drei Tage, so mit blieben jeden fünf Wochen Urlaub in der Heimat. Unseren Urlaubspaß hatten wir nun in der Tasche, Früh machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Bahnhof, mein Regimentskamerad aus Berlin und ich, auf den Bahnhof war großes Gedränge, viel Urlauber und die Paßkontrolle nahm lange Zeit in Anspruch Überall standen lange Reihen und jeder wartete bis er an der Reihe war sein Gepäck durchsuchen zu lassen, die Kontrolle wurde von Türkischen Offizieren ausgeführt, war das Gepäck durchsucht, wurde es mit einer Kontrollmarke versehen und nun konnte man die Bahnsperre paßieren. Nun war auch ich an der Reihe, hatte meinen Koffer schon aufgemacht und dem Türkischen Offizier hinpresentiert, <²OZ facs. 95> viel Zeit war nun nicht mehr, er faßte in meinen Koffer rein, aber zu meinen Erstaunen drehte er sich um und ging weg, ohne mich Ordnungsgemäß abzufertigen. Ich nun schnell mein Koffer zu, auf die Schulter und durch die Sperre durch, der Türkische Asker (Soldat) der an der Sperre war, wollte mich noch hindern, aber der Türkische Schausch (Unteroffizier) sagte Taman (fertig) und schon war ich im Zug, schnell nun die Kontrollmaske meines Kameraden vom Rucksack ab und auf meinen Koffer raufgeklebt und ≡ | Im Laufe der Zeit wurden es immer mehr Urlauber, die auf der Kommandantur auf ihren Urlaubsschein warteten. Endlich war es so weit. Mein Urlaubsschein war auf sechs Wochen ausgestellt, wovon 14 Tage für die Hin- und Rückfahrt gedacht waren. Der Orientexpress, mit dem ein Regimentskamerad und ich fahren wollten, würde die Strecke nach Berlin in drei Tagen zurücklegen, so dass wir fünf Wochen in der Heimat sein könnten. Am Bahnhof drängelten sich die Urlauber, die sich seit drei Wochen Urlaubssperre angesammelt hatten. In langen Reihen standen die Menschen vor einer Gepäckkontrolle und warteten, bis sie dran waren. Die Kontrolle wurde von türkischen Offizieren durchgeführt. War das Gepäck durchsucht und alles in Ordnung, bekam man eine Kontrollmarke auf das Gepäck geklebt und man konnte passieren. Ich wurde inzwischen unruhig, denn die Abfahrtszeit rückte immer näher. Als ich endlich an der Reihe war und meinen Koffer geöffnet präsentierte, drehte sich der Kontrolleur plötzlich um und ging weg, ohne mich ordnungsgemäß abzufertigen. Ich packte schnell meine Koffer, aber der türkische Asker (Soldat) an der Sperre wollte mich ohne Kontrollmarke nicht durchlassen, aber ein Schausch, der dabeistand, sagte: “Taman, taman” (fertig), und ich durfte durch. Im Zugabteil machte ein Kamerad von seinem Rucksack die Kontrollmarke ab und klebte sie auf meinen Koffer, <WZ 18a> falls später noch einmal eine Kontrolle kommen sollte. |
| nun konnte kommen was da wolle, ich war durch. In meinen Koffer hatte ich doch verschiedene Gegenstände die mir bei scharfer Kontrolle vieleicht schwirigkeiten bereitet hätten, unterwegs waren die Kontrollen nur Oberflächlich. So führen wir nun bis Sofia durch, wo wir zweistunden aufenthalt hatten, Verpfleg wurden und um steigen mußten. Von Sofia fuhren wir bis Nisch, hier mußten <²OZ facs. 96> wir wieder Umsteigen in den Zug der von Üsküb kam, aber der Zug hatte zwei Stunden Verspätung, mit diesen Zug konnten war nur weiterfahren, denn er fuhr von hier aus wieder zurück nach Belgrad. Hier mußten wir nun unser Hauptgepäck versehen mit Namen und Adresse abgeben, es wurde extra im Packwagen untergebracht, nur das allernötigste durften wir bei uns behalten. Nun ging die Fahrt bis Belgrad durch, wo wir am nächsten Morgen gegen fünf Uhr eintrafen und nun nach nochmaligen Umsteigen bis Dresden durchfuhren. Gegen Abend des | Nun konnte kommen was wollte. Der Zug fuhr gleich ab, es war also höchste Zeit gewesen. Die Kontrollen unterwegs waren nur oberflächlich. In Sofia hatten wir zwei Stunden Aufenthalt, die wir nutzten, um Verpflegung zu fassen: In Nisch mussten wir wieder umsteigen und auf den Zug aus Üsküb warten. Der hatte aber zwei Stunden Verspätung. Für den Zug nach Belgrad mussten wir unser Hauptgepäck mit Namen und Adresse versehen im Packwagen abgeben. Nur das Nötigste durften wir mit ins Abteil nehmen. Belgrad sah ich morgens um fünf nur zum Umsteigen. Noch einmal mussten wir den Zug wechseln, der dann bis Dresden durchfahren sollte. Gegen Abend des zweiten Tages waren wir in Wien, wo die Lokomotive gewechselt wurde und es gleich wieder weiterging, ohne dass wir etwas von der Stadt sahen. Am Abend des dritten Tages kamen wir in Berlin an, aber leider nicht unser Gepäck. Das konnten wir am nächsten Tag abholen. |
| Nun waren wir wieder nach langer Zeit in Deutschland und in der Heimat gabs <²OZ facs. 97> ein herzliches Wiedersehen, zuerst mit den Angehörigen und dann die Besuche bei Verwandten und Bekannten und überall gabs vieles zu erzählen und die Einladungen nahmen kein Ende. Aber mancher alter Freund war nicht mehr unter den Lebenden, mit dem man vor dem Krieg so schöne fröhliche Stunden verlebt hatte. Aber auch diese schöne Zeit verging zuschnell, also noch einen Nachurlaubs | Endlich wieder in der Heimat. Nach einer so langen Zeit war das Wiedersehen besonders herzlich. Zuerst die Angehörigen, und dann die Besuche bei Verwandten und Bekannten, denn es gab viel zu erzählen, und von so manchem wurde berichtet, der nicht mehr zurückkehren würde. Die paar Wochen gingen viel zu schnell vorbei. Ich wäre gern noch länger zu Hause geblieben, und versuchte telegraphisch in Konstantinopel einen Nachurlaub zu beantragen. Irgendeiner hatte gesagt, so was wäre möglich. Am vorletzten Tag meines regulären Urlaubs war ich noch mit meiner Braut und meinen Angehörigen in Berlin im Theater. Am letzten Tag vor dem Abschied hatte ich noch keinen Bescheid über den Nachurlaub. Ich fuhr schon nach Berlin, als das Telegramm bei meinen Eltern über den gewährten Urlaub eintraf. Schnell schickten sie eine Nachricht zum Bahnhof in Berlin, wo ich abfahren sollte, und die Nachricht erreichte mich zum Glück noch. 14 weitere Tage waren gerettet und wurden voll ausgekostet. |
| Nun war der Urlaub zuende und es war jetzt ende März und der Frühling machte sich bemerkbar, als ich meine weite Reise wieder antrat. Die Zugverbindung nach Konstantinopel war sehr gut und klapte ausgezeichnet, war in drei Tagen wieder in Konstantinopel. Hier traf ich auch wieder mehrere alte Kameraden von meinen Stamm, ≡ | Ende März musste ich dann die Rückreise antreten. Am 31. März 1918 fuhr ich nach sieben Wochen Urlaub von Baruth nach Dresden, wo ich den Orientexpress besteigen konnte, der mich in drei Tagen nach Konstantinopel brachte. Dort traf ich einen Kameraden aus meinem Tierdepot, der ebenfalls aus dem Urlaub zurückkehrte und auf den Zug nach Aleppo wartete. |
| aber der Aufenthalt in Konstantinopel dauerte jetzt nicht lange und ging als Transportführer mit einen Türkischen Battalion. vom Haidar- <²OZ facs. 98> Pascha nach Aleppo ab, aber schon am zweiten Tage wurden die erste Kranken aus dem Zuge getragen und Flecktyphus festgestellt wurde. Am dritten Tag erreichten wir das Städtchen Konia, wo das ganze Battalion ausgeladen wurde und in Baraken untergebracht. Ich und mein Begleiter wurden auch Untersucht und mußten uns eine Entlausung unterziehen und konnten dann weiterreisen, aber groß war die Enttäuschung als wir in Karabünar ohen [sic; should be ohne] Transport eintrafen, denn hier hatten sie schon alle Vorbereitung zur Verpflegung des Transportes getroffen. Nach eintägiger Rast fuhren wir in Richtung \Aleppo/ weiter, was wir nach fünf Tägiger Fahrt ab Haidar-Pascha Aleppo erreichten, wo ich nach vier Monatlicher Abwesenheit ≡ | In Konstantinopel bekam ich den Auftrag, ein türkisches Bataillon nach Aleppo zu begleiten. Am Bahnhof in Haidar-Pascha begann die Fahrt. Am zweiten Tag meldete sich ein türkischer Soldat krank: Flecktyphus. Daraufhin wurde einen Tag drauf das ganze Bataillon in Konia ausgeladen, und mein Kamerad und ich mussten mit. Alle wurden nun auf Flecktyphus untersucht, wir auch. Aber offenbar waren wir <WZ 18b> noch nicht angesteckt, denn wir durften am nächsten Tag nach einer Entlausung mit dem nächsten Zug allein weiterfahren. In Karabunar wunderte man sich, dass ich ohne das türkische Bataillon ankam, denn hier hatte man schon Vorbereitungen für die Verpflegung der Asker getroffen. Vor unseren Zug wurde eine Diesellok gespannt, und die Fahrt konnte durch die großen Tunnel von 8 km Länge beginnen. Nach fünf Tagen waren wir endlich in Aleppo, und ich nach viermonatiger Abwesenheit. |
12. Rückzug und Kriegsende | |
| wieder auftauchte und unser Wiedersehen nun ausgiebig gefeiert wurde. Hier nahm ich meinen alten Posten wieder ein, verlebten hier nun noch ruhige Tage, aber das Ende des Krieges machte sich hier schon bemerkbar, auf allen Fronten <²OZ facs. 99> gingen die Türken zurück und der Engländer konnte ende September 1918 bis vor den Toren von Aleppo vordringen. Aleppo ist der Knotenpunkt der Palästina und Bagdadbahn, um der jetzt heiß gekämpf wurde, es waren im Laufe des letzten Jahres viele deutsche Truppen herunter gekommen, darunter ganze Verbände, aber sie waren dem Klima nicht gewachsen, und es gab sehr viel Kranke. Sehr viele wurden hier noch kurz vor Kriegsschluß noch fern der lieben Heimat in fremder Erde gebettet, auch mein alter Regimentskamerad mit dem ich Aktiv zusammen gedient hatte und auch noch zusammen im Januar in Berlin auf Urlaub waren, drei Jahre hier tapfer durchgehalten hatte, mußte ich hier in Aleppo noch zur letzten Ruhe begleiten. ≡ | Als ich wieder im Tierdepot auftauchte, unerwartet, wurde mal kräftig gefeiert. Ich trat meinen Dienst wie vorher an, hatte meinen alten Posten, und alles ging seinen alten Trott. Aber die ungetrübte Ruhe wie vor vier Monaten herrschte nicht mehr. An allen Fronten mussten die Türken zurückgehen. Und Ende September stand der Engländer vor den Toren Aleppos. Aleppo ist der Knotenpunkt der Palästina‑ und Bagdad-Bahn, der jetzt heiß umkämpft wurde. In den letzten Jahren waren sehr viele deutsche Truppen heruntergekommen, darunter ganze Verbände. Nur waren sehr viele dem Klima nicht gewachsen, und mehr Soldaten lagen im Lazarett als Dienst taten. Viele starben auch. Auch mein alter Schwadronskamerad, mit dem zusammen ich aktiv gedient hatte und der mit mir zum Stab von der Goltz abkommandiert worden war. Im Februar waren wir beide noch in Berlin auf Urlaub, all die drei Jahre hatte er gut durchgehalten, und jetzt musste er fern der Heimat zur letzten Ruhe gebettet werden. |
| Am vierzehnten Oktober 1918 traten auch wir den Rückzug an, wir hatten ja Transportmittel, hatten unsere Pferde, Wagen und konnten unser Persönliches Hab und Gut restlost wegbringen. Aber die armen Soldaten mußten zu Fuß <²OZ facs. 100> gehen, weil die wenigen Transportmittel für Kranke und Verwundete nötig gebraucht wurden. Dazu häuften sich noch die Beduinen Überfälle aber auch von uns wurde jeder entbehrliche Mann zur Kampftruppe abgegeben, sämtliche Kranke und Schwerverwundeten blieben in Aleppo zurück und wurden den Engländer übergeben, wo sie dann gut aufgehoben waren. Am sechsten Oktober konnte noch jeder einmal schreiben, es ging die letzte Post ab und nun waren wir für fast einhalbes Jahr von der Heimat abgeschnitten. ≡ | Die Etappe von Damaskus hatte schon den Rückzug angetreten und übernachtete in unserem Tierdepot, um am nächsten Tag weiter nach Klein-Asien zurückzugehen. Am 14. Oktober packten auch wir unsere Sachen. Transportmittel standen zur Verfügung, denn wir hatten ja unsere Pferde und Wagen. Die Kranken und Verwundeten aus dem Lazarett konnten auch mit Pferd und Wagen transportiert werden, aber die gesunden Soldaten mussten zu Fuß gehen. Dazu häuften sich die Beduinenüberfälle. Alle entbehrlichen Männer wurden zur Kampftruppe eingeteilt. Die nicht transportablen Verwundeten und Kranken wurden den Engländern in Aleppo übergeben. Am 6. Oktober konnten wir noch einmal Post abgeben, und dann waren wir für ein halbes Jahr von der Heimat abgeschnitten. |
| Am vierzehnten rückten auch wir aus Aleppo ab, was nur irgend war wurde noch mitgenommen, aber vieles mußte doch zurück gelassen werden. Nun zogen wir an der Küste des Mittellän[d]ischen meers, über Adana, Amanus und Tauris Gebirge bis Posanti, die ganze Strecke haben wir in sechzehn Tagen ohne jeglichen Zwischenfall überwältig. Es war inzwischen ende Oktober geworden als wir in Posanti ankamen hier war ein großes Türkisches Depot eingerichtet, wo wir nun unsere Pferde, Wagen und Ausrüstungsgegenstände, auser den <²OZ facs. 101> Waffen den Türken übergeben. Wir hausten hier in Zelten, auch unsere treuen Diener alte Anatolische Soldaten die uns solange treu gedient hatten, mußten uns nun mit Tränen in den Augen verlaßen. Nach etwa zehn Tagen war es so weit, daß wir per Eisenbahn in Richtung Haidar-Pascha weiter fahren konnten, die Fahrt war sehr langweilig und fast auf jeder Station hatten wir einen längeren Aufenthalt, die Strecke war Eingleisig und so mußten immer wieder die Gegenzüge abgewartet werden und oft traten noch un vorher gesehene Verkehrsstörungen ein. ≡ | <WZ 19a> Am 16. [sic!] Oktober rückte auch unsere kleine Kolonne, bestehend aus vier Wagen, einem Veterinär und vier Mann, aus Aleppo ab. Was irgend möglich war wurde mitgenommen, aber vieles musste zurückgelassen werden. Unser kleiner Tross zog an der Küste des Mittelländischen Meeres entlang über Adana, durch das Amanus- und Taurus-Gebirge bis Pozanti. Die ganze Strecke hatten wir in 16 Tagen ohne jeden Zwischenfall geschafft. Inzwischen war es Ende Oktober. In Pozanti war ein großes türkisches Depot, wo wir unsere ganze Ausrüstung abgeben mussten. Uns blieben nur unsere Waffen. Unsere treuen Diener, alte Anatolier, mussten sich mit Tränen in den Augen von uns verabschieden. Sie bekamen noch einen schönen Bakschisch, und dann waren wir Deutschen allein. Wir hausten hier in Zelten, und nachts war es kalt. Nach 10 langen Tagen war es endlich so weit, dass wir mit dem Zug weiterfahren konnten. Unser Ziel war Konstantinopel. Die Fahrt ging langsam voran, auf jeder größeren Station gab es einen längeren Aufenthalt, weil die Strecke nur eingleisig war und Gegenzüge vorbeigelassen werden mussten. Oft traten andere Verkehrsstörungen auf. Hunger brauchten wir, Gott sei Dank, nicht zu leiden. Wenn wir irgendwo länger hielten, kamen Leute und boten Obst, Lebensmittel und gebratene Hühner an. ≡ |
| Als wir eines Nachts in Ismir [sic!] ankamen und wie gewöhnlich auch halten mußten, gab es einen ziemlich heftigen Stoß, was wir ja gewöhnt waren, nur ein Mann in unseren Wagon, der wohl zu dicht mit dem Kopf an der Stirnwand lag, brüllte auf, was uns weiter nicht beunruhigte. Aber am nächsten Morgen sahen wir die Bescherung, unser Zug war auf der Station zuweit an der Weiche vorgefahren und so kam es, daß <²OZ facs. 102> ein von Haidar-Pascha einfahrender Zug auf unsere Lokomotive Auffuhr, aber es ging ziemlich glimpflich ab, nur die Lokomotive und zwei Wagen entgleißten und wurden gegen die Felswand gedrückt wo sie auch stark beschädigt wurden. Trotsdem die Wagon jeder mit zehn Mann besetzt waren, wurden nur ein paar Mann verletzt, der Zusammenstoß der in der Nacht paßiert war, und die Strecke Blockiert [orig. 2 lines, with hyphen: Block-kiert] war, traf erst gegen Abends ein Hilfzug aus Haidar-Pascha ein, der die Gleise ausbesserte und die verletzten mitnahm. ≡ | Als wir im Bahnhof von Izmid standen, gab es plötzlich einen starken Stoß, was oft vorkam, aber ein Mann in unserem Wagen brüllte auf, denn er war mit seinem Kopf an die Stirnwand des Wagens gestoßen und hatte sich leicht verletzt. Es war nicht weiter schlimm, aber am nächsten Morgen sahen wir die Bescherung. Unser Zug war zu weit in eine Weiche gefahren, und der Zug aus Konstantinopel hatte unseren Zug gerammt und war entgleist, an eine Felswand gedrückt und schwer beschädigt worden. Gott sei Dank lief der Zusammenstoß noch glimpflich ab. Obwohl jeder der Waggons mit zehn Mann belegt war, wurden nur vier verletzt. Gegen Abend traf ein Hilfszug ein, der die Gleise ausbesserte und die Verletzten mitnahm. |
| Aber wie groß war unser Staunen, als wir am Morgen den ganzen Golf von Ismid voller Fremder Kriegsschiffe sahen, hier hatten die Engländer, Italier und Franzosen ihre Flotten zusammen gezogen. Am achtzehnten November kamen wir nun in Haidar-Pascha an, daß von den Franzosen besetzt war, die uns nun in Empfang nahmen, blieben aber noch diesen Tag und drauf folgende <²OZ facs. 103> Nacht in unseren Bahnwagen. Aber am nächsten Tag zogen wir in das in Kattekoe hergestellte Zeltlager, in das wir bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag aushalten mußten, uns wurde eine Zone zugewiesen, in der wir uns frei Bewegen konnten und auch unsere Einkäufe machen konnten. ≡ | Am nächsten Morgen kamen wir in Haidar-Pascha, auf der asiatischen Seite von Konstantinopel, an. Was wir vom Bahnhof aus sehen konnten, war unglaublich. Der ganze Golf war voller Kriegsschiffe. Engländer, Franzosen und Italiener hatten offenbar ihre Flotten zusammengezogen und wie zu einer Parade aufgestellt. Das war am 18. November. Haidar-Pascha war von den Franzosen besetzt, die uns gleich in Empfang nahmen. Den Tag über und während der Nacht mussten wir noch im Zug bleiben, bis wir dann am nächsten Morgen in ein schnell aufgebautes Zeltlager in Hattekoc [sic!] gebracht wurden. Hier blieben wir bis zum Zweiten Weihnachtsfeiertag. Uns wurde eine Zone zugewiesen, in der wir uns frei bewegen und sogar Einkäufe machen durften. Unsere Waffen hatte man uns abgenommen, aber die Offiziere und <WZ 19b> Unteroffiziere durften ihre Säbel oder Seitengewehre behalten. |
| Nun begannen auch zwischen den Alliirten und unsere Heeresleitung Verhandlungen, die Waffen Gewehre mußten wir abgeben, aber die Offiziere und Unteroffiziere konnten das Seitengewehr behalten. Uns wurde ein freier Abzug gewährt, aber es fehlten die Transportmittel und der Termin bis zum achtundzwanzigsten November konnten wir nicht einhalten, der Termin wurde nun nochmals um vier Wochen verlängert. Unser Plan war nun übers Schwarzemeer Odessa nach Deutschland, aber es fehlten die Schiffe, ein paar kleinere Schiffe die im goldenen Horn und im Hafen von Haidar Pascha lagen, es wagten Auszulaufen, kamen nach ein paar Tagen wieder zurück, daß Schwarzemeer ist in dieser Zeit sehr stürmisch <²OZ facs. 104> ≡ | In den Verhandlungen mit den Alliierten wurde uns freier Abzug gewährt, aber es fehlte uns an Transportmitteln, so dass wir die uns gesetzte Frist für den Abzug bis zum 28. November nicht einhalten konnten. Die Frist wurde noch einmal um vier Wochen verlängert, und der Plan war, übers Schwarze Meer nach Odessa und von dort aus nach Deutschland zu gelangen. Aber es fehlte auch an passenden Schiffen. Es gab zwar kleinere Kästen, die es aber nicht wagten, ins Schwarze Meer auszulaufen. Die See war zu dieser Jahreszeit stürmisch, und die Boote, die es wagten, kehrten schnell zurück. Das einzige große Schiff war der “General”, das aber voll mit Verwundeten und Kranken belegt war und nach Genua fahren sollte. Ein paar Gesunde schafften es, sich aufs Schiff zu schmuggeln und mitzufahren. |
| Inzwischen war in Rußland auch die Revollution ausgebrochen, nun war auch dieser Weg für uns versperrt und die Frist war wieder abgelaufen. Nun mußten wir uns dem Schicksal fügen und wurden Interniert, inzwischen kamen aus den Schwarzmeerhäfen deutsche Dampfer die während des Krieges dort lagen, nach Haidar-Pascha, wurden hier umgebaut und wir bezogen auf ihr Quartier, aber alle andern die auf den Schiffen nicht unter kamen, wurden auf der Insel Halki und Princepo abtransportiert, um dort ihren Abtransport abzuwarten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kamen wir auf den Dampfer Ackdenis, mußten ihn aber schon nach kurzer Zeit wieder Räumen, weil die Heitzung nicht in Ornung war und erst umgebaut werden mußte, ≡ | In Russland war die Revolution ausgebrochen und hatte inzwischen Odessa erreicht, so dass auch der Weg dorthin versperrt war und auch die zweite Frist verstrich. Jetzt wurden wir interniert. Wir blieben noch in Hattekoc, konnten uns frei bewegen und auch einkaufen, so dass es uns nicht so schlecht ging. Aber wie es weitergehen sollte, war ungewiss. Von den Schwarzmeer-Häfen trafen deutsche Schiffe ein, die in Konstantinopel instandgesetzt und umgebaut werden sollten und vielleicht für uns vorgesehen waren. Am Zweiten Weihnachtsfeiertag war es doch so weit, dass wir unsere Zelte verlassen und auf den Dampfer “Akdenis” ziehen konnten. Die Freude war aber nur kurz: Die Feuerung des Schiffes war nicht in Ordnung und musste erst ausgebessert werden. Die “Akdenis” war ein Passagierdampfer und schön eingerichtet, und wir wären gern drauf geblieben. |
| wir kamen dann auf den Dampfer Patmos, der uns dann nach Hamburg brachte. Um unser Dasein und unser Lebensunterhalt zu verbessern, wurde von unserer Heeresleitung \eine Anleihe/ aufgenomen und von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften aufgebracht, die Rückzahlung erfolgte schon <²OZ facs. 105> vor erreichen der Deutschen Küste, ein Torpedoboot das durch Funkspruch benachtrichtig war, brachte uns schon in der Nordsee das Geld und die noch zuzahlende Löhnung. ≡ | Dafür sollten wir dann mit dem Frachtdampfer “Patmos” fahren, der uns nach Hamburg bringen sollte. Er war mit lauter Verschlägen und Pritschen ausgebaut, die unsere Lagerstätten waren. Um unsere Lage und unseren Lebensunterhalt etwas zu verbessern, sollte, weil kein Geld mehr vorhanden war, eine Anleihe bei den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften gesammelt werden, die dann gleich bei unserer Ankunft in Hamburg zurückgezahlt würde. Und so war es dann auch. Noch bevor wir die deutsche Küste erreichten, wurde unser Dampfer in der Nordsee von einem durch Funkspruch herbei gerufenen Torpedoboot empfangen, das die erforderlichen Gelder und auch die noch ausstehende Löhnung brachte. |
<WZ 20a> 13. Heimkehr | |
| Aber die Liegezeit in Haidar-Pascha war sehr langweilig und immer wieder wurden wir vertrößtet, dann und dann fahren wir ab, aber der Tag kam und verging, ohne das sich an unserer Lage etwas geändert hätte. Ein virteljahr war nun vergangen, seiddem wir aus der Heimat die letzten Briefe empfingen und wir auch von uns aus den lieben Angehörigen keinen Gruß senden konnten. Endlich am achundzwanzigsten \Januar/ sollten wir Abfahren, der Passagier Dampfer Eta-Rickmers wo Liman von Sanders an Bord war, sollte am siebenzwanzigsten Januar abfahren, die Vorbezeitungen waren getroffen, der Dampfer nahm Kohle, Wasser und Proviant und war so mit zum Auslaufen bereit. Eine Englische Militärmission kam an Bord, Besichtigten und Rividirten \das/ Schiff und es sah wirklich aus als ob es Ernst werden wollte, am Abend des siebenundz[w]anzigsten <²OZ facs. 106> Januar end[l]ich setzte sich nun die Eta-Rickmers in Bewegung und verließ als erstes Schiff den Hafen von Haidar-Pascha. Nun war Hoffnung vorhanden, ≡ | Alle, die nicht auf den hier liegenden Schiffen unterkamen, wurden nach den Inseln Halki und Princepo abtransportiert, während wir Eingeteilten weiter in Haidar-Pascha blieben. Weihnachten und Neujahr gingen vorüber. Immer wieder wurden wir vertröstet, dann und dann fahren wir ab, aber nichts passierte. Die Tage vergingen. Die meiste Zeit vertrieben wir uns mit Skat spielen. Von zu Hause gab es auch keine Nachrichten mehr. Seit einem Vierteljahr hatten wir keine Post mehr bekommen. Endlich erfuhren wir, dass wir am 28. Januar 1919 ablegen sollten. Der Dampfer hatte schon Kohle, Wasser und Proviant genommen und war somit zum Auslaufen klar. Eine englische Militärkommission besichtigte und revidierte das Schiff, und nun sah es doch so aus, dass es losgehen sollte. Einen Tag zuvor verließ als erstes deutsches Schiff der Passagierdampfer “Eta Rickmers” mit dem General Liman von Sanders an Bord den Hafen. Endlich hatten auch wir Hoffnung. |
| aber die Sache kam anders, die Sache hatte sich inzwischen wieder verändert, die Eta-Rickmers mußte Malta anlaufen und ging dort vor Anker und wir blieben in Haidar-Pascha. Nun glaubte keiner mehr an die Parolen die raus kamen, so ging auch der Februar fast zuende, als es wieder hieß am achtundzwanzigsten fahren wir ab, aber niemand glaubte daran, denn zu oft hatten sie uns nun schon zum Narren gehalten, aber es wurde nun doch Ernst. Na[ch]dem unser verhältnis[mäßig] kleiner Dampfer Patmos, noch den nötigen Ballast in form von Sand geladen hatte, um den nötigen Tiefgang zu erhalten, nun wurde wieder Kohle, Wasser und Lebensmittel empfangen und lebende Ochsen und Schweine, wurden in Verschlägen oben aufs Deck untergebracht. ≡ | Aber es kam anders. Die “Eta Rickmers” musste Malta anlaufen und dort vor Anker gehen. Die Lage hatte sich inzwischen wieder verändert. Wir blieben weiter in Haidar-Pascha und glaubten keinen Parolen mehr. Als es dann nach einem Monat hieß, am 28. Februar sei es endlich so weit, blieben wir skeptisch, denn zu oft wurden wir enttäuscht. Offenbar wurde es jetzt aber wirklich Ernst. Unser verhältnismäßig leichter Dampfer hatte inzwischen Sand als Ballast geladen, um den nötigen Tiefgang zu haben, und auch Kohle, Wasser, Lebensmittel und sogar lebende Ochsen und Schweine waren an Bord. |
| Gegen Abend des achtundzwanzig- <²OZ facs. 107> sten Februar, war nun endlich der lang ersehnte Tag gekommen und die Patmos mit den Dampfer Kerküra zusammen verließen nun den Hafen von Haidar-Pascha, lange standen wir noch auf Deck und ließen unsern Blick noch übern Bosporus und Konstantinopel gleiten, bis die letzten Lich[t]er in der Ferne verschwanden. Am nächsten Morgen bei herrlichen Wetter fuhren wir in die Dardanellen ein, unser Dampfer war mit Eintausendeinhundertfünfzig Mann belegt, den Oberbefehl hatte ein Major, aber wir hatten noch einen Englischen Kapitän an Bord, dem das Schiff unterstellt war. Hier in den Dardanellen konnten wir die Stellen betrachten, wo im Frühjahr fünfzehn, die Allieirten mit Gewalt versuchten, den Ausgang durch den Dardanellen zu Erzwingen. Aber die tapferen Türken mit Unterstützung der Göben und Breslau Besatzungen hielten \sie/ der großen Übermacht stand und manches Feind Schiff auf den Grund des Meeres schicken. <²OZ facs. 108> So konnten auch wir verschiedene Feindliche Kriegsschiffe \sehen/, die mit der Spitze und Masten am Ufer aus dem Wasser ragten, die Dardanellen sind schmal und an manchen Stellen kaum Hundertmeter breit. ≡ | Am 28. Februar 1919 lichtete die “Patmos” die Anker, und wir verließen zusammen mit einem anderen Frachtdampfer, die “Kerküra”, den Hafen von Haidar-Pascha. Unser Schiff mit seinem Kapitän und 1150 Mann an Bord, war einem englischen Kapitän unterstellt. Lange standen wir noch an Deck und sahen über den Bosporus hinüber nach Konstantinopel, bis die letzten Lichter in der Ferne verschwanden. Bei herrlichem Wetter fuhren wir am nächsten Morgen durch die Dardanellen und konnten sehen, wo die Alliierten im Frühjahr 1915 versuchten, den Durchgang durch die Dardanellen zu erzwingen, was ihnen aber nicht gelang. Die tapferen Türken konnten mit Unterstützung der deutschen Kreuzer “Göben” und “Breslau” mehrere der feindlichen Kriegsschiffe versenken, deren Mastspitzen immer noch aus dem Wasser ragten. Die Dardanellen sind ziemlich schmal und an manchen Stellen kaum 100 Meter breit. |
| Gegen Abend fuhren wir im Agäischenmeer ein, so schön auch das Wetter der letzten Lage war, hatten wir am nächsten Tage solchen Sturm, daß das Schiff so schlingerte und Stampfte, daß die Schraube meisten aus dem Wasser war. Wir standen auf Deck und hielten uns an den Tauen fest, daß Schiff schlug von einer Seite zur andere, sodaß die Reeling fast das Wasser berührte. Nun stieg ein Matrose auf den Mastbaum, befestigte daran ein Segel, daß nun verhinderte das das Schiff von einer Seite zur andereren schlug, auch änderten wir den Kurs und hatten den Wind jetz mehr von vorn, sodaß das Schiff nun nur etwas zur Seite legte, und die Wellen nur von vorn übers Schiff gingen. Alles war fast Seekrank und lag auf den Pritschen, in innern des Schiffes flog alles Teller und Tassen durchein- <²OZ facs. 109> ander. Aber am anderen Tage hatte sich der Sturm etwas gelegt, und als wir ins Mittelländischen Meer einführen, hatten wir das beste Wetter, herrlich war die Fahrt durch Mittelmeer, wir saßen nun fast den ganzen Tag aufs Deck und spielten unsern dauer Skat, die Sonne meinte es hier sehr gut mit uns. Die Kerküra mit der wir zusammen Haidar-Pascha verließen, fuhr bedeutend schneller und war uns schon weit voraus. ≡ | Gegen Abend fuhren wir in die Ägäis ein. Hatten wir in den letzten Tagen ständig <WZ 20b> wunderschönes Wetter, so änderte sich das abrupt. Ein Sturm kam auf, und das Schiff schlingerte und stampfte, dass die Schiffsschraube zeitweise aus dem Wasser kam. Wir standen an Deck und hielten uns an den Tauen fest. Unterdessen flog alles durcheinander, die Reling berührte fast das Wasser. Ein Matrose bestieg nun den Mastbaum und setzte oben ein Segel, das verhindern sollte, dass das Schiff von einer Seite zur anderen schlug. Auch änderte der Kapitän den Kurs so, dass die Wellen nur noch von vorn über uns hinwegrollten. Fast alle waren seekrank und lagen auf ihren Pritschen. Teller und Tassen flogen durch die Gegend, aber keiner hatte Lust, etwas dagegen zu unternehmen. Als wir am nächsten Morgen in das Mittelländische Meer einfuhren, hatte sich der Sturm gelegt. Das schönste Wetter breitete sich vor uns aus. Die “Kerküra”, mit der zusammen wir Heidar-Pascha verlassen hatten, war schneller und uns weit voraus. Wir saßen den ganzen Tag an Deck und spielten unseren Dauerskat. Ab und zu begegneten wir anderen Schiffen. |
| Am elften Tag erreichten wir Gibralaltar, die Kerküra hatte hier schon einen Tag vorsprung und hatte Gibralta schon wieder verlaßen, wir lagen hier einen ganzen Tag, Kohle, Wasser und Proviant entfangen, hier hatte noch ein Kamerad das Unglück \hatte/, zwischen Kaimauer und Dampfer zu fallen und zuertrinken. Herrlich war der Anblick, der hohen Felsen \Gibriealtar/, der starke Stützpunkt der Engländer und drüben die Küste Afrikas, ≡ | Am elften Tag erreichten wir Gibraltar. Ein herrliches Stück Erde, der hohe Felsen und die nahe Küste Afrikas. Die “Kerküra” hatte schon am Morgen Gibraltar wieder verlassen und war uns nun schon einen Tag voraus. Wir lagen einen ganzen Tag in Gibraltar und nahmen Wasser, Kohle und Proviant an Bord. Ein Kamerad hatte das Pech, zwischen Kaimauer und Schiff zu fallen und zu ertrinken. |
| unser Englischer Kapitän ein feiner Mann, der auch oft Abends unter uns weilte und unser Konzert mit anhörte, wir hatten hier eine <²OZ facs. 110> Kapelle gebildet, die aus allen möglichen Instrumenten bestand, unser Englischer Freund ließ es sich auch nicht nehmen hier für das Schiff in Gibralta Apfelsinen, Cornetbeef und Cigarreten einzukaufen, und auf unsern Schiff gegen Bezahlung ausgegeben wurde. ≡ | Unser englischer Kapitän, ein wirklich netter Mann, ging von Bord und kaufte für unser Schiff ein. Mit einem zweirädrigen Karren brachte er Obst, Apfelsinen, Cornedbeef und Zigaretten, die wir ihm gern bezahlten. Wenn er einem deutschen Soldaten begegnete, grüßte er. Und wir freuten uns, ihn als unseren Gast bei jedem Konzert unserer Bordkapelle, die aus Schifferklavier, Mundharmonikas und Teufelsgeige bestand, zu sehen. |
| Gegen Abend gingen wir wieder in See, um nun wieder sechs Tage in der Biskaja zuschaukeln, trotsdem der Golf von Biskaja so gefürchtet ist, war es doch nicht so schlimm, wenn auch die Schiffschraube viel auser Wasser war und wir nur Stündlich eineinhalb bis zwei Knoten machten, war es doch jarkein vergleich gegen die ersten Tage im Ägäischen Meer. Ein kleines Schauspiel erlebten wir eines Morgens als wir um die Nordwestecke Frankreichs im Kanal einbogen, als ein Walfisch auf ein paar hundert Meter vor uns kreutzte, zuerst war ein Wasserstral zusehen und gleich kam der ganze Wal mit dem Rücken aus dem Wasser ≡ | Gegen Abend stachen wir wieder in See. Sechs Tage schaukelten wir in der Biskaya. Es war bei Weitem nicht so schlimm wie in der Ägäis, obwohl die Schiffsschraube auch wieder ab und zu aus dem Wasser ragte und deshalb wir nur zwei Knoten Geschwindigkeit machten. Ein besonderes Schauspiel erlebten wir eines Morgens, als wir um die Nordwestküste Frankreichs in den Ärmelkanal einbogen. Ein Walfisch tauchte hundert Meter von unserem Schiff auf, sprühte seine Wasserfontäne hoch und kam dann mit seinem ganzen Rücken aus dem Wasser. |
| So langten wir vor Dover an, wo unser Englische Kapitän, der bishier her den Befehl <²OZ facs. 111> über unser Schiff hatte von Bord ging, er war ein feiner Mann und immer freundlich, war einmal wieder ein Konzert das unsere Bordkapelle gab war er stets unter uns, unsere Bordkapelle bestand aus Schifferklawier, Mundharmonikas, Teufelsgeige und andere Instrumenten, der Kapellmeister war auch dem entsprechend danach ausstaviert, es war von Beruf ein Hamburger Maurer, war aber immer in Tran [sic! – ?]. Hier in Dover bekamen wir auch einen Englischen Lotzen, der unser Schiff durch die Mienensperren führte und unser Schiff bis zur Themsemündung begleitete, hier ging auch er von Bord. ≡ | In Dover verließ uns unser englischer Kapitän. Unsere Bordkapelle verabschiedete ihn mit einem Ständchen, und der Kapellmeister, ein Hamburger Maurer, hatte sich für dieses Ereignis besonders ausstaffiert. An seine Stelle kam ein englischer Lotse an Bord, der uns durch die Minenfelder bis zur Themse-Mündung führte und dort von Bord ging. |
| Nun waren wir selbst Herr über unser Schiff und konnten durch Funkspruch unseren Angehörigen nach fünf Monaten wieder ein Lebenszeichen zukommen laßen, denn die meisten waren wohl von den Angehörigen schon aufgegeben, wenn auch der Funkspruch nur sehr kurz war und nur lautete treffe voraussichtlich am sechsundzwanzig- <²OZ facs. 112> sten \in/ Hamburg ein, löste er doch bei den Angehörigen einen Freudentaumel aus. Jetzt setzte ein schwerer Schneesturm ein, und unser Kapitän wollte wegen der noch bestehenden Mienengefahr die Verant[wort]ung über das Schiff und Belegtschaft nicht übernehmen, da wir durch den starken Sturm doch etwas abgetriiben werden konnten und doch so viele Menschenleben auf dem Spiele standen. So entschloß sich unser Kapitän Rotterdam anzulaufen, wo wir in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend einliefen, wo sich unser Major auch sofort mit dem Holländischen Kriegsministerium in Verbindung setzte, um von hier aus auf den Schienenweg nach Deutschland zugelangen. Alles schien in bester Ordnung zusein, denn es hieß wir bleiben Sonntags über an Bord und fahren Montag mit der Eisenbahn in Richtung Heimat weiter. Nun hatte sich auch der Sturm inzwischen etwas gelegt und gegen Abend erhielten wir den Befehl so- <²OZ facs. 113> fort den Hafen zu verlassen und so fuhren wir wieder Nachts zur Nordsee hinaus, am nächsten Tage sichteten wir auch eine Treibmiene, wir fuhren nun auf etwa hundert Meter im Kreise um sie herum und schossen mit Karabiner, die wir doch noch etliche an Bord hatten, bis sie versank ohne zu Explodieren. ≡ | <WZ 21a> Von jetzt ab waren wir selbst wieder Herr über das Schiff. Nach fünf Monaten konnten wir endlich über Funkspruch Telegramme an unsere Angehörigen senden, wenn auch nur sehr kurz: “Treffe voraussichtlich am 26. in Hamburg ein.” Auf hoher See setzte ein schwerer Sturm ein, und unser Kapitän zog es vor, Rotterdam anzulaufen. Denn durch den Schneesturm waren wir vom Kurs abgekommen, und er fürchtete vor allem die Minen, mit der die Nordsee verseucht war. In Rotterdam angekommen, versuchte unser Major, der uns Soldaten kommandierte, mit dem niederländischen Kriegsministerium Verbindung aufzunehmen, um um einen Eisenbahntransport zu bitten, der uns nach Deutschland bringen sollte. Dies schien auch zu klappen. Wir sollten aber bis Montag an Bord bleiben. Inzwischen hatte sich der Sturm gelegt. Am Sonntag gegen Abend erhielten wir plötzlich den Befehl, unverzüglich den Hafen zu verlassen. So mussten wir nachts wieder in die Nordsee hinaus. Morgens sahen wir dann auch schon die erste Treibmine. Im hundert Meter weiten Bogen fuhr unser Schiff um die Mine herum, und wir versuchten mit Karabinern, die an Bord waren, die Mine zur Explosion zu bringen, was uns nicht gelang. Schließlich versank sie ohne zu explodieren. |
| So langten wir am sechsundzwanzigsten März vor Brunsbüttelkoog an, da wir mehrere Kranke an Bord hatten, mußten wir hier zwei Tage in Karatäne liegen bleiben. Endlich war es so weit, am achtundzwanzigsten März 1919 schon früh wurden wir von einer Marienekapelle abgeholt und die uns mit Musik bis nach Hamburg zum Anlegehai begleitete. Die Ufer der Elbe waren von Menschen umsäumt, daß Winken und Tücherschwenken nahm kein Ende, denn unser Schiff war das erste mit Kriegsgefangenen, daß zurück kam und Hamburg anlief, die Eta Rickmers und Kerküra die schon vor uns zurück kamen, haben Bremerhafen angelaufen. In Hamburg am Hai war <²OZ facs. 114> eine große Trübine aufgebaut, wo auch wieder eine Kapelle Aufstellung genommen hatte und uns mit dem Liede nach der Heimat möcht ich wieder begrüßten. Nun wurde vom Rat der Stadt die Begrüßungsansprache gehalten und von allen auf herzlichste Willkommen geheißen, als die Begrüßungsansprache vorbei war, verließen wir unsere Patmos, die über einvirteljahrlang unsere Heimat war ≡ | Am 26. März 1919 kamen wir in Brunsbüttelkoog an. Da wir mehrere Kranke an Bord hatten, mussten wir noch für zwei Tage in Quarantäne an Bord bleiben. Endlich, am 28. März in der Frühe, erschien eine Marinekapelle auf einem Motorboot und begleitete uns mit Musik bis zum Anlegekai. Am Ufer der Elbe standen die Menschen und winkten und schwenkten Tücher und jubelten, denn unser Schiff war das erste, das nach Kriegsende mit Kriegsgefangenen in Hamburg anlegte. Die “Eta Rickmers” und die “Kerküra”, die vor uns waren, hatten Bremerhaven angelaufen. Am Kai in Hamburg war eine große Tribüne aufgebaut. Eine Kapelle empfing uns mit dem Lied: “Nach der Heimat möcht’ ich wieder…”. Begrüßungsansprachen wurden gehalten, und wir wurden herzlich willkommen geheißen. Dann durften wir die “Patmos” verlassen, die ein Vierteljahr lang unser Zuhause war. |
| und es ging zum alten Hannoverschen Bahnhof, wo in den großen Wartsäälen Betten und Unterkunft für uns eingerichtet war. Nachdem wir uns nun gesättig hatten, gings gleich zur Bade und Entlausungsanstalt, wo wir dann unsere Militärsachen gegen Civil vertauschten, nun wurden noch Kleinigkeiten zur Verschönerung unseres Räubercivil eingekauft, Kragen und Schlips. Gern hätten wir uns auch mal Hamburg | |
Nachwort | |
| Mein Vater, Otto Zoberbier, hatte vor dem ersten Weltkrieg bei den 2. Dragonern in Schwedt an der Oder gedient. Er hatte sich vorher, wie sein älterer und größerer Bruder, freiwillig zu den Garde-Dragonern in Berlin gemeldet, wurde aber im Gegensatz zu seinem Bruder wegen seiner zu geringen Größe dort nicht genommen. Während seiner dreijährigen Dienstzeit in Schwedt bewarb er sich um eine Versetzung zur Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, aber auch das ohne Erfolg. Zu Beginn des Krieges wurde er sofort eingezogen, und er nahm im August 1914 mit seinem Regiment am schnellen Vormarsch in Frankreich teil. Als zu Beginn des Stellungskrieges die Kavallerie überflüssig wurde, hoffte er wieder auf einen abenteuerlichen Einsatz in der Ferne, und er bewarb sich um einen Posten beim “Stab von der Goltz”, dem Verbindungsstab beim türkischen Verbündeten. Diesmal mit Erfolg. | |
| Nach dem Krieg berichtete er, von allen bewundert, von seinen Erlebnissen, und seine Freunde forderten ihn immer wieder auf, doch seine Erlebnisse aufzuschreiben, was er dann auch tat. Eine erste Kladde, in deutscher Schreibschrift geschrieben, wurde von vielen gelesen und war schließlich sehr zerlesen. In vorgerücktem Alter hat er seine Niederschrift noch einmal abgeschrieben und überarbeitet, denn die Abenteuer in Arabien waren sein größtes Erlebnis. Zum bequemeren Lesen für seine Enkel und Urenkel wurden diese Aufzeichnungen in Maschinenschrift übertragen. | |
| Werner Zoberbier |
